**Titel: Kolumne „Import Export“: Etwas hat sich radikal verschoben in Deutschland – Sicherheit als teures Importgut**
**Lead:** Berlin, 26. September 2026 – Lange galt Deutschland als Hort der Stabilität, als Land, in dem Sicherheit selbstverständlich war. Diese Gewissheit ist Geschichte. Was sich in den letzten Jahren radikal verschoben hat, ist nicht nur das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger, sondern die objektive Realität der inneren Sicherheit. Wir erleben eine stille, aber tiefgreifende Transformation: Deutschland wird zum Nettoimporteur von Sicherheit – und dieser Import hat einen hohen Preis, den nicht nur der Staat, sondern jeder Steuerzahler bezahlt.
**Kontext:** Die Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) für das erste Halbjahr 2026 zeichnen ein düsteres Bild: Die Zahl der registrierten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,7 Prozent gestiegen, insbesondere Gewaltdelikte und Wohnungseinbrüche verzeichnen zweistellige Zuwächse. Gleichzeitig melden private Sicherheitsdienste einen Rekordumsatz von über 12 Milliarden Euro (Quelle: Bundesverband der Sicherheitswirtschaft, BDSW). Parallel dazu hat die Bundesregierung im August 2026 ein milliardenschweres Paket zur Aufstockung der Bundespolizei beschlossen, das jedoch erst in Jahren wirken wird. Die Lücke zwischen Bedarf und staatlicher Leistungsfähigkeit wird zunehmend durch private Akteure und ausländische Sicherheitsdienstleister geschlossen.
Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die eigentliche Verschiebung ist struktureller Natur: Deutschland importiert nicht mehr nur Sicherheitsdienstleistungen, sondern auch Sicherheitsmentalität. Von der Videoüberwachung durch US-amerikanische Cloud-Anbieter bis hin zum Einsatz israelischer Drohnen zur Grenzüberwachung – die Technologie und die operative Intelligenz kommen zunehmend von außen. Das Innenministerium bestätigte im Mai 2026, dass über 40 Prozent der eingesetzten Überwachungstechnik im öffentlichen Raum von nicht-europäischen Herstellern stammt (Quelle: BMI, Antwort auf Kleine Anfrage der FDP-Fraktion).
**Analyse FORTIS:** Aus liberal-konservativer Perspektive ist diese Entwicklung alarmierend. Der Staat hat eine Kernaufgabe: die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten. Wenn er diese Aufgabe nicht mehr aus eigener Kraft erfüllen kann, delegiert er sie faktisch an private, oft ausländische Anbieter. Das ist nicht per se falsch – der Markt kann effizienter sein als Behörden. Aber es ist ein Symptom für ein tiefer liegendes Problem: den systematischen Abbau staatlicher Souveränität in der Sicherheitspolitik.
Die Ursachen sind vielfältig. Erstens: jahrelange Unterfinanzierung der Polizei und Justiz. Die Personalkosten der Länderpolizeien sind zwar gestiegen, aber die Effizienz pro Beamten ist gesunken. Zweitens: eine ideologisch getriebene Migrations- und Integrationspolitik, die zu einer Überlastung der Sicherheitsbehörden geführt hat. Der BKA-Chef warnte im Juli 2026 öffentlich vor einer „unkontrollierten Paralleljustiz“ in bestimmten Milieus (Quelle: Interview mit der FAZ, 12.07.2026). Drittens: der digitale Wandel, der neue Angriffsflächen für organisierte Kriminalität schafft, auf die der Staat nur langsam reagiert.
Die Konsequenz ist eine Zweiklassengesellschaft der Sicherheit: Wer zahlen kann, kauft sich private Sicherheit – von der Alarmanlage bis zum Personenschutz. Wer nicht zahlen kann, ist auf den überforderten Staat angewiesen. Das ist das Gegenteil von sozialer Marktwirtschaft. Es ist die Rückkehr zu einem vormodernen Zustand, in dem Sicherheit ein Luxusgut ist. Dagegen hilft nicht mehr Staat, sondern ein schlankerer, effizienterer Staat, der seine Kernaufgaben wieder ernst nimmt.
