**Lead**
In der deutschen Linkspartei tobt ein interner Machtkampf, der weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit stattfindet. Im Zentrum steht die trotzkistische Strömung Marx21, die laut übereinstimmenden Medienberichten und parteiinternen Dokumenten systematisch versucht, die Partei von innen zu unterwandern. Die Gruppe, die sich selbst als revolutionär-marxistisch versteht, hat in mehreren Landesverbänden Fuß gefasst und strebt eine radikale Neuausrichtung der Linken an. Dieser Vorgang ist nicht nur ein politisches Phänomen, sondern auch ein Gegenstand der politischen Wissenschaft, der die Dynamik von radikalen Flügeln in demokratischen Parteien untersucht.
**Context**
Marx21 entstand Anfang der 2000er Jahre aus dem Zusammenschluss mehrerer trotzkistischer Kleingruppen, darunter die „Sozialistische Alternative“ und Teile der „Vereinigten Sozialistischen Partei“. Die Strömung versteht sich als Avantgarde der Arbeiterklasse und lehnt den reformistischen Kurs der Linken ab. Stattdessen propagiert sie eine revolutionäre Überwindung des Kapitalismus. In den vergangenen Jahren gelang es Marx21, in einigen Gliederungen der Partei – insbesondere in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen – Führungspositionen zu besetzen. Parteitage wurden genutzt, um Anträge durchzubringen, die eine schärfere Abgrenzung zur bürgerlichen Politik fordern.
Die Methoden der Unterwanderung sind vielfältig. Nach Recherchen mehrerer Medien rekrutiert Marx21 gezielt junge, engagierte Mitglieder, die in Ortsvereinen und Kreisverbänden schnell Verantwortung übernehmen. Diese Kader werden in internen Schulungen auf eine strenge Linie eingeschworen. Kritiker werfen der Gruppe vor, eine „Partei in der Partei“ zu bilden, die demokratische Entscheidungsprozesse unterminiere. Die Bundespartei hat sich mehrfach von extremistischen Tendenzen distanziert, doch konkrete Ausschlussverfahren blieben bislang selten.
**Analyse**
Die Unterwanderung durch Marx21 ist mehr als ein innerparteiliches Gerangel. Sie wirft grundlegende Fragen nach der demokratischen Verfasstheit der Linken auf. Wenn eine organisierte Minderheit mit klaren revolutionären Zielen Schlüsselpositionen besetzt, kann dies die Glaubwürdigkeit der gesamten Partei als demokratische Kraft beschädigen. Wähler, die die Linke als sozialdemokratische Alternative sehen, könnten sich abwenden. Gleichzeitig stärkt der Einfluss von Marx21 den rechten Flügel innerhalb der Partei, der eine Abspaltung nicht ausschließt.
Aus politikwissenschaftlicher Perspektive ist der Fall Marx21 ein Lehrstück über die Anfälligkeit von linken Sammelparteien für radikale Strömungen. Ähnliche Prozesse sind in anderen europäischen Ländern zu beobachten, etwa in Frankreich bei La France Insoumise oder in Griechenland bei SYRIZA. Die Trotzkisten nutzen die Offenheit der Partei, um ihre Agenda voranzutreiben – eine Strategie, die als „Entrismus“ bekannt ist. Ob die Linke diesen inneren Widerspruch auflösen kann, ohne sich selbst zu zerreißen, ist ungewiss.
**Fontes**
Die Informationen in diesem Artikel basieren auf öffentlich zugänglichen Berichten deutscher Medien, darunter die taz, Der Spiegel und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, sowie auf parteiinternen Dokumenten, die in diesen Berichten zitiert wurden. Zudem wurden Analysen der politischen Wissenschaft herangezogen, die sich mit dem Phänomen des Entrismus in linken Parteien befassen. Konkrete Namen von Einzelpersonen wurden bewusst nicht genannt, da die Berichterstattung über die Gruppe Marx21 oft auf anonymen Quellen beruht und eine namentliche Nennung ohne gerichtliche Bestätigung nicht verantwortbar wäre.
Por Renan Filho · 2026-10-30