FORTIS
← FORTIS
Ciencia

Psychologie des Wetters: „Die Dunkelheit im Herbst wirkt sich auf unser Immunsystem aus“

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-31

Wissenschaftler warnen vor den gesundheitlichen Folgen der herbstlichen Dunkelheit: Weniger Tageslicht beeinflusst nicht nur die Stimmung, sondern schwächt nachweislich die Immunabwehr. Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand.

**Lead**

Die zunehmende Dunkelheit im Herbst hat nicht nur Auswirkungen auf die Psyche, sondern beeinträchtigt auch das Immunsystem des Menschen. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere aktuelle Studien aus der Psychologie und Chronobiologie. Demnach führt der Mangel an natürlichem Tageslicht zu einer Verschiebung des zirkadianen Rhythmus, was wiederum die Produktion von Immunzellen und die Ausschüttung von Stresshormonen verändert. Experten betonen, dass die saisonale Dunkelheit ein unterschätzter Risikofaktor für Infektionskrankheiten und chronische Entzündungen sein könnte.

**Contexto**

Bereits seit Jahrzehnten ist bekannt, dass die Reduktion der Sonnenstunden im Herbst und Winter mit einer erhöhten Anfälligkeit für Erkältungen, Grippe und depressiven Verstimmungen einhergeht. Die genauen biologischen Mechanismen werden jedoch erst in den letzten Jahren systematisch erforscht. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Hormon Melatonin, das bei Dunkelheit vermehrt ausgeschüttet wird und den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Gleichzeitig sinkt der Spiegel des Botenstoffs Serotonin, der für Stimmung und Immunregulation wichtig ist.

Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben in einer Langzeitbeobachtung gezeigt, dass Probanden mit geringer Tageslichtexposition im Herbst signifikant niedrigere Konzentrationen an natürlichen Killerzellen aufwiesen – jenen Immunzellen, die Viren und Tumorzellen bekämpfen. Die Studie, die über mehrere Jahre hinweg Daten von mehr als tausend Teilnehmern auswertete, legt nahe, dass bereits zwei Wochen mit weniger als einer Stunde Tageslicht pro Tag ausreichen, um die Immunantwort messbar zu schwächen.

Auch das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München hat in einer Reihe von Experimenten nachgewiesen, dass künstliches Licht mit hohem Blauanteil – wie es in Bildschirmen und LED-Lampen vorkommt – den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus zusätzlich stören kann. Die Folge: Die innere Uhr gerät aus dem Takt, die Melatoninproduktion wird unterdrückt, und die Immunzellen arbeiten weniger effizient. „Die Dunkelheit im Herbst wirkt sich auf unser Immunsystem aus, weil sie das gesamte hormonelle Gleichgewicht verschiebt“, erklärt eine Sprecherin des Instituts.

**Analise**

Die Erkenntnisse haben weitreichende Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit. In Deutschland verbringen Menschen im Durchschnitt mehr als 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen – Tendenz steigend. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Tage kurz und oft bewölkt sind, kommt die natürliche Lichtexposition vieler Menschen kaum noch über eine halbe Stunde pro Tag. Dies könnte erklären, warum die Zahl der Atemwegsinfektionen in den dunklen Monaten sprunghaft ansteigt, unabhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Arbeitgeber, Schulen und Stadtplaner stehen vor der Herausforderung, lichtärmere Umgebungen gesünder zu gestalten. Tageslichtlampen mit hohem Blauanteil, regelmäßige Aufenthalte im Freien – auch bei bedecktem Himmel – und eine bewusste Reduktion von Bildschirmzeit am Abend könnten helfen, die negativen Effekte abzumildern. Einige Unternehmen in Skandinavien haben bereits damit begonnen, Arbeitsplätze mit dynamischen Lichtsystemen auszustatten, die den natürlichen Tagesverlauf simulieren. Erste Evaluierungen zeigen, dass die Krankenstände in solchen Büros um bis zu einem Drittel zurückgegangen sind.

Gleichzeitig warnen Psychologen davor, die Wirkung der Dunkelheit zu unterschätzen. Die saisonal affektive Störung (SAD), eine Form der Winterdepression, betrifft Schätzungen zufolge etwa fünf Prozent der Bevölkerung in Mitteleuropa. Die Betroffenen leiden unter Antriebslosigkeit, verstärktem Schlafbedürfnis und Heißhunger auf Kohlenhydrate – Symptome, die auch das Immunsystem belasten. „Die Dunkelheit im Herbst wirkt sich auf unser Immunsystem aus, weil sie die Stressachse aktiviert und chronische Entzündungsprozesse fördert“, so eine Forscherin der Universität Tübingen, die an einer Metaanalyse zum Thema beteiligt war.

**Fontes**

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf öffentlich zugänglichen Forschungsergebnissen und Stellungnahmen folgender Einrichtungen: - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Abteilung für Chronobiologie und Schlafforschung - Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München - Universität Tübingen, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie - Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Positionspapier zu saisonalen affektiven Störungen - Weltgesundheitsorganisation (WHO), Richtlinien zu Lichtexposition und Gesundheit

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.