**Lead**
Die zweite Präsidentschaft von Donald Trump hat die Vereinigten Staaten in eine Phase des radikalen Umbruchs geführt, die von Politikwissenschaftlern als „zweite amerikanische Revolution“ bezeichnet wird. Diese Entwicklung, die zunehmend autoritäre Züge trägt, hat weitreichende Konsequenzen für die internationale Wissenschaftsgemeinschaft – insbesondere für Deutschland, einem der engsten Forschungspartner der USA. Deutsche Hochschulen und Institute sehen sich mit neuen Hürden bei der Zusammenarbeit, unsicheren Finanzierungsströmen und restriktiven Einreisebestimmungen konfrontiert.
**Contexto**
Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 hat Trump eine Reihe von Exekutivanordnungen erlassen, die die Struktur der US-Bundesbehörden grundlegend verändern. Das Weiße Haus kündigte eine umfassende Neuausrichtung der National Institutes of Health (NIH) und der National Science Foundation (NSF) an, mit dem Ziel, „amerikanische Prioritäten“ in den Vordergrund zu stellen. Gleichzeitig wurden Visa-Programme für Wissenschaftler aus bestimmten Ländern, darunter auch aus Deutschland, verschärft. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Max-Planck-Gesellschaft haben in internen Analysen auf die wachsende Abhängigkeit von US-amerikanischen Forschungsinfrastrukturen hingewiesen – etwa bei Großforschungsanlagen wie dem Large Hadron Collider oder bei Weltraumprojekten der NASA.
Die autoritäre Tendenz zeigt sich auch in der Einschränkung akademischer Freiheiten. Mehrere US-Universitäten berichten von politischem Druck auf Forschungsthemen, die als „unamerikanisch“ gelten könnten, etwa Klimawandel oder Impfstoffentwicklung. Deutsche Wissenschaftler, die an gemeinsamen Projekten mit US-Partnern arbeiten, fürchten um die Unabhängigkeit ihrer Ergebnisse. Zudem hat die Trump-Administration die Mittel für internationale Kooperationen im Rahmen von Programmen wie „Horizont Europa“ gekürzt, was direkte Auswirkungen auf deutsch-amerikanische Konsortien hat.
**Analise**
Die Bedeutung dieser Entwicklung für Deutschland kann kaum überschätzt werden. Die USA sind der wichtigste außereuropäische Partner der deutschen Forschung: Jährlich fließen Milliarden Euro in gemeinsame Projekte, von der Quantenphysik bis zur Biomedizin. Sollte der autoritäre Kurs anhalten, droht ein Brain-Drain: Deutsche Spitzenforscher könnten sich von US-amerikanischen Einrichtungen abwenden oder ganz nach Europa zurückkehren. Gleichzeitig werden deutsche Universitäten zunehmend zu Anlaufstellen für Wissenschaftler, die aus den USA fliehen – ein Trend, der bereits in Trumps erster Amtszeit beobachtet wurde.
Die langfristigen Folgen sind noch nicht absehbar. Klar ist jedoch, dass die transatlantische Wissenschaftsachse unter Druck gerät. Deutsche Forschungsministerien haben bereits Notfallpläne entwickelt, um die Abhängigkeit von US-Förderungen zu reduzieren. Dazu gehören der Ausbau eigener Großforschungsanlagen und die Intensivierung der Zusammenarbeit mit asiatischen Partnern. Doch ein vollständiger Ersatz der US-Kooperationen ist kurzfristig nicht möglich. Die deutsche Wissenschaft steht vor der Herausforderung, ihre internationale Vernetzung zu bewahren, ohne sich von politischen Strömungen in den USA vereinnahmen zu lassen.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Berichten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Max-Planck-Gesellschaft sowie Analysen des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Zudem wurden Pressemitteilungen des Weißen Hauses und Stellungnahmen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aus dem Jahr 2025 und 2026 herangezogen. Die Darstellung der autoritären Tendenzen folgt der Einschätzung von Politikwissenschaftlern wie Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, die in ihren Arbeiten auf die Erosion demokratischer Normen in den USA hinweisen.
Por Renan Filho · 2026-10-01