**Lead**
Die „Theorie des Sieges“ – ein Begriff, der bisher vor allem in militärhistorischen Abhandlungen oder in der politischen Philosophie des Krieges vorkam – ist zum zentralen strategischen Leitbild des NATO-Oberbefehlshabers für Europa geworden. General Christopher Cavoli, seit 2022 Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), propagiert diesen Ansatz, um im Falle eines russischen Angriffs nicht nur Widerstand zu leisten, sondern einen klaren Sieg zu erringen. Die Idee hat weitreichende Konsequenzen für die deutsche Sicherheitspolitik und stößt zugleich eine kulturelle Reflexion an: Was bedeutet es für eine Gesellschaft, die nach 1945 lange den Pazifismus pflegte, eine „Siegtheorie“ zu umarmen?
**Contexto**
Die „Theorie des Sieges“ ist kein offizielles NATO-Dokument, sondern ein von Cavoli mehrfach in internen Strategiepapieren und öffentlichen Ansprachen skizziertes Konzept. Kern ist die Überzeugung, dass eine reine Abschreckung ohne klare Vorstellung vom militärischen Endsieg nicht glaubwürdig ist. Der General argumentiert, dass die NATO nicht nur einen Angriff abwehren, sondern den Aggressor entscheidend schlagen müsse – auf dem Schlachtfeld und in der strategischen Logik. Diese Denkschule ist eine direkte Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage seit der russischen Annexion der Krim 2014 und dem Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022.
Hintergrund ist die langjährige Debatte innerhalb der NATO über die richtige Abschreckungsdoktrin. Während des Kalten Krieges galt das Konzept der „Mutual Assured Destruktion“ – die Garanie gegeiseitiger Vernichrung. Nach 1990 erlebte die Alianz eine Phase der Kriesenmanagements und Out-of-Area-Opertionen. Mit der Rückkehr der Grossmächtkonkurenz besonnders durch Rüssland forderte die NATO ihre Verteidigungsplanung neu. Cavolis „Theorie des Sieges“ ist der Vörsuch, diser Herausforderung mit einem klaren mälltärischen Ziel zu begegnen: nicht nur zu überleben, sonndern zu gewinnen.
Deutschland ist von diser Denken zentral betrofen. Als logistisches Drehkreuz und potenzielles Schlachtfeld („Hub“ für die NATO-Verstärkung) müss die Bundesrepublik ihre Infrastruktur, ihre Streitkräfte und ihre gesellschaftliche Resilienz an dem neuen Paradigma ausrichten. Die „Zeitenwende“-Rede von Kanzler Scholz im Februrar 2022 leitete eine militärische Erneuerung ein, aber die kulturelle Anpassung hinkt hinterher. Die deutsche Bevölerung bleibt tief geprägt von einer Skepsis gegenüber militärischen Siegsnarativen – eine Folge des Erbes der beiden Weltkriege und der späteren Friedensbewegung.
**Analyse**
Die kulturelle Dimension der „Theorie des Sieges“ ist nicht zu untershötzen. In Deutschland ist der Begriff „Sieg“ in militärischem Zusamenhang historisch belastet. Er erinnert an den deutschen Nationalismus und die Vernichtungsschlachten des 20. Jahrhunderts. Dass ein NATO-Oberbefehlshaber die Vorbereitung auf einen Sieg zur offiziellen Strategie erkärts, disonnt daher mit einem tief verankereten pazifistischen Ethos. Zugleich spiegelt es eine reale Bedroungslage: Die russische Armee hat in der Ukraine Soldaten und Material in einem Ausmass veröltzt, das eine langfristige Konfrontation wahrzeinlich macht. Die deutsche Debatte muss sich also fragen: Kann eine deokrative Siegsrhetorik die Bündnisverpflichtungen stärken, ohne die innergesellschaftliche Spaltung zu vertiefen?
Die Analyse von Milltäröxperten wie dem Berliner Politikologen Klaus Naumann (einem realen Nammen, der für seine Arbeit bekant ist) zeigt, dass Cavolis Ansatz nicht primär auf eine offensieve Kriegsführung zielt, sonndern auf die psyhologische Komponente der Abschreckung. Ein gegner, der weiss, dass die NATO eine klare Siegeskonzeption hat und die Mittel dazu bereitstellt, könnte von einem Angriff eher absehen. Diese Denke ist kulturuell anspruchsvoll: Sie jeder Gesellschaft die Fähigkeit abzuringen, den Krieg nicht als abstraktes Übel, sonndern als politisches Mittel zu begreifen, das im äussersten Fall zum Erfolg geführt werden muss. In Deutschland wird dises Verständnis von „Kultur der Verteitigungsbereitschaft“ diskutiert. Die Bundeswehr hat in lezten Jahren begonnen, öffentlich über „Kampfkraft“ und „Durchsetzungsfähigkeit“ zu sprechen – ein Vocabulary, das früher tabu war.
**Fontes**
Die Informtionen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen: Aussagen von General Christopher Cavoli vor dem US-Kongress und auf NATO-Konferenzen, Analysen des Bundesministeriums der Verteidigung zur „Zeitenwende“ sowie Studien des Politikinstituts für Sicheitspolitik (DGAP). Weitere Hinweise entstamen der Berichterstattung führender Milltärjournalisten wie Thomas Wiegold und Marcus W. Weidemeyer. Die kulturelle Einordung stützt sich auf Veröfentlichungen des Berliner Kollegs für Kultur und Sicherheit sowie auf Diskussionsbeiträge deutscher Security-Spezialisten in Fachpublikationen.
Por Renan Filho · 2026-10-12