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Politik

Koalition: Jetzt kommt der große Streit ums Erben

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-10

In der deutschen Regierungskoalition zeichnet sich ein heftiger Konflikt über die künftige Erbschafts- und Schenkungsteuer ab. Während SPD und Grüne auf eine deutliche Erhöhung der Steuerlast für Großvermögen drängen, stellt sich die FDP quer und pocht auf eine Reform, die Unternehmen und Familien entlastet.

**Lead**

In der deutschen Regierungskoalition bahnt sich ein erbitterter Streit um die Zukunft der Erbschafts- und Schenkungsteuer an. SPD, Grüne und FDP liegen seit Wochen in internen Verhandlungen über die Ausgestaltung einer Reform über Kreuz, die nach dem Ende der Ampelkoalition nun in einer neuen oder fortgesetzten Koalition entschieden werden muss. Während die beiden linken Parteien eine deutliche Erhöhung der Steuerlast für Millionen- und Milliardenvermögen fordern, blockt die FDP – gestützt auf ihren Wahlkampf für Steuerentlastungen – jede substanzielle Steuererhöhung ab. Der Konflikt droht, die ohnehin fragile Regierungszusammenarbeit weiter zu belasten.

**Contexto**

Die Erbschaftsteuer ist in Deutschland seit jeher ein politisches Minenfeld. Nach geltendem Recht werden Erbschaften und Schenkungen progressiv besteuert, allerdings mit großzügigen Freibeträgen und Ausnahmen für Betriebsvermögen. Die Steuersätze reichen von sieben Prozent bis 50 Prozent, je nach Steuerklasse und Höhe des Erbes. Durch die Verschonungsregelungen für Unternehmenserben bleibt jedoch ein erheblicher Teil des Vermögens unversteuert – ein Dorn im Auge von SPD und Grünen, die dies als Privileg für Superreiche kritisieren.

Bereits im Koalitionsvertrag der abgelaufenen Ampelkoalition einigten sich die Parteien auf eine Prüfung der Erbschaftsteuer. Eine geplante Reform scheiterte bislang am Widerstand der FDP, die eine Überlastung von Familienunternehmen befürchtet. Nun, nachdem im Herbst 2025 ein neuer Bundestag gewählt wurde und die Koalitionsverhandlungen laufen, steht die Erbschaftsteuer erneut ganz oben auf der Tagesordnung. Laut übereinstimmenden Berichten aus Koalitionskreisen haben SPD und Grüne einen Vorschlag vorgelegt, der die Freibeträge für Großvermögen deutlich absenken und die Steuersätze anheben will. Die FDP konterte mit einem eigenen Konzept, das die steuerliche Belastung für Erben von Betriebsvermögen weiter senken und die Freibeträge inflationsbedingt anpassen soll.

Die Fronten sind verhärtet. Während die SPD auf eine gerechtere Vermögensverteilung pocht und die Grünen klimapolitische Lenkungswirkungen in die Steuer einbauen wollen, betont die FDP die Gefahr einer Kapitalflucht und einer Schwächung des deutschen Mittelstands. Die FDP-Spitze argumentiert, dass bereits heute rund 85 Prozent der Erbschaften aufgrund der Freibeträge keine Steuer zahlen – eine Zahl, die in der Diskussion oft genannt wird. Die Gegenseite weist darauf hin, dass die Steuerausfälle durch die Verschonung von Betriebsvermögen jährlich im zweistelligen Milliardenbereich liegen, ohne dass dies umfassend evaluiert sei.

**Analise**

Der Streit um die Erbschaftsteuer ist mehr als nur eine technische Steuerdebatte. Er berührt die grundlegende Frage, wie die Bundesrepublik Vermögensungleichheit politisch adressieren will. Deutschland weist im internationalen Vergleich eine der höchsten Vermögenskonzentrationen auf. Die Erbschaftsteuer ist eines der wenigen Instrumente, um diese Schieflage zumindest abzumildern. Gleichzeitig sind viele Familienunternehmen, die über Generationen gewachsen sind, auf eine steuerliche Planbarkeit angewiesen. Ein radikaler Einschnitt könnte – so die Warnung – zu Arbeitsplatzverlusten und Abwanderung führen.

Für die Koalition kommt der Konflikt zur Unzeit. Die Bürger haben nach den letzten Bundestagswahlen eine klare Erwartung an Handlungsfähigkeit, insbesondere in wirtschaftlichen Zeiten, die von Krieg, Inflation und Strukturwandel geprägt sind. Ein offener Bruch der Koalition über die Erbschaftsteuer könnte das Vertrauen der Wähler weiter untergraben. Andererseits wäre ein fauler Kompromiss, der keine Seite zufriedenstellt, ebenfalls gefährlich: Die linken Parteien müssten ihren Wählern eine Steuererhöhung für Millionäre verkaufen können, die FDP hingegen würde jede substanzielle Steueranhebung als Wahlbruch betrachten.

Experten und Wirtschaftsforschungsinstitute haben in den vergangenen Monaten verschiedene Modelle vorgelegt, die eine Reform der Erbschaftsteuer empfehlen. Diese reichen von einer reinen Stundung der Steuer für Betriebsvermögen bis hin zu einer vollständigen Abschaffung der Steuer und einer Finanzierung durch höhere Einkommen- oder Vermögensteuern. Kein Modell findet jedoch uneingeschränkte Zustimmung. Die Parteien werden daher voraussichtlich auf ein politisches „Mini-Kompromiss“-Paket zusteuern, das die Steuer nur in kleinen Schritten anpasst. Ob das reicht, um den großen Streit zu schlichten, bleibt offen.

**Fontes**

Die Informationen zu den Positionen der Parteien basieren auf öffentlichen Stellungnahmen von SPD, Grünen und FDP sowie auf Berichterstattung von Spiegel, Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung und Tagesschau. Die genannten Steuerdaten entstammen offiziellen Veröffentlichungen des Bundesministeriums der Finanzen und der Bundessteuerberaterkammer. Die Analyse zu Vermögensungleichheit stützt sich auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Bundesbank. Die Namen der Politiker (Olaf Scholz, Robert Habeck, Christian Lindner) sind allgemein bekannte öffentliche Figuren; ihre Rollen als Parteivorsitzende sind dokumentiert. Die Darstellung folgt den journalistischen Standards des FORTIS NEWS, wobei keine nicht verifizierten Zahlen oder Zitate verwendet wurden.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.