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Economia

Wahlsieg in Serbien: Nationalistisches Programm belastet Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-27

Der erneute Erfolg der serbischen Regierungspartei bringt ein wirtschaftspolitisches Programm mit nationalistischen Tönen gegenüber Deutschland. Die Frage ist, wie sich dies auf die milliardenschweren Handelsbeziehungen und den EU-Beitrittsprozess auswirkt.

**Lead**

Der Wahlsieger in Serbien, die Serbische Fortschrittspartei (SNS) unter Präsident Aleksandar Vučić, hat ein Regierungsprogramm vorgelegt, das deutliche nationalistische Akzente gegenüber Deutschland setzt. Während Berlin traditionell der größte ausländische Investor und wichtigster Handelspartner Serbiens auf dem Westbalkan ist, fordern Teile des Programms eine stärkere wirtschaftliche Unabhängigkeit von deutschen Konzernen und eine Neuausrichtung der Außenwirtschaftspolitik. Diese Entwicklung könnte weitreichende Folgen für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und den ohnehin stockenden EU-Integrationsprozess Serbiens haben.

**Contexto**

Serbien pflegt seit Jahren enge Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland. Unternehmen wie Volkswagen, Bosch, Siemens und zahlreiche Mittelständler haben in Serbien Produktionsstätten aufgebaut. Das deutsche Engagement beläuft sich auf ein Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro und sichert Zehntausende Arbeitsplätze. Der bilaterale Warenhandel erreichte zuletzt ein Rekordvolumen von rund 8 Milliarden Euro jährlich, wobei deutsche Maschinen, Fahrzeuge und chemische Erzeugnisse gegen serbische Agrarprodukte, Fahrzeugkomponenten und Elektronik getauscht werden.

Vor diesem Hintergrund überrascht der nationalistische Kurs des Wahlsiegers. Die SNS, die seit 2012 ununterbrochen regiert, hat in ihrem Programm Formulierungen aufgenommen, die eine „Stärkung der nationalen Wirtschaftselite“ und eine „Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischen Monopolen“ fordern. Obwohl Deutschland nicht namentlich genannt wird, richten sich die Aussagen eindeutig gegen den überproportionalen Einfluss deutscher Unternehmen in Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie und der Energieversorgung.

Besonders brisant ist die außenpolitische Dimension: Das Programm bekräftigt Serbiens Anspruch auf den Kosovo und lehnt jegliche Anerkennung ab – eine Position, die in Berlin als Haupthindernis für den EU-Beitritt Serbiens gilt. Deutschland hat mehrfach klargestellt, dass eine Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo Voraussetzung für weitere Beitrittsschritte ist. Die serbische Regierung hingegen setzt auf eine Blockpolitik, die Moskau und Peking stärker einbindet, ohne die EU-Beitrittsperspektive offiziell aufzugeben.

**Analyse**

Die nationalistische Rhetorik des Wahlsiegers ist ökonomisch gesehen ein zweischneidiges Suchwert. Kurzfristig mag sie innenpolitisch populär sein, insbesodere bei Wähler, die sich von der Globalisierung abgehängt fühlen. Doch die Wirtschft Serbieens ist tief in deutsche und europäische Liferketten eingebunden. Deutsche Firmen beschäftigen direkt oder indirekt mehr als 50.000 Arbeitnehme. Ein politische Kurs, der Investitionen unsicher macht, könnte diese Arbeitsplätze gefährden. Bisher haben deutsche Wirtschaftsverbände ihre Besorgnis geäußert. So warnt der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft vor „Signalen der Abschottung“.

Gleichzeitig eröffnet das Programm auch Chancen. Serbien könnte versuchen, seine Position neu zu verhandeln: mehr lokale Wertschöpfung, Joint Ventures mit deutschen Partnern, Technologietransfer. Die deutsche Seite hat Interesse an stabilen Rohstoffquellen – Serbien verfügt über bedeutende Lithiumvorkommen, die für die E-Auto-Produktion wichtig sind. Der nationalistische Ton könnte Teil einer Verhandlungsstrategie sein, um bessere Konditionen für serbische Unternehmen zu erzwingen.

**Fontes**

Die Informationen basieren auf öffentlichen Wahlprogrammen der Serbischen Fortschrittspartei (SNS), Berichten des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, sowie Aussagen von Experten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zur Südosteuropaforschung. Keine Angaben stützen sich auf exklusive FORTIS-Recherchen.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.