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„Theorie des Sieges“: NATO-Oberbefehlshaber stellt Strategie zur Abwehr eines russischen Angriffs vor

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-12

General Christopher Cavoli, Supreme Allied Commander Europe, hat einen detaillierten Plan vorgestellt, der darauf abzielt, einen russischen Angriff auf NATO-Gebiet durch eine gestaffelte Verteidigung und schnelle Verstärkung zurückzuschlagen. Die neue Doktrin bedeutet einen Paradigmenwechsel in der Bündnisverteidigung.

**Lead**

Der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Christopher Cavoli, hat die sogenannte „Theorie des Sieges“ als strategische Leitlinie zur Abwehr eines möglichen russischen Angriffs auf das Bündnisgebiet präsentiert. Der Plan, der auf den neuen Regionalplänen der NATO basiert, sieht eine Kombination aus gestaffelter Vorwärtsverteidigung, massiver Luftüberlegenheit und rascher Verstärkung aus Nordamerika vor. Cavoli erläuterte die Eckpfeiler der Strategie kürzlich vor Militärexperten und hob hervor, dass die NATO nicht länger nur auf Vergeltung, sondern auf aktive Verweigerung eines Angriffs setze.

**Context**

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hat die NATO ihre Verteidigungsplanung grundlegend überarbeitet. Auf dem Gipfel in Madrid 2022 verabschiedete das Bündnis ein neues strategisches Konzept, das Russland als „direkteste und bedeutendste Bedrohung“ einstuft. Im Juli 2023 folgte die Verabschiedung der sogenannten Regionalpläne – der ersten umfassenden Verteidigungspläne seit dem Ende des Kalten Krieges. Diese Pläne legen fest, wie die NATO im Falle eines Angriffs auf ein Mitgliedsland Truppen, Waffen und Logistik in kürzester Zeit an die Front bringen will.

Deutschland kommt in diesen Plänen eine zentrale Rolle zu: als Drehkreuz für die Verstärkung der Ostflanke. Die Bundeswehr hat ihre Brigade in Litauen aufgestellt und bereitet sich auf eine Führungsrolle in der multinationalen Division Ost vor. Gleichzeitig laufen Umbauten an der militärischen Infrastruktur, etwa an Bahnstrecken und Brücken, um einen schnellen Truppentransport zu gewährleisten. Die „Theorie des Sieges“ von Cavoli integriert diese nationalen Anstrengungen in einen kohärenten Bündnisrahmen.

Kern der Strategie ist die Abschreckung durch Verweigerung (deterrence by denial). Statt sich auf eine spätere Vergeltung zu verlassen, will die NATO einen Angriff von Anfang an unmöglich machen. Dazu gehört, die russischen Angriffsspitzen bereits nahe der Grenze zu bekämpfen, die Luftüberlegenheit zu sichern und die eigenen Nachschublinien zu schützen. Cavoli betonte, dass die NATO in der Lage sein müsse, einen Krieg auf mehreren Domänen gleichzeitig zu führen: zu Lande, in der Luft, im Cyberraum und im Weltraum. Die „Theorie des Sieges“ sei kein starres Rezept, sondern ein Rahmen, der sich an die jeweilige Bedrohung anpasse.

**Analyse**

Die neue Strategie markiert einen tiefgreifenden Wandel in der NATO-Doktrin. Während des Kalten Krieges setzte das Bündnis auf „flexible response“ und massive Vergeltung, wobei die USA als nukleare Garantie dienten. Nach dem Ende der Blockkonfrontation verlegte man sich auf Stabilisierungs- und Auslandseinsätze. Der rustige Angriffskrieg gegen die Ukraine zwang die NATO jedoch, wieder die Landes- und Bündnisverteidigung in den Mittelpunkt zu stellen. Die „Theorie des Sieges“ geht weiter: Sie fordert nicht nur eine ausreichende Truppenstärke, sondern auch operative Konzepte, um einen mechanisierten Angriff abzuwehren, ohne sofort auf nukleare Optionen zurückgreifen zu müssen.

Bedeutsam ist auch die klare Benennung Russlands als Gegner. Cavoli ließ keinen Zweifel daran, dass die Strategie speziell auf das russische Militär zugeschnitten sei. Dazu gehören die Bekämpfung der zweiten und dritten Angriffswelle, die Zerstörung von Kommandostrukturen tief im Hinterland und die Aufrechterhaltung der eigenen Logistik unter Beschuss. Die NATO übt diese Szenarien bereits in groß angelegten Manövern wie „Steadfast Defender“ und „Air Defender“. Experten sehen darin eine notwendige Abschreckungsbotschaft: Moskau müsse wissen, dass ein Angriff auf ein NATO-Mitglied nicht nur einen Krieg, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit eine militärische Niederlage bedeuten würde.

Gleichzeitig birgt die Strategie Risiken. Eine starke Vorwärtsverteidigung erfordert eine dauerhafte hohe Präsenz von Kampftruppen an der Ostflanke – was Russland als Provokation werten könnte. Zudem ist die Abhängigkeit von US-Verstärkungskräften groß: Die „Theorie des Sieges“ setzt darauf, innerhalb von Tagen zehntausende Soldaten und schweres Gerät aus den USA zu verlegen. Ob dies im Ernstfall reibungslos funktioniert, hängt von politischer Entschlossenheit und logistischer Vorbereitung ab. Deutschland kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Ohne eine funktionierende Aufmarschinfrastruktur in der Bundesrepublik wäre die gesamte Strategie gefährdet.

**Quellen**

Die Informationen basieren auf öffentlichen Stellungnahmen von General Christopher Cavoli, den offiziellen NATO-Dokumenten zu den Regionalplänen (2023), sowie Hintergrundgesprächen mit Sicherheitsexperten, die von der Deutschen Presse-Agentur und dem International Institute for Strategic Studies (IISS) dokumentiert wurden. Die Analyse stützt sich zudem auf Berichte der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Transformation der NATO-Verteidigung.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.