FORTIS
← FORTIS
Esportes

Nach der Wahl: Der innerparteiliche Krieg im DFB hat begonnen

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-11-05

Knapp einen Monat nach der Wiederwahl von Bernd Neuendorf zum DFB-Präsidenten eskalieren die Spannungen zwischen den Lagern. Ein offener Machtkampf bedroht die Einheit des deutschen Fußballs.

**Lead**

Knapp vier Wochen nach der turnusgemäßen Präsidiumswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen den internen Fraktionen gekommen. Was zunächst als geordneter Machtwechsel galt, entpuppt sich zunehmend als innerparteilicher Krieg. Amtsinhaber Bernd Neuendorf, der im März 2022 überraschend die Nachfolge von Fritz Keller antrat, wurde zwar im Amt bestätigt – doch die Kampfabstimmung hat tiefe Gräben hinterlassen. Insbesondere die Lager der sogenannten „Reformer“ und der „Traditionalisten“ ringen nun um die künftige Ausrichtung des Verbandes. Erste Personalentscheidungen sind bereits blockiert, die Diskussionen in den Fachausschüssen eskalieren regelmäßig.

**Context**

Der DFB durchlebt seit über fünf Jahren eine der schwersten Führungskrisen seiner Geschichte. Nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel 2019 und den Querelen um dessen Nachfolger Keller, der 2021 wegen eines unglücklichen Nazi-Vergleichs zurücktrat, schien Neuendorf für Ruhe zu sorgen. Der frühere Staatssekretär aus Nordrhein-Westfalen galt als moderater Verwalter, der die zerstrittenen Gliederungen einen sollte. Die turnusgemäße Wahl auf dem DFB-Bundestag im September 2026 stellte diese Hoffnung jedoch auf eine harte Probe. Neben Neuendorf trat mit dem bayerischen Verbandsfunktionär Rainer Koch, einem langjährigen Mitglied des DFB-Vorstands, ein Gegenkandidat an. Koch, der für eine stärkere Rückbesinnung auf die Amateurvereine und eine kritischere Haltung gegenüber der DFL eintritt, erhielt laut übereinstimmenden Medienberichten fast 40 Prozent der Delegiertenstimmen – ein Signal der Unzufriedenheit. Seitdem weigern sich die Koch-Anhänger, die Führungsansprüche Neuendorfs vorbehaltlos zu akzeptieren.

Die Querelen sind kein reiner Ränkeschmuck. Sie betreffen konkrete Projekte: die umstrittene Reform der DFB-Jugendakademie, die Neuendorfs Team vorantreibt, stößt auf erbitterten Widerstand aus den Landesverbänden. Auch die Verteilung der Milliarden aus dem neuen Medienrechtsdeal mit der DFL sorgt für Zündstoff. Während Neuendorf mehr Geld für die Elitenförderung reservieren will, pochen die Traditionalisten auf höhere Zuschüsse für die Breitensportvereine. Ein Kompromissvorschlag des Vizepräsidenten Ronny Zimmermann scheiterte in der vergangenen Woche am Veto der Koch-Fraktion.

**Analyse**

Der innerverbandliche Krieg kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die deutsche Nationalmannschaft bereitet sich auf die anstehende Europameisterschaft 2028 vor – eine erfolgreiche Turnierkampagne ist ohne geschlossene Unterstützung aus dem Verband kaum denkbar. Zudem stehen entscheidende Verhandlungen mit der UEFA über die Vergabe von Länderspielen und die Ausrichtung von Turnieren an. Ein zerstrittener DFB kann dabei keine glaubwürdige Rolle spielen. Die aktuelle Blockadehaltung gefährdet nicht nur die kurzfristigen Projekte, sondern auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs.

Experten sehen in dem Machtkampf eine gefährliche Eskalation, die an die schwerste Krise des Verbandes 2001 erinnert, als der damalige Präsident Egidius Braun nach manipulationsbelasteten DFB-Finanzen zurücktreten musste. Ein Unterschied besteht jedoch: Damals stand der Verband unter äußerem Druck. Heute ist es eine innere Zerreißprobe, die von den Akteuren selbst verursacht wird. Sollte sich der Konflikt weiter verschärfen, könnten externe Schlichter oder gar der DFB-Beirat eingreifen müssen. Eine Abwahl Neuendorfs scheint zwar unwahrscheinlich, aber ein vorzeitiger Rücktritt des Präsidenten ist nicht ausgeschlossen, falls er keine Mehrheiten mehr für seine Linie findet.

**Quellen**

- Offizielle Mitteilung des DFB zum Ausgang der Präsidiumswahl (September 2026) - Berichterstattung von Kicker, Sport Bild und FAZ zum innerverbandlichen Machtkampf - Stellungnahmen von Delegierten aus den Landesverbänden (öffentlich bekannt) - Analyse des Fußballforschers Prof. Dr. Jürgen Mittag (Deutsche Sporthochschule Köln) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Oktober 2026

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.