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Markus Söder hat am Samstag auf dem CSU-Parteitag in München für Aufsehen gesorgt. Der bayerische Ministerpräsident und Parteivorsitzende stellte sich vor die Delegierten und sagte: „Keiner ist unfehlbar, ich besonders nicht.“ Mit diesem Eingeständnis eigener Schwächen versuchte Söder, die Partei nach internen Spannungen zu einen und den Blick nach vorne zu richten. Der zweitägige Parteitag stand ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die Bundestagswahl 2025 und der Profilierung der CSU als eigenständige Kraft.
**Contexto**
Die CSU kommt in einer schwierigen Phase zusammen. Die Partei liegt in Umfragen bundesweit bei etwa 14 bis 15 Prozent, während die Schwesterpartei CDU unter Friedrich Merz auf Werte um 30 Prozent kommt. In Bayern selbst ist die CSU zwar weiterhin klar stärkste Kraft, aber auch hier bröckelt die absolute Mehrheit. Hinzu kommen interne Querelen um den Kurs der Partei – zwischen konservativen Hardlinern und moderaten Kräften, die eine Öffnung zur Mitte fordern.
Söders Satz „Keiner ist unfehlbar“ ist vor diesem Hintergrund als strategisches Signal zu verstehen. In den vergangenen Jahren hatte der CSU-Chef immer wieder Führungsstärke und Durchsetzungsvermögen demonstriert, etwa im Streit mit der Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingspolitik 2015/16 oder während der Corona-Pandemie. Doch sein teils polarisierender Stil stieß auch in den eigenen Reihen auf Kritik. Mit der selbstkritischen Bemerkung wollte Söder offenbar Brücken bauen. „Ich mache Fehler, ich lerne daraus, und ich bitte euch um Vertrauen für die kommenden Aufgaben“, ergänzte er vor den rund 500 Delegierten.
Der Parteitag stand unter dem Motto „Bayern stark – Deutschland gerecht“. In mehreren Reden betonten führende CSU-Politiker die Notwendigkeit einer klaren konservativen Positionierung, insbesondere in der Migrations- und Sicherheitspolitik. Söder selbst forderte eine „Begrenzung der Zuwanderung“ und kritisierte die Ampelkoalition in Berlin scharf. Gleichzeitig versuchte er, das Profil der CSU als eigenständige Partei zu schärfen, die sich nicht einfach der CDU unterordnet. Die Frage einer erneuten Kanzlerkandidatur Söders schwang im Hintergrund mit, wurde aber nicht explizit thematisiert.
**Analise**
Söders Demutsgeste ist bemerkenswert, denn sie bricht mit dem üblichen politischen Habitus, in dem Selbstdarstellung und Unfehlbarkeit dominieren. Indem er eigene Fehler eingesteht, versucht er, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Dies könnte insbesondere bei Wählern verfangen, die Politikern zunehmend misstrauen. Allerdings birgt die Strategie auch Risiken: Sie könnte als Schwäche ausgelegt werden in einem politischen Umfeld, das Härte und Klarheit belohnt. Die Reaktionen der Delegierten waren gemischt – ein Teil applaudierte begeistert, andere blieben reserviert.
Die Aussage kommt auch zu einem Zeitpunkt, an dem die CSU ihre Rolle im föderalen Gefüge neu definieren muss. Mit der Schwesterpartei CDU unter Merz gibt es zunehmend Konkurrenz um die konservative Führungsrolle. Söder betonte auf dem Parteitag, dass die CSU als bayerische Regionalpartei unverzichtbar sei, aber auch bundespolitische Verantwortung trage. „Wir sind nicht nur das bayerische Gewissen, sondern auch die Stimme der Vernunft in Berlin“, sagte er. Dies dürfte als versteckte Spitze gegen Merz zu verstehen sein.
Langfristig könnte Söders Eingeständnis die Führungsstruktur der Partei stabilisieren. Nach Jahren der Dominanz eines starken Vorsitzenden gibt es in der CSU durchaus Kräfte, die mehr Debatte und kollektive Entscheidungen fordern. Der Satz „Keiner ist unfehlbar“ könnte als Einladung zu mehr innerparteilicher Demokratie verstanden werden – oder als geschickter Schachzug, um Kritik im Vorfeld zu entschärfen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Worte Taten folgen lassen.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf Berichten der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Süddeutschen Zeitung sowie offiziellen Mitteilungen der CSU-Parteizentrale. Zitate von Markus Söder sind dem Redemanuskript des Parteitags entnommen, das der Presse vorlag. Weitere Analysen stützen sich auf die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Por Renan Filho · 2026-10-24