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Universität Frankfurt warnt vor erzwungenen Erdbeben durch Geothermie in Deutschland

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-26

Forscher der Goethe-Universität Frankfurt haben in einer neuen Studie die potenzielle Gefahr von induzierten Erdbeben durch tiefe Geothermieprojekte in Deutschland analysiert. Die Ergebnisse werfen Fragen zur Sicherheit erneuerbarer Energiequellen auf.

**Lead**

Die Goethe-Universität Frankfurt hat eine umfassende Studie zu erzwungenen Erdbeben veröffentlicht, die durch menschliche Aktivitäten – insbesondere durch die tiefe Geothermie – in Deutschland ausgelöst werden könnten. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte geologische Formationen unter urbanen und industriellen Gebieten besonders anfällig für induzierte Seismizität sind. Die Wissenschaftler fordern eine strengere Überwachung und angepasste Risikobewertungen für alle neuen Geothermieprojekte.

**Contexto**

Erzwungene Erdbeben sind keine neue Erscheinung, aber sie gewinnen in Deutschland an Bedeutung, da die Energiewende den Ausbau der tiefen Geothermie vorantreibt. Bei diesem Verfahren wird heißes Wasser aus tiefen Gesteinsschichten gefördert oder in diese injiziert, um Dampf zur Stromerzeugung zu gewinnen. Die Injektion von Flüssigkeiten unter hohem Druck kann jedoch kleine Spannungen im Untergrund verändern und bestehende Verwerfungen reaktivieren. Internationale Beispiele wie das induzierte Beben der Stärke 3,4 in Basel 2006 oder das verheerende Beben in Pohang, Südkorea, 2017 (Magnitude 5,5) haben gezeigt, dass selbst moderate Erschütterungen große Schäden verursachen können, wenn sie in dicht besiedelten Gebieten auftreten.

In Deutschland gibt es mehrere Geothermieanlagen, vor allem im Oberrheingraben und im Norddeutschen Becken. Die Region um Frankfurt gehört zu den Gebieten, in denen geologische Störungen und tektonische Spannungen bekannt sind. Die Forscher der Universität Frankfurt haben bestehende seismische Daten sowie regionale Gesteins- und Spannungsmodelle ausgewertet, um potenzielle Hotspots zu identifizieren. Sie kamen zu dem Schluss, dass ein unkontrollierter Betrieb oder unzureichende Voruntersuchungen das Risiko von spürbaren induzierten Erdbeben erhöhen könnten. Dabei betonen sie, dass die Wahrscheinlichkeit großer Beben gering bleibt, aber die gesellschaftliche Akzeptanz bereits bei kleineren Erschütterungen leidet.

Die Studie greift auf Messreihen des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie und des Landesamtes für Umwelt zurück. Sie zeigt, dass in den letzten Jahren in der Nähe von Geothermieanlagen tatsächlich eine erhöhte Anzahl von Mikrobeben registriert wurde – jedoch ohne dass diese direkt einer einzelnen Anlage zugeordnet werden konnten. Die Frankfurter Wissenschaftler schlagen daher ein verbessertes Monitoring-System vor, das Echtzeitdaten mit prädiktiven Modellen kombiniert.

**Analise**

Die Bedeutung der Frankfurter Studie liegt in ihrer praktischen Relevanz für die deutsche Energiepolitik. Die Bundesregierung hat die Tiefengeothermie als eine Säule der Wärmewende und der Grundlastfähigkeit erneuerbarer Energien ausgerufen. Gleichzeitig wächst der Widerstand in Kommunen, die nach den Erfahrungen in Basel und Pohang Ängste vor unkontrollierten Erschütterungen haben. Die Studie liefert nun eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für Risikobewertungen. Sie zeigt, dass die Wahl des Standorts, die Injektionsrate und die Überwachungsfrequenz entscheidende Faktoren sind. Ohne klare gesetzliche Vorschriften könnten Betreiber in einer Grauzone handeln.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kommunikation. Die Forscher betonen, dass die Öffentlichkeit frühzeitig über mögliche Risiken informiert werden muss, um Vertrauen zu schaffen. In der Vergangenheit haben Geothermieprojekte in Staufen im Breisgau und in Landau wegen aufgetretener Bodenhebungen und kleiner Beben an Akzeptanz verloren. Die Frankfurter Analyse liefert Kriterien, um solche Ereignisse besser vorherzusagen und gegebenenfalls den Betrieb anzupassen. Sie empfiehlt einen risikobasierten Ansatz mit abgestuften Maßnahmen: von der Detektion kleinster Erschütterungen bis zur vorübergehenden Einstellung der Injektion.

Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass die Gefahr von erzwungenen Erdbeben nicht auf die Geothermie beschränkt ist. Auch der Kohlebergbau, die Erdgasförderung (Fracking) und die untertägige Speicherung von Gas oder CO₂ können seismische Ereignisse auslösen. Die Universität Frankfurt plant daher, ihre Methoden auf weitere Industriezweige auszudehnen. Die Studie ist ein Appell an die Politik, die Erforschung von induzierter Seismizität stärker zu fördern und verbindliche Grenzwerte festzulegen. Nur so könne die Energiewende sicher gestaltet werden.

**Fontes**

Die Informationen basieren auf der veröffentlichten Studie der Goethe-Universität Frankfurt sowie auf öffentlich zugänglichen Daten des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG), des Landesamtes für Umwelt und auf Berichten über internationale Induktionsbeben wie Basel 2006 und Pohang 2017. Zusätzlich flossen Erkenntnisse aus Fachpublikationen zur Geomechanik und Seismologie ein, die im Rahmen des Forschungsprojekts ausgewertet wurden.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.