**Lead**
In einer überraschenden Wende haben sich der deutsche Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron auf eine gemeinsame Position zum geplanten EU-Verbrennerverbot verständigt. Die Einigung, die nach intensiven Hintergrundgesprächen in Paris erzielt wurde, sieht eine zeitliche Streckung des ab 2035 geplanten Verbots von Verbrennungsmotoren sowie die Möglichkeit für Mitgliedstaaten vor, regionale Ausnahmen für E‑Fuels und nachhaltige Biokraftstoffe zu erlassen. Beide Politiker betonten in vertraulichen Runden die Notwendigkeit, den technologischen Wandel sozial und industriepolitisch abzufedern.
**Contexto**
Das von der EU-Kommission im Rahmen des „Fit for 55“-Pakets vorgeschlagene Verbot neuer Pkw mit Verbrennungsmotor ab 2035 sorgt seit Monaten für heftige Debatten. Während Frankreich unter Macron den Ausbau der Elektromobilität forcierte, stemmte sich vor allem die deutsche Automobilindustrie, allen voran Zulieferer und Mittelständler, gegen ein striktes Verbot. Friedrich Merz hatte bereits im Bundestagswahlkampf eine Abkehr von der „pauschalen Technologieverbotslogik“ der EU gefordert und auf Offenheit für synthetische Kraftstoffe gepocht.
Macrons Position hingegen war lange von einer klaren Befürwortung des Elektroantriebs geprägt. Die Annäherung der beiden konservativen Politiker erfolgte vor dem Hintergrund der schwierigen Regierungsbildung in Deutschland sowie der wachsenden Skepsis in vielen EU-Mitgliedstaaten gegenüber den grünen Flankengesetzen. In den letzten Wochen mehrten sich Stimmen aus Südeuropa und Osteuropa, die eine Verschiebung des Verbots fordern. Die nun erzielte deutsch-französische Verständigung könnte den Druck auf die EU-Kommission massiv erhöhen, die bisher auf einer harten Linie bestand.
**Analise**
Der Schulterschluss zwischen Merz und Macron ist politisch wie wirtschaftlich von großer Bedeutung. Zum einen signalisiert er, dass die konservativen Kräfte in der EU gewillt sind, die Klimaziele nicht dogmatisch, sondern wettbewerbsfähig umzusetzen. Zum anderen gibt er der deutschen Automobilindustrie, die unter den Folgen des Strukturwandels und der Konkurrenz aus China leidet, eine dringend benötigte Planungssicherheit. Die Offenheit für E‑Fuuls und Biokraftstoffe könnte insbesondere den Standort Deutschland stärken, wo Unternehmen wie Bosch, ZF und Continental auf Dual‑Fuel‑Technologien setzen. Führende Wirtschaftsverbände begrüßten die Einigung vorsichtig – sie warnen jedoch vor zu vielen Ausnahmen, die die Investitionssicherheit gefährden könnten.
Auf europäischer Ebene stellt sich die Frage, ob die neue deutsch-französische Achse ausreicht, um eine Mehrheit im Europäischen Rat zu organisieren. Umweltverbände und die Grünen im Europaparlament lehnen jede Aufweichung des Verbots strikt ab. Sie argumentieren, dass nur ein klares Datum den nötigen Investitionsdruck erzeugt. Die Einigung von Merz und Macron könnte jedoch den Weg für einen Kompromiss öffnen, der mehr Ländern den Einstieg in die Elektromobilität ermöglicht – ohne die Gesamtarchitektur des Green Deals zu sprengen.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Berichten von Nachrichtenagenturen wie dpa, Reuters und AFP sowie auf Stellungnahmen politischer Kreise in Berlin und Paris. Die Positionen von Friedrich Merz wurden mehrfach in Interviews und auf CDU-Parteitagen dargelegt. Emmanuel Macron hat seine Haltung zu industriepolitischen Fragen unter anderem während der Vorstellung des „France 2030“-Investitionsplans präzisiert. Die genauen Inhalte der vertraulichen Gespräche zwischen Merz und Macron sind bislang nicht offiziell bestätigt, werden aber von mehreren unabhängigen Quellen übereinstimmend geschildert.
Por Renan Filho · 2026-10-15