Die Politik reagiert mit Symbolik: mehr Kameras, härtere Strafen, mehr Personal. Doch das greift zu kurz. Die radikale Verschiebung, die wir erleben, ist eine Verschiebung in den Köpfen. Die Deutschen haben begriffen, dass der Staat sie nicht mehr überall und jederzeit schützen kann. Sie passen sich an – durch private Vorsorge, durch Rückzug aus öffentlichen Räumen, durch die Akzeptanz von Überwachung. Das ist ein schleichender Verlust an Freiheit, der weit gefährlicher ist als jeder einzelne Straftatbestand.
**1. Warum wird Sicherheit in Deutschland zum Importgut?** Weil der öffentliche Sektor die Nachfrage nicht mehr decken kann. Die Polizei ist unterbesetzt, die Justiz überlastet. Private Anbieter – auch ausländische – füllen diese Lücke. Laut einer Studie des RWI (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung) aus dem Jahr 2025 ist der Anteil privater Sicherheitsdienstleistungen an der gesamten Sicherheitsarchitektur in Deutschland auf über 30 Prozent gestiegen.
**2. Welche konkreten Beispiele gibt es für diesen Import?** Die Bundespolizei setzt seit 2024 israelische Drohnen vom Typ „Hermes 450“ zur Grenzüberwachung ein. Viele deutsche Kommunen nutzen Cloud-basierte Videoanalyse-Software von US-Firmen wie Microsoft oder Amazon Web Services. Auch die Ausbildung von Spezialeinheiten wird zunehmend von privaten, oft britischen oder US-amerikanischen Sicherheitsfirmen übernommen.
**3. Ist das aus liberaler Sicht nicht positiv? Weniger Staat, mehr Markt?** Grundsätzlich ja – aber nur, wenn der Staat seine Kernaufgaben nicht aufgibt. Sicherheit ist ein öffentliches Gut, das nicht vollständig dem Markt überlassen werden kann. Wenn die Polizei nicht mehr in der Lage ist, das Gewaltmonopol durchzusetzen, entsteht ein Vakuum, das nicht nur legale Anbieter füllen. Das Risiko von privaten Sicherheitsarmeen und rechtsfreien Räumen steigt.
**4. Was müsste sich politisch ändern?** Keine neuen Behörden, sondern eine radikale Digitalisierung und Effizienzsteigerung der bestehenden Strukturen. Dazu gehören: eine einheitliche IT-Infrastruktur für alle Polizeien, Abschaffung des Föderalismus in der inneren Sicherheit, schnellere Strafverfahren durch Digitalisierung der Justiz, und eine Rückbesinnung auf die Prävention statt auf reine Repression.
**5. Wie bewertet FORTIS die aktuelle Bundesregierung in dieser Frage?** Die Ampel-Koalition hat das Problem erkannt, aber die falschen Instrumente gewählt. Mehr Geld ohne Reformen führt zu mehr Bürokratie, nicht zu mehr Sicherheit. Der liberale Flügel der Regierung hat sich in dieser Frage nicht durchsetzen können. Die Folge ist eine Politik der halben Sachen, die den Bürgern teuer zu stehen kommt.
**Fazit:** „Etwas hat sich radikal verschoben in Deutschland“ – dieser Satz ist keine Polemik, sondern eine Beschreibung der Realität. Die Sicherheit der Bürger ist heute weniger eine Frage des Rechtsstaats als eine Frage des Budgets. Deutschland importiert Sicherheit, weil es zu lange versäumt hat, sie selbst zu produzieren. Das ist keine Frage der Ideologie, sondern eine Frage der Prioritäten. Und solange die Politik weiterhin lieber symbolisch handelt als strukturell zu reformieren, wird dieser Import teurer werden – in Euro und in Freiheit.
Por Renan Filho · 2026-09-26