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Provokante Landkarte: Wie die AfD mit digitaler Kartographie großdeutsche Fantasien verbreitet

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-11

Eine im Netz kursierende Karte, die ein erweitertes Deutsches Reich zeigt, wird von der AfD genutzt, um revisionistische Gebietsansprüche zu visualisieren. Der Fall wirft Fragen zum Missbrauch moderner Geoinformationssysteme auf.

**Lead**

Eine digital erstellte Landkarte, die ein „Großdeutschland“ mit Grenzen aus der Zeit des Nationalsozialismus darstellt, sorgt derzeit in deutschen sozialen Netzwerken für Empörung. Die Karte, die von Kreisen der Alternative für Deutschland (AfD) geteilt und beworben wird, nutzt moderne Geoinformationssysteme (GIS) und Open-Source-Kartendaten, um ein revisionistisches Staatsgebiet zu propagieren. Sicherheitsexperten und Technologieplattformen stehen vor der Herausforderung, solche politisch aufgeladenen Karteninhalte zu moderieren, ohne die Meinungsfreiheit unverhältnismäßig einzuschränken.

**Context**

Die umstrittene Karte zeigt ein Deutschland, das nicht nur die heutigen Grenzen, sondern auch Österreich, Teile Polens, Tschechiens, Frankreichs und der Schweiz umfasst – eine Vision, die an die „Großdeutsche Lösung“ des 19. Jahrhunderts und die Expansionspolitik des Dritten Reichs anknüpft. Nach Medienberichten wurde die Karte erstmals auf einem Telegram-Kanal mit AfD-Nähe veröffentlicht und anschließend über Twitter und Facebook verbreitet. Die technische Erstellung erfolgte vermutlich mit Hilfe von OpenStreetMap-Daten und einer GIS-Software, die es Nutzern erlaubt, historische Grenzen über aktuelle Karten zu legen. Solche Werkzeuge sind frei verfügbar und werden oft für Bildungszwecke genutzt, doch in diesem Fall dienen sie der politischen Propaganda.

Die AfD selbst hat sich offiziell nicht zu der Karte geäußert, doch in internen Chats und auf Parteiveranstaltungen wird das Kartenmaterial laut übereinstimmenden Medienquellen als „Diskussionsgrundlage“ präsentiert. Die Karte ist nicht die erste ihrer Art: Bereits in der Vergangenheit kursierten ähnliche Darstellungen eines „Großungarn“ oder „Großbulgarien“ in nationalistischen Kreisen. Der Unterschied liegt in der technischen Qualität und der viralen Verbreitung: Dank moderner Kartendienste können solche Karten in wenigen Minuten erstellt und von Tausenden geteilt werden. Plattformen wie Twitter und Telegram haben Schwierigkeiten, solche Inhalte zu erkennen, da sie nicht gegen explizite Gewalt- oder Hassrede verstoßen, sondern lediglich eine historisch-politischen Fantasie abbilden.

**Analyse**

Der Fall zeigt, wie leicht sich digitale Kartographie politisch instrumentalisieren lässt. Geoinformationssysteme, die ursprünglich für Stadtplanung, Navigation oder Umweltforschung entwickelt wurden, werden zunehmend für Propagandazwecke genutzt. Die Karte der AfD ist ein Paradebeispiel für „Kartenpropaganda“: Sie suggeriert durch ihre scheinbar neutrale, technische Darstellung eine faktische Legitimität, die inhaltlich jedoch auf revisionistischen Mythen beruht. Technologieplattformen stehen vor einem Dilemma: Einerseits wollen sie keine politischen Inhalte zensieren, andererseits tragen sie durch die algorithmische Verstärkung solcher Karten zur Normalisierung extremistischer Positionen bei.

Für die Technologiebranche bedeutet dies einen wachsenden Druck, ethische Richtlinien für die Nutzung von Kartendaten zu entwickeln. OpenStreetMap, die häufig als Datenquelle dient, hat bereits Regeln gegen die Darstellung nicht anerkannter Grenzen, doch die Durchsetzung ist schwierig. Zudem können Nutzer die Karten lokal speichern und außerhalb der Plattformen teilen. Experten fordern daher eine stärkere Sensibilisierung der Entwickler und eine bessere Kennzeichnung politisch motivierter Karten. Die Diskussion erinnert an die Debatte um Deepfakes: Auch hier wird eine Technologie, die an sich neutral ist, für gezielte Desinformation genutzt. Der Unterschied liegt in der visuellen Überzeugungskraft einer Karte, die oft als objektiv wahrgenommen wird.

**Fontes**

Die Informationen basieren auf Berichten deutscher Medien, die über die Verbreitung der Karte in sozialen Netzwerken berichteten, sowie auf Analysen von Kartographie-Experten, die in Fachpublikationen zur politischen Nutzung von GIS Stellung nahmen. Hinweise auf die technische Erstellung stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen zur Funktionsweise von OpenStreetMap und GIS-Software. Die Einschätzung der Plattform-Moderation folgt allgemeinen Beobachtungen zur Content-Moderation bei Twitter und Telegram, wie sie von unabhängigen Forschungsinstituten dokumentiert wurden.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.