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Leos Telefonat: Der Papst sollte sich nicht vor Putins Karren spannen lassen

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-18

Ein Meinungsbeitrag zur jüngsten diplomatischen Initiative des Papstes: Warum Franziskus Gefahr läuft, als Werkzeug der russischen Propaganda instrumentalisiert zu werden – und wie er dem entgehen kann.

**Lead**

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Papst Franziskus habe ein langes Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geführt. Offiziell ging es um humanitäre Korridore und einen möglichen Friedensplan. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge, dass der Heilige Stuhl zunehmend in eine Falle tappt, die der Kreml gestellt hat. Der Papst sollte sich nicht vor Putins Karren spannen lassen – weder durch naive Vermittlungsversuche noch durch vorschnelle Zugeständnisse an ein Regime, das Kriegsverbrechen in Butscha, Mariupol und Irpin zu verantworten hat.

**Contexto**

Seit Beginn der groß angelegten Invasion Russlands im Februar 2022 hat Papst Franziskus mehrfach versucht, als Brückenbauer zu wirken. Er rief zu Waffenstillständen auf, sandte Sondergesandte nach Moskau und Kiew und betonte immer wieder die Notwendigkeit von Verhandlungen. Doch seine Äußerungen stießen nicht selten auf Kritik. Im Mai 2023 sorgte ein Interview für Aufsehen, in dem er die Nato als „bellend an Russlands Tür“ bezeichnete und damit implizit die russische Erzählung von einer angeblichen Bedrohung durch das westliche Bündnis übernahm. Der Vatikan ruderte später zurück, doch der Schaden war angerichtet.

Das jüngste Telefonat mit Selenskyj – das erste seit Monaten – fand am 18. Oktober 2026 statt. Laut vatikanischen Quellen ging es um die humanitäre Lage in der Ukraine, insbesondere um die Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland. Selenskyj dankte dem Papst für seine Gebete, machte aber auch deutlich, dass jeder Friedensplan auf der vollständigen Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine basieren müsse. Gleichzeitig kursieren Gerüchte über einen möglichen Besuch eines vatikanischen Emissärs in Moskau – ein Schritt, den viele als Zugeständnis an Putin werten.

Die Gefahr ist real: Der Kreml hat ein starkes Interesse daran, den Vatikan als moralische Autorität zu vereinnahmen. Russische Staatsmedien zitieren regelmäßig päpstliche Aufrufe zur „Versöhnung“ und lassen dabei die Ursachen des Krieges unter den Tisch fallen. Ein Papst, der ohne klare Bedingungen vermittelt, läuft Gefahr, als Alibi für russische Aggression zu dienen. Die ukrainische Regierung hat wiederholt betont, dass der Heilige Stuhl die Fakten nicht ignorieren dürfe: Russland beschieße Krankenhäuser, foltere Zivilisten und deportiere Kinder. Wer hier von „beiden Seiten“ spricht, verharmlost die Realität.

**Analise**

Warum ist diese Entwicklung so besorgniserregend? Erstens, weil der Vatikan eine einzigartige moralische Stimme in der Weltpolitik darstellt. Wenn der Papst sich von Putin instrumentalisieren lässt, verliert nicht nur die Ukraine einen potenziellen Verbündeten, sondern die gesamte internationale Ordnung. Zweitens zeigt die Geschichte, dass der Kreml jede Form von Dialog als Bestätigung seiner Position nutzt. Bereits 2014, nach der Annexion der Krim, versuchte Russland, die orthodoxe Kirche und den Vatikan für seine Propaganda zu gewinnen. Der damalige Papst Benedikt XVI. hielt Distanz. Franziskus hingegen scheint manchmal zu glauben, dass reine Gutmütigkeit Konflikte lösen könne.

Drittens geht es um die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche in Osteuropa. In Polen, der Ukraine und den baltischen Staaten wird der Papst zunehmend kritisch gesehen. Viele Gläubige dort empfinden seine Äußerungen als naiv oder gar pro-russisch. Ein offener Brief ukrainischer Bischöfe an den Vatikan im Jahr 2023 forderte eine klarere Verurteilung der russischen Aggression. Bislang blieb die Antwort vage. Wenn der Papst jetzt erneut in die Vermittlerrolle schlüpft, ohne dass Russland konkrete Schritte zur Deeskalation unternimmt, riskiert er einen weiteren Vertrauensverlust.

Die Alternative wäre eine klare, prinzipienfeste Haltung: Der Vatikan sollte weiterhin humanitäre Hilfe leisten und für einen gerechten Frieden eintreten – aber ohne die Täter und Opfer gleichzustellen. Ein Telefonat mit Putin oder Lawrow ist nur dann sinnvoll, wenn es an konkrete Bedingungen geknüpft ist: etwa die Freilassung aller politischen Gefangenen, die Rückkehr der deportierten Kinder und ein Ende der Angriffe auf die zivile Infrastruktur. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, sollte der Papst jede Form von öffentlicher Vermittlung vermeiden, die den Eindruck erweckt, Russland sei ein gleichberechtigter Verhandlungspartner.

**Fontes**

Die Informationen zu den Telefonaten und Äußerungen des Papstes basieren auf Berichten von Vatican News, Reuters und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Kritik ukrainischer Bischöfe wurde in mehreren Medien dokumentiert, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das ukrainische Portal Ukrajinska Prawda. Die Einschätzung zur russischen Propagandastrategie stützt sich auf Analysen des Zentrums für Osteuropa-Studien (ZOS) und des European Council on Foreign Relations (ECFR).

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.