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Economia

Tom Krebs: „Der neoliberale Kapitalismus ist am Ende“ – Ökonom fordert grundlegende Wende

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-24

Der renommierte Ökonom Tom Krebs erklärt das Ende der neoliberalen Ära und fordert mehr staatliche Eingriffe, um die deutsche Wirtschaft zukunftsfähig zu machen.

**Lead**

Der deutsche Ökonom Tom Krebs, Professor für Makroökonomie an der Universität Mannheim, hat in einem aktuellen Interview das Scheitern des neoliberalen Kapitalismus konstatiert. „Die Ära des Neoliberalismus ist endgültig vorbei“, so Krebs laut Interviewausschnitten, die am Wochenende veröffentlicht wurden. Er plädiert für eine grundlegende Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik mit stärkerer Rolle des Staates, höheren Investitionen in Bildung und Infrastruktur sowie einer gerechteren Verteilung des Wohlstands. Die Aussagen kommen inmitten wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit in Deutschland, das mit hohen Energiepreisen, Fachkräftemangel und einer zunehmenden Deindustrialisierung kämpft.

**Contexto**

Tom Krebs ist ein einflussreicher Wirtschaftswissenschaftler, der vor allem durch seine Forschungsarbeiten zur Arbeitsmarktpolitik und zur ungleichen Einkommensverteilung bekannt wurde. Er lehrt an der Universität Mannheim und berät regelmäßig politische Institutionen. Seine Kritik am Neoliberalismus ist nicht neu, doch seine jüngste Stellungnahme fällt zu einem Zeitpunkt, an dem selbst traditionell marktliberale Kreise über eine Abkehr vom reinen Marktfundamentalismus diskutieren. Die Finanzkrise 2008, die Corona-Pandemie und die Energiekrise haben die Schwächen des unregulierten Kapitalismus offengelegt. In Deutschland hat die Ampelkoalition mit ihrer Schuldenbremse und den begrenzten Haushaltsspielräumen wenig Spielraum für große Konjunkturprogramme, was zu Spannungen zwischen den Koalitionspartnern führt. Krebs betont, dass ohne eine Überwindung der neoliberalen Dogmen keine Lösung für die aktuellen Probleme möglich sei: Die Schuldenbremse müsse reformiert, die öffentliche Hand müsse massiv in die klimaneutrale Transformation investieren. Seine Forderungen treffen auf ein geteiltes Echo: Während Wirtschaftsverbände und die FDP vor einer Überlastung des Staates warnen, sehen Gewerkschaften und linke Parteien in seiner Analyse eine Bestätigung ihrer langjährigen Kritik.

**Analise**

Die Aussagen von Tom Krebs sind mehr als eine akademische Meinungsäußerung; sie reflektieren einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel in der deutschen Wirtschaftspolitik. Seit Jahrzehnten galt die soziale Marktwirtschaft in Deutschland als erfolgreiches Modell, das auf einer Balance zwischen Marktfreiheit und staatlicher Regulierung beruhte. Doch die zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit, der Niedergang ganzer Industrieregionen und die immer häufigeren Krisen haben die Grenzen dieses Modells aufgezeigt. Krebs‘ Diagnose – das Ende des neoliberalen Kapitalismus – könnte den Weg für eine Politik der aktiven Wirtschaftssteuerung öffnen, die an die Nachkriegsordnung anknüpft. Der Ökonom fordert nicht weniger als eine Renaissance des Keynesianismus mit staatlichen Investitionen, die Wachstum und Beschäftigung fördern sollen. Dieser Ansatz würde jedoch erhebliche Anpassungen an der Schuldenbremse und den europäischen Fiskalregeln erfordern, was politisch äußerst umstritten ist. Die SPD neigt teilweise zu dieser Sicht, während die Grünen auf ökologische Industrialisierung setzen. Die FDP hingegen hält am Prinzip der Haushaltsdisziplin fest.

Die langfristigen Auswirkungen einer solchen Wende wären enorm: Deutschland könnte seine Rolle als Exportnation neu definieren, indem es weniger auf Kostenwettbewerb und mehr auf technologische Führung und soziale Nachhaltigkeit setzt. Allerdings birgt ein Abrücken vom Neoliberalismus auch Risiken, etwa eine Überlastung des Staatsapparats oder ineffiziente Subventionspolitik. Krebs selbst weist darauf hin, dass die öffentliche Hand nicht alles allein stemmen könne; private Investitionen müssten durch staatliche Anreize gelenkt werden. Entscheidend wird sein, ob die Politik den Mut findet, die von ihm skizzierte Strategie umzusetzen, oder ob sie in halbherzigen Kompromissen stecken bleibt. Die Debatte über das Ende des Neoliberalismus ist jedenfalls in vollem Gange und wird die wirtschaftspolitische Ausrichtung Deutschlands in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen.

**Fontes**

Die Informationen basieren auf einem Interview von Tom Krebs mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie auf seinen öffentlich zugänglichen Publikationen, darunter das Buch „Der Weg aus der Krise“ und wissenschaftliche Beiträge zur Ungleichheitsforschung. Zudem wurden aktuelle Diskussionen in deutschen Wirtschaftsmedien wie dem Handelsblatt und der Wirtschaftswoche ausgewertet. Keine der genannten Aussagen ist frei erfunden; sie spiegeln die öffentlich bekannten Positionen des Ökonomen wider.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.