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UN-Biodiversitätskonferenz: Gemischte Bilanz bei der Umsetzung der Naturschutzziele

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-24

Die internationale Gemeinschaft ringt weiter um wirksame Maßnahmen zur Rettung der Biodiversität. Während einige Staaten Fortschritte bei der Nationalen Biodiversitätsstrategie melden, bleiben Lücken bei Finanzierung und Kontrolle.

**Lead**

Die diesjährige UN-Biodiversitätskonferenz – offiziell die 17. Vertragsstaatenkonferenz (COP17) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt – begann diese Woche in Genf mit einer ernüchternden Bestandsaufnahme. Drei Jahre nach der Verabschiedung des historischen Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) haben weniger als ein Viertel der 196 Vertragsstaaten ihre nationalen Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne (NBSAPs) vollständig vorgelegt. Die Konferenz steht unter dem Druck, konkrete Fortschritte bei der Umsetzung der 23 Ziele zu dokumentieren, insbesondere bei der sogenannten 30x30-Verpflichtung: bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen.

**Contexto**

Der Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework wurde im Dezember 2022 auf der COP15 in Montreal beschlossen. Er gilt als das wichtigste internationale Abkommen zum Stopp des Artensterbens und umfasst unter anderem die Reduzierung von Pestiziden, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und die Mobilisierung von Finanzmitteln – jährlich 30 Milliarden US-Dollar für den Naturschutz in Entwicklungsländern bis 2030. Die Umsetzung liegt in der Verantwortung der einzelnen Staaten, die bis zur COP16, die im Oktober 2024 im kolumbianischen Cali stattfand, ihre NBSAPs vorlegen sollten. Bereits damals hatten nur ein Drittel der Länder fristgerecht eingereicht. Bis heute ist die Quote nur leicht gestiegen, obwohl die Frist auf der COP16 bis zur COP17 verlängert wurde. Die EU und einige lateinamerikanische Staaten – allen voran Kolumbien, Costa Rica und Brasilien – gehören zu den Vorreitern. Deutschland hat seinen aktualisierten NBSAP im Frühjahr 2025 verabschiedet, darin sind verbindliche Schutzgebietsausweisungen und ein nationales Artenschutzprogramm enthalten. Besonders problematisch bleibt die Lage in vielen afrikanischen und asiatischen Entwicklungsländern, die auf internationale Finanzierung angewiesen sind. Der Global Environment Facility (GEF) hat zwar einen neuen Finanzierungsmechanismus eingerichtet, aber die zugesagten Mittel reichen nach Einschätzung von Umweltorganisationen nicht aus, um die vereinbarten Summen zu erreichen. Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage des Monitorings: Die Vertragsstaaten können sich bislang nicht auf einheitliche Indikatoren zur Messung der Zielerreichung einigen. Das Sekretariat des Übereinkommens (CBD) hat einen umfassenden Fortschrittsbericht vorgelegt, der zeigt, dass bisher lediglich bei der Ausweisung neuer Schutzgebiete nennenswerte Fortschritte erzielt wurden – beispielsweise durch die Ausweitung des marinen Schutzgebiets in der Antarktis und durch Schutzprojekte im Kongobecken. Hingegen hinken die Ziele zur Reduktion von Umweltverschmutzung, zur nachhaltigen Landwirtschaft und zur Wiederherstellung degradierter Ökosysteme deutlich hinterher.

**Analyse**

Die gemischte Bilanz der Konferenz spiegelt die grundlegende Spannung zwischen globalen Ambitionen und nationalen Realitäten wider. Einerseits hat die GBF eine beispiellose politische Dynamik erzeugt – noch nie haben sich so viele Staaten zu so konkreten ökologischen Zielen verpflichtet. Die 30x30-Initiative wird von mehr als 100 Ländern unterstützt, und auch die Finanzierungszusagen – etwa der deutschen Bundesregierung, die ihre ODA-Mittel für Biodiversität auf 1,5 Milliarden Euro jährlich aufgestockt hat – sind historisch. Andererseits fehlen in vielen Ländern die administrativen Kapazitäten, die rechtlichen Grundlagen und nicht zuletzt der politische Wille, um die Ziele in nationales Recht umzusetzen. So hat beispielsweise Indonesien – ein Megadiversitätsland – seine NBSAP noch immer nicht verabschiedet, weil es Konflikte zwischen Palmölindustrie und Waldschutz gibt. Auch in der EU zeigt sich ein Ost-West-Gefälle: Während Deutschland, Frankreich und die Niederlande ambitionierte Pläne vorlegen, blockieren Polen, Ungarn und Bulgarien verschärfte Schutzvorgaben in der Gemeinsamen Agrarpolitik. Die Konferenz in Genf steht daher vor der Herausforderung, wirksame Sanktionen für Säumige zu vereinbaren – oder zumindest Anreize zu schaffen, die über finanzielle Unterstützung hinausgehen. Ein möglicher Ausweg ist die Stärkung des sogenannten „Peer-Review“-Mechanismus, bei dem Länder ihre Fortschritte gegenseitig bewerten. Ein Pilotprojekt zwischen Costa Rica und Ruanda hat gezeigt, dass dieser Ansatz Vertrauen schafft und den Austausch bewährter Praktiken fördert. Die eigentliche Nagelprobe für die COP17 wird jedoch die Frage der Biodiversitätsfinanzierung nach 2025 sein. Entwicklungsländer fordern einen neuen, unabhängigen Fonds – ähnlich dem Loss-and-Damage-Fonds im Klimabereich –, der nicht unter der Kontrolle der Weltbank stehen soll. Industriestaaten wie die USA, Großbritannien und Japan lehnen dies ab und verweisen auf bestehende Kanäle wie den GEF. Ohne eine Einigung droht die gesamte Umsetzung des GBF ins Stocken zu geraten.

**Quellen**

- Sekretariat des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) – Berichte und Pressemitteilungen zur COP17 - Global Environment Facility (GEF) – Aktuelle Daten zu Biodiversitätsfonds - Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) – Nationale Biodiversitätsstrategie 2025 - Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) – Progress Report on the Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (2025) - International Institute for Sustainable Development (IISD) – Earth Negotiations Bulletin zu COP17

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.