**Lead**
Der Mannheimer Ökonom Tom Krebs hat in einer viel beachteten Intervention das Ende des neoliberalen Kapitalismus verkündet. In einer aktuellen Veröffentlichung argumentiert der Professor für Makroökonomie an der Universität Mannheim, dass das marktradikale Modell, das seit den 1980er-Jahren die Wirtschaftspolitik in weiten Teilen der westlichen Welt prägte, gescheitert sei. Die These von Krebs sorgt international für Aufsehen, denn sie greift eine wachsende Unzufriedenheit mit den Folgen der Globalisierung und Deregulierung auf.
**Contexto**
Tom Krebs ist einer der profiliertesten deutschen Ökonomen seiner Generation. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Makroökonomie, der Arbeitsmarktökonomie und der Ungleichheitsforschung. Krebs gilt als Vertreter einer keynesianisch geprägten Wirtschaftspolitik und hat sich wiederholt für eine Stärkung der öffentlichen Investitionen und eine Reform des Sozialstaats ausgesprochen. In der deutschen Wirtschaftsdebatte mischt er sich regelmäßig mit pointierten Beiträgen ein, etwa zur Schuldenbremse oder zur Rentenpolitik.
Der von ihm kritisierte Neoliberalismus – in Deutschland oft mit der Sozialen Marktwirtschaft assoziiert – erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg einen ersten Höhepunkt, bevor er in den 1970er-Jahren durch keynesianische Konzepte abgelöst wurde. Mit den Regierungen Thatcher und Reagan begann in den 1980er-Jahren eine Renaissance marktliberaler Ideen. Deregulierung, Privatisierung und Steuersenkungen wurden zum politischen Programm. In Deutschland prägte die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder mit der Agenda 2010 den Begriff des „aktivierenden Sozialstaats“.
Krebs’ Kritik richtet sich gegen die aus seiner Sicht verfehlte Schwerpunktsetzung auf Marktvertrauen und Eigenverantwortung. Er verweist auf die zunehmende Ungleichheit, die Erosion des sozialen Zusammenhalts und die unzureichende Bewältigung ökologischer Herausforderungen. Zwar verzichtet Krebs in seiner aktuellen Äußerung auf konkrete Zahlen, doch die Tendenz ist deutlich: Der neoliberale Kapitalismus habe seine Versprechen von Wohlstand für alle nicht eingelöst.
**Analise**
Die These vom Ende des neoliberalen Kapitalismus ist nicht neu, gewinnt aber durch das Gewicht eines führenden deutschen Ökonomen an Bedeutung. Krebs spricht damit vielen Bürgern aus der Seele, die die Globalisierung als Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Sicherheit erleben. In Deutschland wird die Debatte durch aktuelle Krisen wie die Inflation, die Energiekrise und den Fachkräftemangel befeuert. Die Politik hat bereits reagiert: Mit dem geplanten Klimageld, der Kindergrundsicherung und milliardenschweren Investitionsprogrammen versucht die Bundesregierung, soziale Ungleichgewichte abzufedern.
International betrachtet steht Krebs mit seiner Kritik nicht allein. Der französische Ökonom Thomas Piketty, die US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträgerin Esther Duflo oder der indische Ökonom Amartya Sen haben ähnliche Vorbehalte geäußert. In den USA sorgte die Industriepolitik unter Präsident Joe Biden für eine Rückkehr des aktiven Staates. Die Europäische Union plant mit dem Green Deal eine massive Transformation der Wirtschaft. Diese Entwicklungen deuten auf eine Abkehr von den reinen Marktmechanismen hin – ein Paradigmenwechsel, den Krebs nun explizit einfordert.
Doch die Analyse ist nicht ohne Widerspruch. Konservative Wirtschaftswissenschaftler warnen vor einer Rückkehr zu planwirtschaftlichen Elementen und sehen die Marktwirtschaft weiterhin als das effizienteste System. Der Streit um die richtige Wirtschaftsordnung wird in den kommenden Jahren die politische Agenda bestimmen. Krebs’ Beitrag liefert hierfür eine wichtige intellektuelle Grundlage, bleibt aber in seinen konkreten Handlungsempfehlungen noch vage.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf der öffentlichen Stellungnahme von Prof. Dr. Tom Krebs an der Universität Mannheim sowie auf Berichten deutscher Medien wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem Handelsblatt und der Süddeutschen Zeitung, die über die Aussagen des Ökonomen berichteten. Zudem wurden Forschungsarbeiten von Krebs zur Makroökonomie und Ungleichheit herangezogen.
Por Renan Filho · 2026-10-21