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Liveblog zur Israel-Wahl: Prognosen deuten auf Patt zwischen Netanjahu-Lager und Rivalen hin

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-28

Die israelische Parlamentswahl steht vor einem möglichen politischen Stillstand: Erste Prognosen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und den oppositionellen Kräften. Die Auszählung läuft, die Entscheidung könnte erst in den kommenden Stunden fallen.

**Lead**

In Israel zeichnet sich nach der heutigen Parlamentswahl ein politisches Patt ab. Erste Prognosen unmittelbar nach Schließung der Wahllokale deuten darauf hin, dass weder das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch das Bündnis seiner Rivalen eine klare Mehrheit der 120 Knesset-Sitze erreichen konnte. Die Wahlbeteiligung lag nach ersten Schätzungen bei rund 68 Prozent, etwas niedriger als bei der vorherigen Wahl im November 2022. Die endgültigen Ergebnisse werden im Laufe der Nacht erwartet, doch bereits jetzt zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab.

**Contexto**

Die vorgezogene Neuwahl war notwendig geworden, nachdem die fragile Koalition unter Netanjahu im Juni 2025 zerbrochen war. Streitigkeiten über die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden, die Justizreform und die Wirtschaftspolitik hatten die Regierung handlungsunfähig gemacht. Netanjahus Likud-Partei sowie seine traditionellen Verbündeten – die ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Thora-Judentum sowie die rechtsextreme Religiös-Zionistische Allianz – traten erneut gemeinsam an. Auf der anderen Seite formierte sich ein breites Bündnis aus der Mitte-Links-Partei „Staatliche Einheit“ unter Benny Gantz, der liberalen „Yesh Atid“ von Jair Lapid sowie der arabisch-israelischen Liste „Vereinte Arabische Liste“. Hinzu kamen kleinere Parteien wie die linksgerichtete „Meretz“ und die säkulare „Israel Beitenu“ von Avigdor Lieberman.

Die Prognosen basieren auf Wählerbefragungen vor den Wahllokalen sowie ersten Auszählungen aus repräsentativen Bezirken. Demnach liegt der Likud mit seinen Verbündeten bei etwa 58 bis 60 Sitzen, während das Oppositionslager auf 55 bis 57 Sitze kommt. Die verbleibenden Sitze entfallen auf kleinere Parteien, die sich keiner Seite eindeutig zuordnen lassen, darunter die arabisch-israelische „Chadasch-Ta'al“ und die linksliberale „Demokratische Union“. Sollte sich dieses Bild bestätigen, wäre keine der beiden Seiten in der Lage, eine stabile Regierung zu bilden, ohne auf Überläufer oder eine große Koalition angewiesen zu sein.

**Analise**

Die Bedeutung dieser Wahl reicht weit über Israels Grenzen hinaus. Ein Patt würde die politische Lähmung verlängern und dringende Entscheidungen blockieren – etwa im Umgang mit dem iranischen Atomprogramm, der Sicherheitslage im Westjordanland und den Beziehungen zu den USA. Netanjahu hatte im Wahlkampf auf seine Erfahrung und die enge Zusammenarbeit mit der Trump-Administration gesetzt, während seine Gegner ihm Korruption und eine Spaltung der Gesellschaft vorwarfen. Sollte Netanjahu tatsächlich eine Mehrheit verfehlen, könnte dies das Ende seiner politischen Karriere bedeuten – oder den Beginn einer neuen Ära der Zusammenarbeit zwischen den Blöcken.

Die israelische Demokratie steckt in einer tiefen Krise. Seit 2019 hat das Land fünf Wahlen erlebt, jede mit ähnlich knappen Ergebnissen. Die Gesellschaft ist polarisiert, das Vertrauen in die Institutionen schwindet. Ein erneutes Patt würde nicht nur die Regierungsbildung erschweren, sondern auch die Wirtschaft belasten – der Schekel verlor bereits im Vorfeld der Wahl an Wert, und internationale Investoren beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Parteien zu Kompromissen bereit sind oder ob Israel auf eine weitere Neuwahl zusteuert.

**Fontes**

Die Informationen basieren auf ersten Hochrechnungen des israelischen Wahlausschusses, Berichten der Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press sowie Analysen des Israel Democracy Institute. Die Prognosen wurden von den israelischen Fernsehsendern Kan 11, Reshet 13 und Channel 12 veröffentlicht. Die Wahlbeteiligung wurde vom Zentralen Wahlkomitee Israels geschätzt.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.