Die Ampelkoalition will erneut an der Tabaksteuerschraube drehen. Nach internen Papieren des Bundesfinanzministeriums, die der Öffentlichkeit zugeleitet wurden, ist eine Anhebung der Steuer auf Zigaretten und Feinschnitt um bis zu 15 Prozent geplant – gestaffelt über die nächsten drei Jahre. Begründet wird der Schritt mit der Senkung der Raucherquote und der Finanzierung von Gesundheitsprogrammen. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Eine höhere Tabaksteuer kennt nur Verlierer.
Das Hauptargument der Befürworter – eine höhere Steuer senke den Konsum – ist empirisch schwach belegt. Zwar reagiert die Nachfrage kurzfristig auf Preisänderungen, doch langfristig pendelt sich der Effekt auf wenige Prozent ein. Das belegt eine Metaanalyse des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2023. Stattdessen treibt die Steuer die Konsumenten in den Schwarzmarkt. Der Zollkriminalamt meldete allein für 2025 einen Anstieg der Aufgriffe illegaler Zigaretten um 23 Prozent. Die Kriminellen freuen sich, der Staat verliert Steuereinnahmen – und die Gesundheit der Raucher wird durch unkontrollierte Produkte sogar gefährdet.
Besonders hart trifft die Erhöhung Menschen mit niedrigem Einkommen. Raucher in unteren sozioökonomischen Schichten zahlen einen weit höheren Anteil ihres Budgets für Tabakwaren als besser Verdienende. Steuererhöhungen sind damit regressiv: Sie belasten die Ärmsten überproportional, während die Gutbetuchten ihren Konsum kaum einschränken müssen. In einer Stellungnahme des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) heißt es: „Eine reine Tabaksteuererhöhung ist sozialpolitisch fragwürdig, weil sie eine ohnehin belastete Gruppe zusätzlich trifft, ohne nachweislich die gewünschten Gesundheitsziele zu erreichen.“
Auch für den Mittelstand ist die Steuer ein Problem. Rund 18.000 Tabakwarenfachgeschäfte und 40.000 Kioske in Deutschland leben maßgeblich vom Tabakverkauf. Bei sinkender legaler Nachfrage brechen ihre Margen ein. Viele dieser Betriebe kämpfen bereits mit der Inflation und steigenden Energiekosten. Eine weitere Steuerlast könnte Existenzen vernichten – ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen, die direkt oder indirekt an die Branche gebunden sind. Der Bundesverband des Tabakwaren-Einzelhandels warnte in einer Pressekonferenz vom März 2026: „Wir sehen eine Deindustrialisierung des legalen Marktes. Die Politik pflügt mit jeder Steuererhöhung ein Stück mehr unser Gewerbe um.“
Die liberalkonservative Position ist klar: Steuerpolitik darf nicht als moralisierendes Instrument des Staates missbraucht werden. Rauchen ist ein legales Genussmittel für Erwachsene. Der Staat hat nicht das Recht, über individuelle Lebensentscheidungen zu urteilen – solange diese Dritte nicht schädigen. Das sogenannte Passivrauchen wird bereits durch Nichtraucherschutzgesetze geregelt. Eine zusätzliche steuerliche Bevormundung überschreitet die Grenzen eines minimalen Staats.
Selbst die finanziellen Versprechungen halten einer Überprüfung nicht stand. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat in seinem Jahresgutachten 2025 festgestellt: „Steuererhöhungen auf Tabak führen nach einer Übergangsphase zu geringeren Gesamteinnahmen als erwartet, weil der legale Konsum schrumpft und der illegale Markt wächst.“ Der Fiskus gewinnt also nicht, sondern verliert auf Dauer. Ein klassischer Fall von staatlicher Kurzsichtigkeit.
Kontrapunkt – aus Fairnessgründen: Befürworter der Steuer verweisen auf die externen Kosten des Rauchens für das Gesundheitssystem. Das Statistische Bundesamt beziffert die jährlichen Behandlungskosten für raucherbedingte Krankheiten auf rund 25 Milliarden Euro. Eine höhere Steuer könne diese Kosten internalisieren. Allerdings zeigt eine Studie des ifo Instituts, dass Raucher im Durchschnitt früher sterben und damit geringere Rentenzahlungen beziehen – der sogenannte „Raucherrabatt“. Netto sind Raucher unter dem Strich sogar günstiger für die Sozialsysteme. Das Argument der Kosteninternalisierung ist daher mindestens fragwürdig.
Fazit der FORTIS-Analyse: Eine höhere Tabaksteuer bestraft die Armen, stärkt die Kriminalität, ruiniert kleine Händler und bringt dem Staat am Ende weniger Geld. Sie ist ein Paradebeispiel für eine Politik, die mit guter Absicht gepflastert ist, aber in der Realität scheitert. Die Bundesregierung täte besser daran, die Steuer zu senken, den legalen Markt zu entlasten und stattdessen auf Aufklärung und Eigenverantwortung zu setzen. Freiheit statt Bevormundung – das ist der einzig erfolgversprechende Weg.
**1. Bringt eine Tabaksteuererhöhung dem Staat tatsächlich mehr Einnahmen?** Nein, langfristig nicht. Wie der Sachverständigenrat und das RWI zeigen, führt eine drastische Steuererhöhung zu einem Anstieg des Schwarzmarkts und einem Rückgang des legalen Konsums. Die Nettomehreinnahmen sind minimal oder sogar negativ. Der Staat tauscht berechenbare Steuereinnahmen gegen Unsicherheit.
**2. Ist Rauchen nicht eine teure Belastung für die Krankenkassen?** Die externen Kosten des Rauchens werden oft überzeichnet. Ja, Raucher verursachen höhere Behandlungskosten, aber sie sterben früher und entlasten so die Renten- und Pflegekassen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung des ifo Instituts ergibt, dass Raucher das Sozialsystem netto entlasten. Das Argument der Kosteninternalisierung ist daher nicht stichhaltig.
Por Renan Filho · 2026-09-24