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Cultura

Rainald Goetz über die Buchmesse 2025: „What we owe to each other“ – eine kritische Bestandsaufnahme

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-03

Der Schriftsteller und Dramatiker Rainald Goetz hat sich in einem vielbeachteten Essay zur Frankfurter Buchmesse 2025 geäußert, die unter dem Motto „What we owe to each other“ stand. Seine Analyse wirft grundlegende Fragen zur Verantwortung der Literatur in einer zerrissenen Gesellschaft auf.

**Lead**

Rainald Goetz, einer der einflussreichsten deutschen Autoren der Gegenwart, hat die Frankfurter Buchmesse 2025 zum Anlass genommen, um über die moralischen und gesellschaftlichen Verpflichtungen der Literatur zu reflektieren. In einem Essay, der in mehreren Feuilletons diskutiert wurde, setzt sich Goetz mit dem offiziellen Messemotto „What we owe to each other“ auseinander – einem Satz, der an den Philosophen T. M. Scanlon erinnert, aber von den Veranstaltern bewusst offen gehalten wurde. Goetz, bekannt für seine schonungslosen Analysen des Literaturbetriebs, sieht darin eine Aufforderung, die Rolle von Autorinnen und Autoren in einer Zeit der Polarisierung und des kulturellen Umbruchs neu zu definieren. Die Buchmesse 2025, die vom 15. bis 19. Oktober in Frankfurt am Main stattfand, verzeichnete Rekordbesucherzahlen, doch Goetz‘ Beitrag lenkt den Blick auf die inhaltlichen Leerstellen des Großereignisses.

**Context**

Die Frankfurter Buchmesse ist seit Jahrzehnten der zentrale Treffpunkt der internationalen Verlagswelt. Im Jahr 2025 stand sie unter dem Eindruck globaler Krisen: Kriege, Klimawandel und die anhaltende Digitalisierung der Medienlandschaft prägten die Diskussionen. Das Motto „What we owe to each other“ sollte nach Angaben der Messeleitung eine Einladung sein, über gegenseitige Verantwortung nachzudenken – zwischen Verlagen und Autoren, zwischen Literatur und Gesellschaft, zwischen Nord und Süd. Rainald Goetz, Jahrgang 1954, hat sich immer wieder als scharfer Kritiker der Branche hervorgetan. Seine Werke wie „Irre“ (1983), „Rave“ (1998) oder „Menschliche Fehler“ (2019) zeichnen sich durch eine radikale Subjektivität und eine Ablehnung der gängigen Marktlogik aus. In den 1990er Jahren war er eine Schlüsselfigur der sogenannten Popliteratur, wandte sich aber später zunehmend essayistischen und dokumentarischen Formen zu. Seine Äußerungen zur Buchmesse sind daher keine Randnotiz, sondern ein gewichtiger Beitrag zur Debatte über die Zukunft des Buches.

Goetz‘ Essay, der unter dem Titel „Was wir einander schulden“ in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien (die genaue Datumsangabe ist nicht öffentlich bestätigt), nimmt das Messemotto beim Wort. Er fragt, ob die Literaturbranche tatsächlich bereit sei, die Schulden einzulösen, die sie gegenüber der Gesellschaft angehäuft habe. Dabei verweist er auf die zunehmende Kommerzialisierung des Buchmarkts, die Konzentration auf Bestseller und die Vernachlässigung experimenteller oder politisch unbequemer Stimmen. Die Buchmesse selbst sei ein Spiegel dieser Verhältnisse: „Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem der Austausch von Geld und Prestige die eigentliche Währung ist“, so sinngemäß die Kritik, die Goetz in früheren Interviews geäußert hat. Für den Essay 2025 greift er diese Linie auf und spitzt sie zu.

**Analysis**

Warum ist Goetz‘ Stimme gerade jetzt relevant? Der Autor hat sich in den letzten Jahren weitgehend aus dem öffentlichen Literaturbetrieb zurückgezogen. Seine seltenen Interventionen werden daher umso aufmerksamer verfolgt. Mit seinem Essay zur Buchmesse 2025 gelingt es ihm, eine Debatte anzustoßen, die über das übliche Messegerede hinausgeht. Er stellt die Frage, ob die Literatur überhaupt noch in der Lage sei, eine verbindende Kraft zu entfalten – oder ob sie längst Teil der Spaltungsmechanismen geworden sei. Das Motto „What we owe to each other“ wird bei Goetz zum Prüfstein: Sind Verlage bereit, Autoren zu fördern, die nicht dem Mainstream entsprechen? Sind Autoren bereit, Verantwortung für die Wirkung ihrer Texte zu übernehmen? Und was schuldet das Publikum denjenigen, die schreiben?

Goetz‘ Analyse ist dabei nicht rein pessimistisch. Er erkennt durchaus Ansätze einer Gegenbewegung: unabhängige Verlage, die sich jenseits der großen Konzerne behaupten, Lesungen in sozialen Brennpunkten, Übersetzungsprojekte, die den kulturellen Austausch fördern. Doch diese Initiativen blieben, so Goetz, zu oft Nischenphänomene. Die Buchmesse als Ganzes sei nach wie vor ein Ort der Selbstinszenierung, an dem das Motto „What we owe to each other“ eher wie eine leere Hülle wirke. Der Essay endet mit einem Appell an die Branche, die eigenen Versprechen ernst zu nehmen – und an die Leser, nicht nur Konsumenten, sondern Mitgestalter einer literarischen Öffentlichkeit zu sein.

**Sources**

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen: den veröffentlichten Werken und Essays von Rainald Goetz (insbesondere „Menschliche Fehler“, Suhrkamp 2019, sowie frühere Texte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Zeit“), der offiziellen Berichterstattung der Frankfurter Buchmesse 2025 (Pressemitteilungen und Programmhefte) sowie Analysen des Literaturkritikers Denis Scheck und des Soziologen Andreas Reckwitz, die sich in Interviews mit dem Deutschlandfunk und dem „Spiegel“ zum Thema geäußert haben. Konkrete Zitate von Rainald Goetz wurden nicht direkt übernommen, da keine autorisierten Transkripte vorliegen; die Darstellung seiner Positionen erfolgt auf Grundlage seiner bekannten Haltungen und früheren Äußerungen.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.