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Vizeadmiral Jan Christian Abry, stellvertretender Inspekteur der Marine, hat in einer nichtöffentlichen Ansprache vor Führungskräften der Bundeswehr die Dringlichkeit einer raschen und tiefgreifenden Veränderung der Streitkräfte unterstrichen. „Wir müssen uns verändern, sehr schnell verändern“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur den Admiral. Die Worte fallen in eine Zeit, in der die deutsche Sicherheitspolitik nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 eine grundlegende Neubewertung erfährt. Die sogenannte Zeitenwende, ausgerufen von Bundeskanzler Olaf Scholz, hat zwar milliardenschwere Sondervermögen für die Bundeswehr freigesetzt, doch die Umsetzung der Reformen hinkt den ambitionierten Ankündigungen oft hinterher.
**Contexto**
Die Äußerungen von Vizeadmiral Abry sind vor dem Hintergrund des tiefgreifenden Wandels der deutschen Verteidigungsdoktrin zu verstehen. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine hat Deutschland seine Verteidigungsausgaben signifikant erhöht – ein spezielles Vermögen zur Modernisierung der Bundeswehr wurde beschlossen, und die NATO-Ostflanke wird verstärkt. Dennoch zeigen interne Berichte und externe Evaluierungen, dass die Bundeswehr weiterhin mit strukturellen Problemen kämpft: veraltete Ausrüstung, bürokratische Hürden bei Beschaffungen, Personalmangel und eine oft zögerliche Anpassung an die Erfordernisse der Landes- und Bündnisverteidigung. Vizeadmiral Abry, der für Planung und Führung der Marine verantwortlich ist, gehört zu jenen Stimmen innerhalb der militärischen Führung, die eine Beschleunigung der Transformation fordern. Seine Warnung zielt nicht nur auf materielle Modernisierung, sondern auch auf eine kulturelle Veränderung der Streitkräfte – hin zu mehr Agilität, Entscheidungsfreude und Risikobereitschaft.
Die Bundeswehr steht vor einem historischen Umbruch. Das Sondervermögen von hundert Milliarden Euro, das im Juni 2022 vom Bundestag verabschiedet wurde, soll bis 2027 die größten Investitionslücken schließen. Doch die Realisierung stockt: Beschaffungsprozesse dauern oft Jahre, die Industrie kämpft mit Lieferkettenproblemen, und die Rekrutierung neuer Soldaten bleibt hinter den Zielzahlen zurück. Abrys Mahnung zur Schnelligkeit ist daher als Appell an Politik, Verwaltung und Militär gleichermaßen zu verstehen. Er selbst betonte in seiner Rede, dass die alten Denkmuster und Organisationsstrukturen nicht mehr zeitgemäß seien. „Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher, nur mit mehr Geld“, soll er nach Angaben von Teilnehmern gesagt haben. Es brauche eine neue Kultur der Verantwortung und des Experimentierens – auch unter Inkaufnahme von Fehlern.
**Analyse**
Abrys Forderung fällt in eine Phase, in der die NATO ihre Verteidigungsplanung grundlegend überarbeitet. Das Bündnis hat sich von einer reinen Reaktionskraft zu einer vorausschauenden, abschreckenden Allianz entwickelt. Deutschland als zentrales Mitglied und Logistikdrehscheibe in Europa trägt eine besondere Verantwortung. Eine schnelle Veränderung der Bundeswehr ist daher nicht nur eine innenpolitische, sondern eine geostrategische Notwendigkeit. Verzögerungen bei der Einsatzbereitschaft deutscher Einheiten gefährden die Glaubwürdigkeit der NATO-Abschreckung. Vizeadmiral Abry, der als pragmatischer Reformer gilt, spricht damit ein Problem an, das Experten seit Jahren beklagen: Die Transformation der Bundeswehr ist nicht nur eine Frage des Budgets, sondern auch der Einstellung und der internen Abläufe.
Die Auswirkungen dieser Rede könnten weitreichend sein. Sie verstärkt den Druck auf Verteidigungsminister Boris Pistorius, der selbst für mehr Tempo und weniger Bürokratie wirbt. Pistorius hatte bereits mehrfach angekündigt, die Beschaffungsprozesse zu beschleunigen und die Einsatzbereitschaft zu erhöhen. Abrys Wortmeldung ist ein starkes internes Signal, dass selbst innerhalb der militärischen Führung die Ungeduld wächst. Die Herausforderungen sind enorm: Die Marine braucht neue Fregatten, U-Boote und moderne Kommunikationssysteme, aber auch ausgebildetes Personal, um diese Systeme zu bedienen. Ohne eine parallele kulturelle Veränderung – weg von einer übervorsichtigen, hierarchiegläubigen Organisation hin zu einer dezentralen, innovationsoffenen Truppe – könnten die Investitionen verpuffen.
**Fontes**
Die Aussagen von Vizeadmiral Abry wurden durch Marinekreise bestätigt, die mit dem Ablauf der nichtöffentlichen Veranstaltung vertraut sind. Ein Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom heutigen Tage zitiert den Admiral wörtlich. Die Hintergrundinformationen zur aktuellen Lage der Bundeswehr beruhen auf öffentlichen Stellungnahmen des Bundesministeriums der Verteidigung sowie auf Analysen des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit (SWP). Ergänzend wurde auf die Jahresberichte der Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages und NATO-Dokumente zur Lage der Streitkräfte Bezug genommen.
Por Renan Filho · 2026-10-24