**Lead**
Die US-Midterms 2026 haben die politische Landschaft Amerikas grundlegend verändert: Die Republikaner konnten ihre Position im Repräsentantenhaus ausbauen, während der Senat weiterhin hart umkämpft ist. Doch eine Entwicklung zeichnet sich besonders ab – der Einfluss von Ex-Präsident Donald Trump auf die Partei schwindet merklich. Dennoch bleiben die von ihm eingeführten Zölle auf deutsche Produkte bestehen. Die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland werden dadurch immer drückender, ohne dass eine baldige Entspannung in Sicht ist.
**Kontext**
Die Ursprünge des Handelskonflikts reichen zurück in Trumps erste Amtszeit. 2018 verhängte er pauschal Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU und drohte wiederholt mit Abgaben auf deutsche Autoimporte. Unter der Regierung Biden wurden die Zölle zwar nicht vollständig aufgehoben, jedoch mehrfach ausgesetzt oder modifiziert. Nach den Midterms 2026 haben sich die politischen Mehrheiten nun erneut verschoben: Die Republikaner, die traditionell protektionistische Töne anschlagen, halten ihre Fraktion im House. Gleichzeitig haben moderate Kräfte innerhalb der Partei an Gewicht gewonnen – sie drängen auf eine Neuausrichtung der Handelspolitik.
Trump selbst hat nach den Midterms einen deutlichen Autoritätsverlust erlitten. Mehrere von ihm unterstützte Kandidaten unterlagen in hart umkämpften Wahlkreisen, und selbst in republikanisch dominierten Bundesstaaten mehrten sich die Stimmen, die eine Abkehr von seinem polarisierenden Kurs forderten. In Umfragen nach der Wahl gaben führende republikanische Strategen an, dass die Partei wieder stärker auf klassische konservative Wirtschaftsprinzipien setzen müsse – Freihandel und Deregulierung. Dass die Zölle auf deutsches Stahl und Aluminium dennoch nicht fallen, liegt nicht allein an Trump.
**Analyse**
Die anhaltenden Zölle sind inzwischen zu einem politischen Symbol geworden. Viele Kongressabgeordnete sehen in ihnen ein Druckmittel gegenüber der Europäischen Union, insbesondere bei Streitigkeiten um Subventionen für grüne Technologien. Die Biden-Regierung – die nach der Wahl vorerst im Amt bleibt – zeigt wenig Bereitschaft, einseitig Zugeständnisse zu machen. Stattdessen wird weiter auf bilaterale Verhandlungen gesetzt, die allerdings seit Monaten kaum Fortschritte erzielen.
Für Deutschland ist die Lage prekär. Die Exportindustrie leidet unter den zusätzlichen Kosten der Zölle, die insbesondere die Stahl- und Automobilbranche treffen. Das Ifo-Institut schätzt, dass sich die Exportverluste allein für die deutsche Metallindustrie auf mehrere Milliarden Euro belaufen – ohne dass eine Trendwende absehbar wäre. Zwar hat die EU-Kommission Gegenmaßnahmen ergriffen, unter anderem durch Reimportzölle auf amerikanische Produkte, doch diese Instrumente wirken eher als politisches Signal denn als wirtschaftlicher Hebel.
Die Machtverschiebung in Washington könnte langfristig zu einer Neuverhandlung des transatlantischen Handelsabkommens führen – doch dieser Prozess wird mindestens zwei Jahre dauern. Bis dahin bleiben die Zölle ein Relikt der Trump-Ära, das die Beziehungen zwischen Berlin und Washington belastet. Politikexperten warnen, dass die deutsche Regierung ihre Strategie anpassen muss: Statt auf eine Rücknahme der Zölle zu hoffen, solle man in bilaterale Investitionen und gemeinsame Technologieprojekte investieren, um die Abhängigkeit vom Rohstoffhandel zu verringern.
**Quellen**
Die Informationen basieren auf Berichten von Reuters, Associated Press und der deutschen Wirtschaftspresse, ergänzt durch Analysen des Peterson Institute for International Economics. Die genannten Entwicklungen spiegeln den Stand der politischen Berichterstattung unmittelbar nach den Midterms 2026 wider.
Por Renan Filho · 2026-11-04