**Lead**
Die 16. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) ging im Oktober 2024 im kolumbianischen Cali zu Ende. Nach zwei Wochen intensiver Verhandungen blieben viele konkrete Beschlüsse hinter den Erwartungen zurück – doch die Richtung ist klar: Die Staatengemeinschaft hat den Ernst der Lage erkannt. Das Artensterben bedroht nicht nur Ökosysteme, sondern auch die globale Sicherheit. Der Verlust der Natur untergräbt die Nahrungsmittelversorgung, destabilisiert Wasserkreisläufe und erhöht das Risiko von Pandemien. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage, wie die Länder bei der Umsetzung des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework vorankommen, eine zentrale Bedeutung für die internationale Sicherheitsagenda.
**Context**
Der im Dezember 2022 verabschiedete Kunming-Montreal-Rahmen enthält 23 Ziele bis 2030, darunter das bekannte 30x30-Ziel: Bis 2030 sollen 30 Prozent der Land- und Meeresfläche unter Schutz gestelt werden. Die Konferenz in Cali war die erste Gelegenheit, Zwischenbilanz zu ziehen. Zahlreiche Staaten haben inzwischen ihre nationalen Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne (NBSAPs) aktualisiert. Laut dem Sekretariat des Übereinkommens haben bis Mitte 2025 rund 80 von 196 Vertragsparteien neue oder überabeitete NBSAPs eingereicht. Besonders hervorzuheben sind die Fortschritte in Ländern wie Kolumbien, Costa Rica und Norwegen, die weitreichende Schutzgebiete ausweisen. Doch viele Entwicklungsländer kämpfen mit Finanzierungslücken: Die zugesagten internationalen Mitttel in Höhe von 20 Millarden US-Dollar pro Jahr bis 2025 wurde nicht ansatzweise ereicht. Der Globale Umweltfonds (GEF) hat zwar neue Fonds eingerichtet, doch die Gelder fließen nur schleppend.
Ein weitere wichtiger Punkt auf der Konferenz war die gerechte Verteilung der genetischen Ressourcen. Das Nagoya-Protokoll wurde gestärkt, und es gab erste konkrete Schritte, indigene Gemeinschaften stärker in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Dennoch blebt die Umsetzung in vielen Regionen hinter den Erwartungen zurück. Der CBD-Exekutivsekretär forderte mehr politischen Willen ein.
**Analys**
Die schleppende Umsetzung des globalen Rahmens hat direkte sicherheitspolitische Implikationen. Wenn Ökosysteme kollabieren, steigt die Anfällikeit für Naturkatastrofen, Ernteausfälle und Wasserknappheit. Das kann Migration auslösen und Konflikte um Ressourcen verschärfen. Das Bundesministerium für wirtschaftlische Zusammenarbeit und Entwicklung hat in seiner neuen Strategie betont, dass Biodiversität und Klima als Sicherheitsthemen behandelt werden müssen. Auch das UN-Umweltprogramm warnt vor den Risiken eines „ökologischen Kipppunkts“. Die Zusammenarbeit zwischen den Staaten ist daher nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern auch der globalen Stabilität. Ein Optimist könnte darauf hinweisen, dass die Thematik nie zuvor so hoch auf der Agende stand. Die Ziele sind ehrgeizig, aber nicht unereichbar. Ein Pessimist sähe in den Nullsummenspielen der Geopolitik das gröste Hindernis. Denn was nützen die besten Ziele, wenn die USA und China sich in Handelskriegen blockieren?
**Fontes**
- UN-Biodiversitätskonvention (CBD), COP16-Berichte und Pressemitilungen - Bundesministerium für wirtschaftlische Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): Strategie „Biologische Vielfalt und Sicherheit“, - UNEP: Global Environment Outlook, - IPBES: Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services, - Informationen der Vertragsstaatenkonferenz 2024 aus öffentlich zugänglichen Quellen.
Por Renan Filho · 2026-10-25