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Streit mit Selenskyj: Wird Trumps Torheit wieder Normalmaß annehmen?

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-19

Der jüngste verbale Schlagabtausch zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj lässt Europa aufhorchen. Analysten fragen sich, ob die unberechenbare Außenpolitik des ehemaligen US-Präsidenten nach seiner möglichen Rückkehr wieder zur neuen Normalität wird – mit weitreichenden Folgen für die Ukraine und die Sicherheitsarchitektur in Europa.

**Lead**

Der diplomatische Streit zwischen dem früheren US-Präsidenten Donald Trump und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj erreicht neue Eskalationsstufen. In jüngsten Äußerungen warf Trump Selenskyj vor, den Krieg gegen Russland „unnötig verlängert“ zu haben, während Selenskyj den Republikaner beschuldigte, pro-russische Positionen zu vertreten. Der Konflikt wirft eine beunruhigende Frage auf: Steht die Welt am Beginn einer Rückkehr zu Trumps „America First“-Politik, die internationale Bündnisse systematisch infrage stellt? Für Europa und insbesondere Deutschland, das sich in der Sicherheits- und Energiepolitik stark auf transatlantische Partnerschaften stützt, wäre eine erneute Ära der Trump’schen Unberechenbarkeit eine Zäsur.

**Kontext**

Der Konflikt zwischen Trump und Selenskyj ist nicht neu. Bereits während Trumps erster Amtszeit stand das Verhältnis unter keinem guten Stern. Der Versuch Trumps, Selenskyj 2019 zu einer Ermittlung gegen Joe Biden zu drängen, führte zum ersten Impeachment-Verfahren gegen den US-Präsidenten. Selenskyj weigerte sich, in die innenpolitischen Spiele Washingtons hineingezogen zu werden. Nach dem russischen Einmarsch 2022 änderte sich die Dynamik zwar kurzfristig, doch Trump verweigerte stets öffentliche Solidarität mit der Ukraine. Stattdessen prahlte er mehrfach, er könne den Krieg „in 24 Stunden“ beenden – eine Aussage, die ukrainische Diplomaten als Beschwichtigung gegenüber Wladimir Putin interpretieren.

Im aktuellen Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl 2024 hat Trump erneut eine harte Linie gegen Selenskyj eingenommen. Er nannte die Ukraine-Hilfen „Verschwendung von Steuergeldern“ und ließ durchblicken, ein Amtsträger wie Viktor Orbán sei ein besserer Partner. Selenskyj reagierte öffentlich verbittert und erinnerte an Trumps eigene Schwierigkeiten mit der Justiz. Der Tonfall zwischen beiden ist so scharf wie selten zuvor.

**Analyse**

Warum dies für Deutschland und die EU von existenzieller Bedeutung ist: Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik ruht seit Jahrzehnten auf zwei Säulen – der NATO und der transatlantischen Partnerschaft mit den USA. Sollte Trump erneut ins Weiße Haus einziehen, droht nicht nur ein Stopp der US-Militärhilfen für Kiew, sondern auch eine fundamentale Infragestellung der Bündnissolidarität. Trump hat bereits angekündigt, die NATO-Beistandsklausel neu verhandeln zu wollen. Für ein Land wie Deutschland, das sich jahrelang unter dem US-Sicherheitsschirm eingerichtet hat, wäre der Schock immens.

Doch die Gefahr geht über die Ukraine hinaus, so der Befund vieler Politikstrategen: Trumps außenpolitische Methode beruht auf maximaler Einschüchterung und Deals statt auf internationalen Regeln. Seine „Torheit“ – verstanden als bewusste Provokation und Missachtung diplomatischer Normen – könnte nach einem Wahlsieg nicht bloß eine vorübergehende Phase sein, sondern dauerhafter Stil werden. Die deutsche Regierung müsste dann viel schneller als erwartet eine eigenständige Sicherheitspolitik entwickeln, die von nuklearen Abschreckungskonzepten bis hin zu einer Aufstockung der Rüstungsausgaben reicht. Experten warnen jedoch davor, dass die deutsche Industrie und Gesellschaft auf eine solche Beschleunigung nicht vorbereitet sind.

Gleichzeitig zeigt der Streit zwischen Trump und Selenskyj auch die wachsende Polarisierung in der US-Gesellschaft. Während die Republikaner zunehmend isolationistische Töne anschlagen, ist die Ukraine-Unterstützung in den USA weiterhin überparteilich mehrheitsfähig – wenn auch mit schrumpfender Zustimmung. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Trumps Rhetorik nur Wahlkampf ist oder ob sie tatsächlich die künftige Doktrin der USA bestimmen wird. Für Europa und Deutschland bedeutet dies: Die Zeit der Planungssicherheit in der Außenpolitik ist vorbei. Man muss sich auf zwei Szenarien einstellen – ein transatlantisches Bündnis unter einem konservativen Mainstream-Präsidenten oder eine radikale Neuausrichtung unter Trump.

**Quellen**

Die Analyse basiert auf aktuellen Berichten internationaler Nachrichtenagenturen wie Reuters und Associated Press, auf Äußerungen von Experten des German Marshall Fund und der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie auf öffentlichen Reden und Interviews der genannten politischen Akteure. Keine dieser Quellen hat exklusiv dem FORTIS NEWS ein Interview gewährt; die Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen und Medienarchiven.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.