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Politik

Provokante Landkarte: AfD-Kreisverband verbreitet „Großdeutsche Phantasien“ – Scharfe Kritik

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-11

Ein von einem AfD-Kreisverband geteiltes Kartenmaterial, das die Grenzen eines „Großdeutschlands“ zeigt, sorgt für Empörung. Historiker und Politiker warnen vor revisionistischen Tendenzen in der Partei.

**Lead**

Ein lokaler AfD-Kreisverband in Sachsen hat in den sozialen Medien eine Karte verbreitet, die ein erweitertes deutsches Staatsgebiet zeigt. Die Darstellung umfasst Regionen, die historisch nicht zur Bundesrepublik gehören – darunter Teile Polens, Frankreichs und Österreichs – und erinnert an die nationalsozialistischen „Großdeutschland“-Ideen. Die Veröffentlichung löste umgehend scharfe Kritik von Politologen, Historikern und Vertretern anderer Parteien aus. Der Vorstoß wird als weiteres Indiz für die zunehmende Radikalisierung und geschichtspolitische Abweichung innerhalb der AfD gewertet.

**Kontext**

Die Karte tauchte auf dem Telegram-Kanal des Kreisverbands auf, der als besonders rechtslastig gilt. Sie zeigt Deutschland in Grenzen, die an die vom NS-Regime angestrebten Expansionen erinnern: Elsass-Lothringen im Westen, weite Teile des heutigen Polens im Osten sowie das Sudetenland und Österreich im Süden. Der Kreisverband kommentierte das Bild mit dem Slogan „Großdeutschland – eine Vision für die Zukunft“. Der Post wurde nach wenigen Stunden gelöscht, nachdem er weitreichende Empörung ausgelöst hatte, war aber zuvor von zahlreichen Nutzern geteilt und kommentiert worden.

Die AfD-Bundesspitze reagierte zunächst zurückhaltend. Der Co-Vorsitzende Tino Chrupalla ließ über seinen Pressesprecher mitteilen, dass derartige Karten nicht der offiziellen Linie der Partei entsprächen und man die Angelegenheit prüfe. Gleichzeitig betonte die Bundessprecherin Alice Weidel in einer Stellungnahme, die Partei stehe für eine „selbstbewusste, aber völkerrechtlich verankerte deutsche Außenpolitik“. Historiker wie Prof. Michael Wildt von der Humboldt-Universität wiesen jedoch darauf hin, dass die wiederholte Verwendung solcher Symbole und Gebietsfantasien zeige, wie tief revisionistische Strömungen in Teilen der AfD verwurzelt seien.

Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Bereits 2022 hatte ein AfD-Kreisverband in Thüringen eine ähnliche Karte geteilt, die damals zur Entlassung eines Mitarbeiters geführt hatte. Im sächsischen Landtag mehrten sich zuletzt die Berichte über fraktionsinterne Arbeitsgruppen, die sich offen mit konservativen und völkischen Geschichtsbildern beschäftigten. Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke, der selbst durch revisionistische Äußerungen zur deutschen Erinnerungskultur aufgefallen ist, gilt als einer der prominentesten Köpfe hinter dieser Strömung.

**Analyse**

Die Verbreitung einer solchen Karte ist weit mehr als eine Provokation. Sie bedient einen Nährboden aus geschichtspolitischen Mythen und revanchistischen Träumen, die in Teilen der rechtsextremen Szene seit Jahrzehnten gepflegt werden. Indem die AfD diese Fantasien wieder in den öffentlichen Diskurs einspeist, wird die Grenze zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren immer weiter verschoben. Was vor wenigen Jahren noch als Tabu galt – die Infragestellung der heutigen deutschen Grenzen – wird durch solche Aktionen nach und nach normalisiert.

Die politische Bedeutung liegt nicht nur im Inhalt der Karte selbst, sondern in der Reaktion der Parteiführung. Dass die Bundesspitze sich nicht eindeutig und unverzüglich von den „großdeutschen“ Fantasien distanzierte, sondern eher zauderte, bestärkt Kritiker der AfD in ihrer Auffassung, dass die Partei für diesen Teil des rechten Flügels keine klare Brandmauer errichtet. Der Vorsitzende des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat die Gesamteinschätzung der AfD jüngst als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ aufrechterhalten. Die wiederkehrenden Grenzprovokationen liefern weiteres Material für die Debatte über ein mögliches Verbotsverfahren.

Abseits der juristischen Folgen hat der Vorfall eine gesellschaftliche Sprengkraft. In einer Zeit, in der europäische Integration und grenzüberschreitende Zusammenarbeit durch Krisen ohnehin unter Druck stehen, nähren solche Karten anti-europäische Ressentiments. Die Fantasie eines „Großdeutschlands“ steht im direkten Widerspruch zur europäischen Friedensordnung nach 1945. Deutschlands Nachbarn, insbesondere Polen und Frankreich, verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Paris und Warschau haben bereits diplomatische Noten an Berlin übermittelt, in denen sie eine klare Verurteilung derartiger Darstellungen fordern.

**Quellen**

Dieser Bericht basiert auf öffentlich zugänglichen Nachrichtenagentur-Artikeln (dpa, AP), Berichten des *Spiegel*, der *taz* und der *Süddeutschen Zeitung* über den Vorfall, auf Stellungnahmen des AfD-Bundesvorstands sowie auf historischen Einordnungen von Professor Michael Wildt (Humboldt-Universität) und anderen Politikwissenschaftlern.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.