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Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Erdölraffinerien wieder aufgenommen. In den vergangenen Tagen meldeten russische Behörden Explosionen und Brände in mehreren Raffinerien, darunter Anlagen in den Regionen Rjasan, Samara und Krasnodar. Die ukrainischen Streitkräfte bestätigten die Angriffe als Teil ihrer Strategie, die russische Treibstoffversorgung zu stören. Die erneuten Attacken kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die globalen Ölmärkte bereits angespannt sind – und treiben die Rohölpreise in die Höhe. Für Deutschland, das als größte Volkswirtschaft Europas stark von Energieimporten abhängig ist, bedeuten die Entwicklungen neue Unsicherheiten.
**Contexto**
Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Energieinfrastruktur sind kein neues Phänomen. Bereits im Frühjahr 2024 hatte Kiew mehrfach Raffinerien und Öllager in Russland attackiert, um die russischen Treibstofflieferungen an die Front zu behindern und die Einnahmen aus Ölexporten zu schmälern. Nach einer Phase relativer Ruhe im Sommer – bedingt durch verstärkte russische Luftabwehr und diplomatische Signale – hat die Ukraine nun die Offensive wieder aufgenommen.
Die betroffenen Raffinerien gehören zu den größten in Russland. Die Anlage in Rjasan verarbeitet jährlich rund 17 Millionen Tonnen Rohöl, die in Samara liegt bei etwa 8 Millionen Tonnen. Die Schäden sind nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen erheblich: In Rjasan sei eine Destillationskolonne zerstört worden, in Samara brannte ein Tanklager tagelang. Die russische Regierung spricht von „Terrorakten“ und kündigte Vergeltungsmaßnahmen an.
Die wirtschaftliche Dimension dieser Angriffe ist beträchtlich. Russland ist einer der größten Rohölexporteure der Welt. Jede Unterbrechung der Raffineriekapazität wirkt sich direkt auf die Exportmengen von Diesel, Benzin und Heizöl aus. Zwar hat Russland in den vergangenen Monaten seine Exporte nach China und Indien umgeleitet, doch die Raffinerien im Westen des Landes versorgen auch den heimischen Markt und die Schwarzmeerhäfen. Ein Ausfall mehrerer Anlagen könnte die russischen Treibstoffexporte um bis zu 15 Prozent reduzieren, schätzen unabhängige Analysten.
**Analise**
Die Wiederaufnahme der Angriffe hat unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Ölpreise. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg innerhalb weniger Tage um rund drei Prozent auf über 85 US-Dollar pro Fass. Auch die US-amerikanische Sorte WTI legte zu. Für Deutschland, das rund 35 Prozent seines Rohöls aus Russland bezieht – trotz des Embargos auf russisches Rohöl über den Seeweg –, sind steigende Ölpreise eine zusätzliche Belastung. Zwar importiert Deutschland seit 2023 kein russisches Rohöl mehr per Tanker, doch die Pipeline-Lieferungen über die Druschba-Pipeline laufen weiter. Zudem wirken sich höhere Weltmarktpreise direkt auf die Heizöl- und Benzinpreise an deutschen Tankstellen aus.
Die deutsche Wirtschaft, die ohnehin unter hohen Energiekosten und einer schwachen Konjunktur leidet, könnte durch die jüngste Entwicklung weiter unter Druck geraten. Die Industrie, insbesondere die chemische und petrochemische Branche, ist auf stabile Rohölpreise angewiesen. Steigende Kosten für Rohstoffe und Transport gefährden die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Hinzu kommt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung: Sollte die Ukraine ihre Angriffe intensivieren oder auf weitere Raffinerien ausdehnen, könnte der Ölpreis noch stärker steigen.
Gleichzeitig zeigt die Strategie Kiews, dass der Krieg auch eine wirtschaftliche Dimension hat. Indem die Ukraine die russische Energieinfrastruktur angreift, versucht sie, die Kriegskasse Moskaus zu treffen. Russland erzielt einen erheblichen Teil seiner Staatseinnahmen aus Öl- und Gasverkäufen. Jede Unterbrechung der Produktion oder des Exports schmälert diese Einnahmen. Analysten gehen davon aus, dass die russische Wirtschaft bereits jetzt unter den Sanktionen und den Kriegskosten leidet. Die Angriffe auf Raffinerien könnten diesen Druck verstärken.
Für Deutschland und Europa ergibt sich ein Dilemma: Einerseits sind höhere Ölpreise schädlich für die eigene Wirtschaft, andererseits schwächen sie den Kriegsgegner Russland. Die Bundesregierung hat sich bisher zurückhaltend zu den ukrainischen Angriffen geäußert. Offiziell unterstützt Berlin das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung, auch gegen militärische Ziele auf russischem Territorium. Gleichzeitig mahnt die deutsche Industrie, dass die Energiepreise nicht weiter steigen dürften.
**Quellen**
Die Informationen basieren auf Berichten der russischen Nachrichtenagentur TASS, des ukrainischen Generalstabs sowie auf Analysen des Internationalen Energieagentur (IEA) und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Die Angaben zu den Raffineriekapazitäten stammen aus öffentlich zugänglichen Daten des russischen Energieministeriums. Die Preisentwicklung wurde anhand von Daten der Intercontinental Exchange (ICE) und der US-Energieinformationsbehörde (EIA) nachvollzogen.
Por Renan Filho · 2026-10-15