**Lead**
In einer überraschend deutlichen Stellungnahme hat der CDU-Vorsitzende und designierte Bundeskanzler Friedrich Merz die ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen als „richtig“ bezeichnet. Die Aussage fiel am Rande einer sicherheitspolitischen Veranstaltung in Berlin und markiert eine mögliche Verschiebung in der deutschen Debatte über den Ukraine-Krieg. Merz argumentierte, dass die gezielte Schwächung der russischen Kriegswirtschaft ein legitimes Mittel sei, um den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Die Bemerkung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die militärische Lage für Kiew zunehmend schwieriger wird und die internationale Gemeinschaft über weitere Waffenlieferungen streitet.
**Contexto**
Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien, Treibstofflager und andere Energieinfrastruktur deutlich intensiviert. Ziel dieser Strategie ist es, die Einnahmen Russlands aus dem Energieexport zu reduzieren und die Treibstoffversorgung der russischen Armee zu beeinträchtigen. Die Angriffe erfolgen mit selbst entwickelten Drohnen, die oft hunderte Kilometer tief in russisches Territorium vordringen. Während die ukrainische Führung diese Taktik als notwendig verteidigt, haben westliche Verbündete wiederholt Bedenken geäußert – insbesondere die USA zeigten sich zeitweise besorgt über die Auswirkungen auf die globalen Ölpreise.
Deutschland hat sich in der Vergangenheit zurückhaltend zu solchen Angriffen geäußert. Die Bundesregierung unter Olaf Scholz bestand stets darauf, dass gelieferte Waffen nur zur Verteidigung ukrainischen Territoriums eingesetzt werden dürfen. Diese Position wurde von der Ukraine wiederholt kritisiert, da sie die eigenen Fähigkeiten zur Kriegsführung einschränke. Merz‘ Aussage könnte nun eine Abkehr von dieser restriktiven Linie signalisieren – zumindest rhetorisch. Der CDU-Politiker betonte jedoch, dass Deutschland keine eigenen Angriffe auf russisches Territorium durchführen werde, sondern lediglich das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung anerkenne.
Die militärische Lage hat sich für die Ukraine zuletzt verschärft. Russische Truppen machen langsame, aber stetige Fortschritte im Osten des Landes, insbesondere in der Region Donezk. Gleichzeitig leidet die ukrainische Energieinfrastruktur unter massiven russischen Luftangriffen, die darauf abzielen, die Zivilbevölkerung im Winter ohne Strom und Heizung zu lassen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Debatte über die Wirksamkeit ukrainischer Angriffe auf russische Energieanlagen an Bedeutung. Militärexperten sind sich uneinig: Einige sehen darin eine effektive Strategie, um Russlands Kriegsfähigkeit zu untergraben, andere warnen vor einer Eskalation und einer möglichen russischen Vergeltung gegen zivile Infrastruktur in der Ukraine.
**Analise**
Merz‘ Aussage ist bemerkenswert, weil sie die bisherige deutsche Zurückhaltung in dieser Frage durchbricht. Der designierte Kanzler positioniert sich damit als entschlossener Unterstützer der Ukraine, der bereit ist, auch kontroverse militärische Taktiken zu akzeptieren. Dies könnte ein Signal an die europäischen Verbündeten sein, dass Deutschland unter seiner Führung eine aktivere Rolle in der Sicherheitspolitik übernehmen wird. Gleichzeitig dürfte die Aussage in der deutschen Bevölkerung auf geteilte Reaktionen stoßen – Umfragen zeigen seit Monaten eine wachsende Skepsis gegenüber weiteren Waffenlieferungen und eine zunehmende Kriegsmüdigkeit.
Die Debatte über Angriffe auf russische Energieanlagen berührt grundlegende Fragen des Völkerrechts und der Kriegsethik. Während die Ukraine argumentiert, dass diese Angriffe militärischen Zielen dienen, weist Russland sie als Terrorakte gegen die Zivilbevölkerung zurück. Internationale Rechtsexperten sind sich uneinig, ob Energieanlagen als legitime militärische Ziele betrachtet werden können, wenn sie sowohl militärischen als auch zivilen Zwecken dienen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Merz‘ Worte konkrete politische Konsequenzen haben – etwa in Form von Taurus-Marschflugkörpern, die die Ukraine seit langem anfordert, um tiefere Angriffe in russisches Territorium durchführen zu können.
Die Aussage von Merz fällt in eine Phase der Unsicherheit über die künftige US-Politik. Sollte Washington seine Unterstützung reduzieren, müsste Europa – und insbesondere Deutschland – mehr Verantwortung übernehmen. Merz‘ Worte könnten als Versuch interpretiert werden, die deutsche Öffentlichkeit auf eine solche Rolle vorzubereiten. Allerdings bleibt abzuwarten, ob seine künftige Regierung bereit ist, die notwendigen finanziellen und militärischen Ressourcen bereitzustellen. Die Diskussion über Angriffe auf russische Energieanlagen ist damit nur ein Teil einer größeren Debatte über die Zukunft der europäischen Sicherheitsarchitektur.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf öffentlichen Äußerungen von Friedrich Merz, die von mehreren deutschen Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichtet wurden. Die Darstellung der militärischen Lage folgt Analysen des International Institute for Strategic Studies (IISS) und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Die Positionen der Bundesregierung wurden aus offiziellen Stellungnahmen des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung entnommen. Die Einschätzungen zur völkerrechtlichen Bewertung von Angriffen auf Energieinfrastruktur stützen sich auf Veröffentlichungen des Deutschen Instituts für Menschenrechte.
Por Renan Filho · 2026-10-16