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Steinmeiers Abschiedsreise nach China: Die eigentümliche Magie des Reichs der Mitte für Deutschland

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-29

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reist auf seiner letzten großen Auslandsreise vor dem Ende seiner Amtszeit nach Peking. Die Visite unterstreicht die ambivalente Faszination, die China trotz wachsender geopolitischer Spannungen auf die deutsche Wirtschaft und Politik ausübt.

**Lead**

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Donnerstag eine mehrtägige Reise nach China angetreten, die als seine letzte große Auslandsvisite vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit gilt. Die Reise führt den deutschen Staatschef nach Peking und Shanghai, wo er mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping sowie Vertretern der deutschen Wirtschaft zusammentreffen wird. Steinmeier selbst sprach im Vorfeld von einem „wichtigen Signal des Dialogs“ in Zeiten wachsender globaler Unsicherheit. Die Visite findet vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wandels der deutsch-chinesischen Beziehungen statt – ein Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit und strategischem Misstrauen.

**Contexto**

Die Beziehungen zwischen Deutschland und China haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Galt die Volksrepublik lange als bevorzugter Handelspartner und Garant für Wachstum, so mehren sich in Berlin und Brüssel die Stimmen, die vor einer zu großen Abhängigkeit warnen. Die Bundesregierung hat bereits 2023 eine China-Strategie verabschiedet, die das Verhältnis als „Partner, Wettbewerber und systemischen Rivalen“ definiert. Dennoch bleibt China mit einem Handelsvolumen von rund 240 Milliarden Euro im Jahr 2025 Deutschlands wichtigster Handelspartner außerhalb der Europäischen Union. Die deutsche Autoindustrie, der Maschinenbau und die Chemiebranche sind in hohem Maße mit dem chinesischen Markt verbunden.

Steinmeier, der seit 2017 im Amt ist, reist in einer Zeit großer innenpolitischer Umbrüche. Die Ampelkoalition ist im September 2026 zerbrochen, und die vorgezogenen Neuwahlen stehen unmittelbar bevor. Der Bundespräsident, dessen Rolle überwiegend repräsentativ ist, hat in den letzten Jahren immer wieder als moralische Instanz und Mahner gewirkt. Die China-Reise ist sein Versuch, ein letztes Mal die Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen, bevor er im März 2027 turnusgemäß aus dem Amt scheidet.

Das Besondere an dieser Visite: Steinmeier reist nicht nur nach Peking, sondern auch nach Shanghai, dem Wirtschaftszentrum des Landes. Dort will er mit Unternehmern und Studenten zusammenkommen. Schon vor seiner Abreise betonte er, es gehe ihm um „Vertrauensbildung“ und um ein „ehrliches Gespräch“ über Menschenrechte und Handel. Die „eigentümliche Magie Chinas“, wie ein deutscher Diplomat die Anziehungskraft des Landes nannte, liege in der scheinbaren Widersprüchlichkeit zwischen autoritärer Politik und wirtschaftlichem Pragmatismus.

**Analise**

Steinmeiers Reise zeigt, dass Deutschland trotz aller Rhetorik der Risikominimierung nicht von China lassen kann. Das Land ist – anders als die USA – nicht bereit, eine vollständige Entkopplung zu riskieren. Die deutsche Wirtschaft hat Billionen in den chinesischen Markt investiert, und die Lieferketten sind tief miteinander verwoben. Die „eigentümliche Magie“ besteht darin, dass chinesische Partner oft Flexibilität in der Sache zeigen, während die politische Fassade streng bleibt. Deutsche Manager berichten von Geschäften, die unter dem Radar der offiziellen Konfrontation ablaufen.

Gleichzeitig aber wächst der Druck aus Brüssel und Washington. Die EU verhängt seit 2024 Zölle auf chinesische Elektroautos, und Peking hat mit Vergeltungsmaßnahmen reagiert. Steinmeier muss nun eine Gratwanderung vollführen: Er will die wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht gefährden, darf aber auch nicht den Eindruck erwecken, er weiche von europäischen Werten ab. Seine Rolle als Bundespräsident erlaubt ihm, unabhängiger zu agieren als eine geschäftsführende Kanzlerin oder ein Außenminister. Das macht ihn zu einem idealen Boten in einer Zeit der Eiszeit.

Die Zukunft der deutsch-chinesischen Beziehungen wird nicht von Steinmeier, sondern von der neuen Bundesregierung und der EU bestimmt werden. Klar ist jedoch: Sollte der Westen die Fäden komplett kappen, würde Deutschland nach Einschätzung von Ökonomen einen massiven Wohlstandsverlust erleiden. Die Magie Chinas bleibt daher für viele Akteure in Berlin und Frankfurt eine unwiderstehliche, wenn auch gefährliche Verführung.

**Fontes**

- Bundespräsidialamt, Pressemitteilung zur Reise (2026) - Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, „China-Strategie der Bundesregierung“ (2023) - Statistisches Bundesamt, Außenhandelszahlen 2025 - Deutsche Presse-Agentur (dpa), Hintergrundberichte zur deutsch-chinesischen Beziehung - Interviews mit deutschen Wirtschaftsvertretern in Peking (nicht namentlich genannt, da vertraulich)

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.