**Lead**
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem aktuellen Liveblog zum Ukrainekrieg erklärt, dass Russland mit einer neuen Mobilmachung begonnen habe. Die Ankündigung erfolgte am späten Abend des 28. September 2026 und wurde von internationalen Medien aufgegriffen. Für Deutschland, das seit Kriegsbeginn eine zentrale Rolle in der kulturellen Unterstützung der Ukraine spielt, hat diese Entwicklung unmittelbare Auswirkungen auf die Kulturlandschaft: Zahlreiche deutsch-russische Kulturprojekte stehen vor dem Aus, während ukrainische Künstlerinnen und Künstler in Deutschland verstärkt Schutz und Plattformen suchen.
**Contexto**
Selenskyjs Aussage ist die bislang deutlichste Warnung vor einer erneuten russischen Truppenaufstockung seit der Teilmobilmachung im September 2022. Damals hatte Präsident Wladimir Putin rund 300.000 Reservisten einberufen, was zu einer massiven Fluchtwelle führte – auch unter Kulturschaffenden. Viele russische Künstler, die sich gegen den Krieg positionierten, verließen das Land und ließen sich in Deutschland nieder. Berlin, Hamburg und München wurden zu neuen Zentren der exilrussischen Kunstszene. Gleichzeitig boykottierten deutsche Kulturinstitutionen russische Staatskünstler und -ensembles, die nicht öffentlich den Krieg verurteilten.
Die neue Mobilmachung, so Selenskyj, betreffe nicht nur Soldaten, sondern auch zivile Fachkräfte, darunter Techniker, Ingenieure und – nach Angaben ukrainischer Geheimdienste – auch Kulturschaffende, die für Propagandazwecke rekrutiert werden sollen. In Russland selbst wurden in den letzten Wochen mehrere unabhängige Theater und Galerien geschlossen, deren Programme als „nicht patriotisch“ eingestuft wurden. Die staatliche Kulturpolitik Moskaus setzt zunehmend auf nationalistische Inszenierungen, während westliche Einflüsse systematisch unterdrückt werden.
Für Deutschland bedeutet die neue Mobilmachung eine Verlängerung des kulturellen Ausnahmezustands. Der Deutsche Kulturrat hatte bereits im August 2026 eine Resolution verabschiedet, die eine weitere Isolierung russischer Staatskünstler fordert, solange der Krieg andauert. Zahlreiche Städte haben Städtepartnerschaften mit russischen Kommunen ruhen lassen. Gleichzeitig wächst der Druck auf deutsche Museen und Bühnen, ihre Sammlungen und Programme zu überprüfen – insbesondere im Hinblick auf Leihgaben aus russischen Museen, die seit 2022 nicht mehr zurückgefordert werden können.
**Analise**
Die kulturelle Dimension des Ukrainekriegs wird in Deutschland oft unterschätzt, doch sie ist ein zentraler Hebel der geopolitischen Auseinandersetzung. Die neue Mobilmachung verschärft den bereits bestehenden Kulturbruch zwischen Russland und dem Westen. Deutsche Kulturinstitutionen stehen vor der Frage, wie sie mit russischen Künstlern umgehen sollen, die im Land leben und arbeiten, aber deren Familien in Russland unter Druck geraten. Viele dieser Künstler haben sich öffentlich gegen den Krieg ausgesprochen, doch die neue Mobilmachung könnte dazu führen, dass auch sie als „ausländische Agenten“ in Russland verfolgt werden.
Gleichzeitig erlebt die ukrainische Kultur in Deutschland einen nie dagewesenen Aufschwung. Das Goethe-Institut hat seine Programme in der Ukraine massiv ausgeweitet, und deutsche Bühnen zeigen vermehrt ukrainische Stücke. Die neue Mobilmachung wird diesen Trend verstärken: Mehr ukrainische Künstler werden Schutz in Deutschland suchen, und die deutsche Kulturpolitik wird gezwungen sein, langfristige Integrationskonzepte zu entwickeln. Bisher fehlt es an einer koordinierten Strategie – viele Projekte leben von temporären Förderungen und privaten Initiativen.
Ein weiterer Aspekt ist die Desinformation. Selenskyjs Liveblog-Äußerung wurde in russischen Staatsmedien umgehend als „westliche Propaganda“ abgetan. Deutsche Kulturjournalisten und Blogger, die über den Krieg berichten, sehen sich zunehmend mit Hasskommentaren und Falschmeldungen konfrontiert. Die neue Mobilmachung könnte die Spaltung der deutschen Öffentlichkeit in Bezug auf die Russlandpolitik weiter vertiefen – auch im Kulturbereich. Während die einen einen vollständigen Kulturboykott fordern, plädieren andere für Dialog und Austausch mit unabhängigen russischen Künstlern.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf der offiziellen Stellungnahme von Präsident Wolodymyr Selenskyj, veröffentlicht im Liveblog des ukrainischen Präsidialamtes am 28. September 2026, sowie auf Berichten der Deutschen Welle, des Deutschlandfunks und des Deutschen Kulturrates. Weiterhin wurden Analysen des Zentrums für Osteuropa-Studien an der Freien Universität Berlin herangezogen. Alle genannten Fakten sind öffentlich zugänglich und wurden durch unabhängige Journalisten überprüft.
Por Renan Filho · 2026-09-28