**Lead**
Berlin – Am vergangenen Wochenende fand im Berliner Umweltforum die „Jugend-Konferenz: Klima – und jetzt?“ statt, eine von mehreren Nichtregierungsorganisationen organisierte Zusammenkunft junger Menschen, die sich mit der aktuellen Lage der Klimabewegung in Deutschland auseinandersetzte. Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland diskutierten über Erfolge, Rückschläge und die Zukunft des Engagements. Die Konferenz stand unter dem Eindruck der jüngsten politischen Entwicklungen: Die Bundesregierung hat mehrere klimapolitische Vorhaben zurückgestellt, während die Bewegung Fridays for Future nach einer Phase der öffentlichen Stille wieder verstärkt sichtbar wird.
**Contexto**
Die Klimabewegung in Deutschland hat seit den ersten Schulstreiks 2018 eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Fridays for Future mobilisierte zeitweise Hunderttausende, erreichte eine breite gesellschaftliche Debatte und trug maßgeblich zur Verabschiedung des Klimaschutzgesetzes 2019 bei. Doch die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Energiekrise verschoben die Prioritäten. Die Bewegung verlor an medialer Aufmerksamkeit, während die Bundesregierung – bestehend aus SPD, Grünen und FDP – in der Klimapolitik zunehmend Kompromisse einging. Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel, bis 2030 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, wurde zuletzt durch den Ausstieg aus der Atomkraft und die Verlängerung von Kohlekraftwerken infrage gestellt. Auch das Gebäudeenergiegesetz, das sogenannte Heizungsgesetz, sorgte für heftige Kontroversen und wurde abgeschwächt.
Vor diesem Hintergrund fand die Jugend-Konferenz statt. Veranstalter waren unter anderem der Deutsche Bundesjugendring, die Jugendorganisationen von BUND und Greenpeace sowie das Netzwerk „Klima-Allianz Deutschland“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus verschiedenen lokalen Gruppen, von der Schulstreik-Bewegung bis hin zu Klimacamps. In Workshops und Podiumsdiskussionen ging es um die Frage, wie die Bewegung wieder mehr Druck auf die Politik ausüben kann. Ein zentrales Thema war die geplante Klimaneutralität bis 2045 – ein Ziel, das nach Ansicht vieler Aktivistinnen und Aktivisten durch die aktuellen Maßnahmen der Regierung gefährdet sei.
**Analise**
Die Konferenz zeigt, dass die Klimabewegung in Deutschland vor einem strategischen Wendepunkt steht. Einerseits ist die öffentliche Unterstützung für ambitionierten Klimaschutz weiterhin hoch: Umfragen zufolge sehen große Teile der Bevölkerung den Klimawandel als eine der drängendsten Herausforderungen. Andererseits ist die politische Umsetzung ins Stocken geraten. Die FDP blockiert wiederholt strengere Vorgaben, während die Grünen in der Regierung oft als zu kompromissbereit wahrgenommen werden. Die Bewegung muss sich daher neu positionieren. Statt auf Massenmobilisierung setzen viele Gruppen nun auf gezielte Aktionen, rechtliche Schritte und lokale Projekte. So haben mehrere Umweltverbände Klagen gegen das Klimaschutzgesetz eingereicht, weil es nach ihrer Auffassung nicht ausreicht, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war die soziale Gerechtigkeit. Viele junge Aktivistinnen und Aktivisten betonten, dass Klimaschutz nicht zu Lasten einkommensschwacher Haushalte gehen dürfe. Die Diskussion um das Heizungsgesetz habe gezeigt, wie wichtig eine sozialverträgliche Ausgestaltung sei. Die Bewegung müsse daher enger mit Gewerkschaften und Sozialverbänden zusammenarbeiten. Auch die internationale Perspektive kam nicht zu kurz: Vertreterinnen und Vertreter von Fridays for Future aus Polen und Frankreich berichteten von den dortigen Kämpfen. Die deutsche Bewegung könne von den Erfahrungen anderer Länder lernen, etwa von den erfolgreichen Klimaklagen in den Niederlanden.
Die Konferenz endete mit einem gemeinsamen Appell an die Bundesregierung: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten die sofortige Vorlage eines wirksamen Klimaschutz-Sofortprogramms, das die Lücken im aktuellen Maßnahmenpaket schließt. Zudem solle ein Jugend-Klimarat eingerichtet werden, der die Politik regelmäßig berät. Ob diese Forderungen Gehör finden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Klimabewegung trotz aller Rückschläge nicht aufgegeben hat. Sie sucht nach neuen Wegen, um ihren Einfluss zurückzugewinnen – und die Jugend-Konferenz war ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
**Fontes**
- Deutsche Bundesregierung: Klimaschutzgesetz und aktuelle Vorhaben (www.bundesregierung.de) - Fridays for Future Deutschland: Pressemitteilungen und Positionspapiere (www.fridaysforfuture.de) - Deutscher Bundesjugendring: Informationen zur Jugend-Konferenz (www.dbjr.de) - Umweltbundesamt: Daten zur Treibhausgasentwicklung (www.umweltbundesamt.de) - Tagesschau: Berichterstattung zur Klimapolitik (www.tagesschau.de)
Por Renan Filho · 2026-10-19