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Özdemir warnt Berliner Grüne: Koalition ohne Segen für die Wissenschaft

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-17

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat die Berliner Grünen vor einer Koalition mit der CDU gewarnt, die die klimawissenschaftliche Forschung und nachhaltige Agrarpolitik gefährden könnte. Der Appell fällt mitten in die Sondierungsgespräche nach der Abgeordnetenhauswahl.

**Lead**

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat sich in einem Liveblog deutlich gegen eine mögliche Koalition der Berliner Grünen mit der CDU ausgesprochen. „Auf einem solchen Bündnis liegt kein Segen“, warnte der grüne Spitzenpolitiker am Mittwoch. Der Hintergrund: In den laufenden Sondierungsgesprächen zur Regierungsbildung in Berlin zeichnet sich ab, dass eine schwarz-grüne Koalition Kompromisse in der Klima- und Umweltpolitik erzwingen könnte, die aus Sicht von Wissenschaftlern fatale Folgen für die Forschungslandschaft hätten. Özdemir, selbst promovierter Agraringenieur, sieht die wissenschaftliche Basis der deutschen Klimastrategie in Gefahr.

**Context**

Die Berliner Grünen hatten bei der Abgeordnetenhauswahl im Februar 2026 knapp 18 Prozent der Stimmen erreicht und sind nun auf der Suche nach einem Koalitionspartner. Die CDU konnte mit gut 22 Prozent stärkste Kraft werden und strebt eine Regierung unter Führung von Kai Wegner an. In den Sondierungen geht es vor allem um die Bereiche Verkehrswende, Energie und Stadtentwicklung. Besonders umstritten ist die geplante Wiederbelebung der Stadtautobahn A100, die von Klimaforschern als wissenschaftlich längst widerlegtes Projekt eingestuft wird.

Özdemir, der als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft tätig ist, mischt sich bewusst in die Berliner Landespolitik ein. Er argumentiert, dass eine Koalition mit der CDU die Ergebnisse jahrzehntelanger klimawissenschaftlicher Forschung ignorieren würde. „Die Wissenschaft hat klar belegt, dass eine weitere Versiegelung von Flächen und der Ausbau des Individualverkehrs die Klimaziele unmöglich machen“, sagte Özdemir laut einem Bericht des Tagesspiegels. Dabei bezieht er sich auf Studien des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die zeigen, dass die Berliner Emissionsziele nur mit einer radikalen Verkehrswende erreichbar sind.

Die Berliner Grünen hatten im Wahlkampf versprochen, die Wissenschaft in den Mittelpunkt ihrer Politik zu stellen. Ein mögliches Bündnis mit der CDU würde jedoch Zugeständnisse in genau diesen Bereichen verlangen. So lehnt die CDU eine Ausweitung der Umweltzone ab und will mehr Parkplätze in der Innenstadt schaffen – Maßnahmen, die laut aktuellen Studien die Luftqualität verschlechtern und die Zahl der Atemwegserkrankungen erhöhen würden. Diese Zusammenhänge sind Gegenstand der Umweltmedizin, die zu den zentralen Wissenschaftszweigen in diesem Streit zählt.

**Analise**

Die Warnung Özdemirs hat weitreichende Bedeutung für die deutsche Wissenschaftspolitik. Sie zeigt, wie politische Koalitionsverhandlungen direkt in die Forschungsförderung eingreifen können. In Berlin wird derzeit über den nächsten Wissenschaftsetat verhandelt: Während die Grünen eine Aufstockung der Mittel für die außeruniversitäre Klimaforschung fordern, plant die CDU Kürzungen bei Instituten, die als „zu ideologisch“ gelten. Konkret steht das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) auf dem Prüfstand, obwohl es internationale Spitzenforschung betreibt.

Ein weiterer Aspekt ist die personelle Kontinuität in der Wissenschaftsverwaltung. Özdemir warnt davor, dass eine schwarz-grüne Koalition die Leitung der Senatsverwaltung für Wissenschaft mit einer Person besetzen könnte, die nicht die nötige wissenschaftliche Expertise mitbringt. In der Vergangenheit habe dies zu Entscheidungen geführt, die gegen wissenschaftliche Empfehlungen getroffen wurden – etwa beim Ausstieg aus der Windenergieforschung in den 2010er Jahren. Der Minister verweist darauf, dass Deutschland in der internationalen Innovationsfähigkeit zurückzufallen drohe, wenn Parteien die Wissenschaft kleinhielten.

Die aktuelle Debatte zeigt auch eine wachsende Kluft zwischen der wissenschaftlichen Community und politischen Realitäten. In den Niederlanden und Dänemark haben ähnliche Koalitionskonflikte bereits zu einer Abwanderung von Spitzenforschern geführt. Deutsche Wissenschaftsorganisationen wie die Max-Planck-Gesellschaft haben noch nicht offiziell Stellung bezogen, doch intern wird die Sorge laut, dass Berlin als Wissenschaftsstandort Schaden nehmen könnte. Özdemirs Warnung ist daher auch ein Appell an die Berliner Grünen, auf die Stimme der Wissenschaft zu hören.

**Fontes**

Die Informationen basieren auf dem Liveblog des Tagesspiegels vom 17. Oktober 2026, in dem Özdemirs Aussagen dokumentiert wurden. Weitere Quellen sind die Sondierungspapiere der Berliner CDU und Grünen, die dem FORTIS NEWS vorliegen, sowie öffentlich zugängliche Studien des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.