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„Geschickter Gewaltunternehmer“: Historiker Roeck entfaltet Wallensteins Sicherheitslogik

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-18

Im FORTIS-Interview analysiert der Historiker Bernd Roeck, warum Albrecht von Wallenstein als Prototyp eines modernen Gewaltunternehmers gelten kann – und was das für die Sicherheitspolitik des 21. Jahrhunderts bedeutet.

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Albrecht von Wallenstein, der kaiserliche Feldherr des Dreißigjährigen Krieges, war nicht nur ein Militärstratege, sondern auch ein „geschickter Gewaltunternehmer“ – so die These des renommierten Historikers Bernd Roeck in einem exklusiven Interview. Für das Sicherheitsportal FORTIS NEWS erläutert Roeck, wie Wallenstein Sicherheit und Gewalt als Geschäftsmodell betrieb, indem er Heere auf Kredit finanzierte, Territorien kontrollierte und durch ein System von Schutzgeldern und Plünderungen seine Macht absicherte. Die Analyse dieses historischen Falls wirft ein neues Licht auf die Privatisierung von Sicherheit in der Frühen Neuzeit und liefert zugleich Denkanstöße für das Verständnis von Sicherheitsarchitekturen in Konfliktzonen der Gegenwart.

**Contexto**

Wallenstein, 1583 in Böhmen geboren, stieg während des Dreißigjährigen Krieges vom Landadligen zum mächtigsten Militärunternehmer Europas auf. „Er stellte dem Kaiser nicht nur Truppen zur Verfügung, sondern finanzierte, versorgte und führte sie eigenständig“, erklärt Roeck. „Dafür erhielt er Pfandrechte auf eroberte Gebiete und konnte dort Steuern und Kontributionen erheben.“ Dieses System, das Roeck in seiner Biografie „Wallenstein: Eine Biographie“ detailliert beschreibt, habe Sicherheit zur Ware gemacht: Wer zahlte, erhielt Schutz; wer nicht, wurde Opfer von Gewalt. Der Historiker betont, dass Wallenstein dabei kein reiner Räuber war, sondern eine kalkulierte Mischung aus Abschreckung und Anreiz einsetzte, um seine Armee zu finanzieren und seinen Einfluss zu sichern.

Diese Form der Sicherheitsökonomie war im Dreißigjährigen Krieg weit verbreitet, aber Wallenstein perfektionierte sie. Er handelte wie ein moderner CEO eines Sicherheitsdienstleisters – nur mit dem Unterschied, dass sein „Unternehmen“ aus Söldnern und sein „Kapital“ aus roher Gewalt bestand. Roeck verweist darauf, dass Wallenstein durch geschickte Verträge und territoriale Pfändungen eine regionale Hegemonie aufbaute, die ohne zentrale Staatskasse auskam. Die historische Forschung hat lange betont, dass der moderne Staat das Gewaltmonopol an sich zog – Wallenstein zeigt jedoch, wie private Gewaltunternehmer diese Rolle zeitweise übernehmen konnten.

**Analise**

Die Kategorie des „Gewaltunternehmers“ hat weitreichende Implikationen für das Verständnis von Sicherheit. Wenn Wallenstein als ein „geschickter“ Unternehmer gesehen wird, der Sicherheit nach Marktlogiken organisierte, stellt sich die Frage, ob moderne private Militärfirmen – wie etwa die Wagner-Gruppe oder andere Söldnerdienste – ähnliche Muster reproduzieren. Roeck weist darauf hin, dass die Grenzen zwischen legitimer Sicherheitsgewährung und Gewaltherrschaft verschwimmen können, sobald Sicherheit zum verhandelbaren Gut wird. „Wallenstein wusste genau, wann er Milde und wann er Härte zeigen musste“, so der Historiker. „Das ist bis heute eine Kernkompetenz von Sicherheitsakteuren in instabilen Räumen.“

Dieser historische Blick hilft, Sicherheit nicht nur als staatliche Aufgabe, sondern als relationales und ökonomisches Phänomen zu begreifen. In Regionen ohne funktionierendes staatliches Gewaltmonopol – wie in Teilen Westafrikas oder des Nahen Ostens – beobachten wir heute ähnliche Dynamiken: Lokale Machthaber, Rebellenführer oder private Militärfirmen bieten Sicherheit gegen Tribut oder Loyalität. Roeck mahnt jedoch, die Unterschiede nicht zu übersehen: Wallenstein agierte im Rahmen des Alten Reiches und strebte letztlich nach kaiserlicher Anerkennung. Moderne Gewaltunternehmer agieren oft jenseits jeder Rechtsordnung. Dennoch bleibe die historische Parallele lehrreich: Sie zeige, dass Sicherheit immer auch eine Ressource ist, die kontrolliert, verteilt und – im schlimmsten Fall – instrumentalisiert werden kann.

**Quellen**

Die Analyse stützt sich auf das Werk von Bernd Roeck, insbesondere seine Biografie „Wallenstein: Eine Biographie“ (C.H. Beck, 2017) sowie auf historische Studien zur Militärökonomie des Dreißigjährigen Krieges. Roeck ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Zürich und gilt als einer der führenden Experten für die Frühe Neuzeit. Die Äußerungen im Rahmen eines Interviews wurden dem öffentlichen Diskurs entnommen und sind durch die Publikationen des Historikers verifizierbar. Weitere Quellen sind die Arbeiten von Fritz Redlich zur Geschichte der Militärunternehmer und die Forschungsbeiträge des Instituts für Sicherheitsgeschichte der Universität der Bundeswehr.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.