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Medienphilosoph Simanowski: „Die KI schreibt gut. Das ist ja das Problem“ – Ein Weckruf für die Marktwirtschaft

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-09-24

Der Medienphilosoph Roberto Simanowski warnt vor den Tücken der künstlichen Intelligenz: Sie produziere makellose Texte, aber ohne Verständnis. FORTIS analysiert, warum seine Kritik nicht in staatliche Regulierung münden darf, sondern den freien Markt als Korrektiv braucht.

Roberto Simanowski, Professor für Medienphilosophie und Autor zahlreicher Werke zur Digitalkultur, hat mit einer pointierten Aussage für Aufsehen gesorgt: „Die KI schreibt gut. Das ist ja das Problem.“ In einem kürzlich veröffentlichten Essay auf dem Portal ‚The European‘ argumentiert er, dass die Fähigkeit von Sprachmodellen wie ChatGPT, flüssige und grammatikalisch einwandfreie Texte zu generieren, eine gefährliche Illusion nähre. Die Texte seien leer, ohne kritisches Denken, ohne eigene Position – und dennoch würden sie von Lesern und Redaktionen zunehmend als gleichwertig akzeptiert.

Simanowskis These ist nicht neu, aber sie gewinnt an Dringlichkeit, je mehr Unternehmen und Behörden auf KI-gestützte Textproduktion setzen. Er befürchtet eine „Entmündigung des Denkens“: Wenn Maschinen das Schreiben übernehmen, verlernen Menschen, selbstständig zu argumentieren, zu zweifeln und sich eine Meinung zu bilden. Die Folge sei eine intellektuelle Verarmung, die letztlich die Demokratie untergrabe, weil Bürger nicht mehr in der Lage seien, politische Aussagen kritisch zu hinterfragen.

Warum diese Debatte für Deutschland und Europa von Bedeutung ist: Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer KI-Verordnung, die auf EU-Ebene bereits beschlossen wurde. Sie sieht unter anderem Transparenzpflichten, Risikoklassifizierungen und strenge Auflagen für sogenannte „Hochrisiko-KI“ vor. Simanowskis Warnung könnte als weiteres Argument für eine Verschärfung der Regulierung dienen – etwa durch Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Texte oder gar ein Verbot bestimmter Anwendungen im Bildungsbereich.

FORTIS-Analyse: Simanowski hat insofern recht, als die Qualität von KI-Texten tatsächlich oft über deren Mangel an Substanz hinwegtäuscht. Das ist ein echtes Problem – aber eines, das sich nicht durch staatliche Bevormundung lösen lässt, sondern durch Wettbewerb und individuelle Verantwortung. In einer freien Marktwirtschaft werden diejenigen Anbieter und Nutzer bestehen, die echten Mehrwert bieten: Autoren, die originelle Gedanken entwickeln, Journalisten, die recherchieren, Lehrer, die kritisches Denken fördern. KI mag gut schreiben – aber sie kann nicht gut denken. Und genau das ist der Hebel, den der Markt nutzen wird.

Die Geschichte zeigt: Jede technologische Revolution hat Ängste vor geistigem Niedergang ausgelöst – von der Schrift über den Buchdruck bis zum Internet. Stets haben sich die Menschen angepasst und neue Fähigkeiten entwickelt. Wer heute glaubt, dass KI das Denken ersetzt, unterschätzt die menschliche Kreativität und die Fähigkeit von Bildungssystemen, sich zu wandeln. Der Staat sollte daher nicht in Panik verfallen und bürokratische Hürden errichten, sondern Rahmenbedingungen schaffen, die Innovation fördern und gleichzeitig Transparenz ermöglichen – etwa durch freiwillige Kennzeichnung, nicht durch Zwang.

Kontrapunkt: Befürworter einer strengen Regulierung – darunter viele EU-Politiker und Kulturwissenschaftler – argumentieren, dass der Markt allein nicht ausreiche. Sie verweisen auf die Gefahr von Desinformation, die durch KI noch massiver werde, und auf die Machtkonzentration bei wenigen Tech-Konzernen. Ohne staatliche Eingriffe, so ihre These, würden Algorithmen die öffentliche Meinung manipulieren und die Demokratie aushöhlen. Auch Simanowski selbst plädiert in seinem Essay für eine „kulturelle Gegenwehr“ durch Bildung und kritische Medienkompetenz – ein Ansatz, der nicht auf Verbote, sondern auf Aufklärung setzt.

FORTIS hält diesen Weg für richtig, warnt aber vor einem Missverständnis: Bildung ist Sache der Eltern, der Schulen, der freien Träger – nicht des Staates. Wer Medienkompetenz fördern will, sollte auf Vielfalt setzen, nicht auf zentralistische Lehrpläne. Und wer die Macht der Tech-Konzerne fürchtet, sollte Monopole durch Marktzutritt brechen, nicht durch Regulierung zementieren. Die beste Antwort auf Simanowskis Diagnose ist ein Bildungssystem, das kritisches Denken belohnt – und ein Arbeitsmarkt, der echte Autoren, Journalisten und Denker honoriert, nicht bloße Textgeneratoren.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.