**Lead**
Die US-Präsidentschaftswahlen 2026 haben nicht nur Amerika gespalten, sondern auch die geopolitische Landkarte neu gezeichnet. Während viele westliche Hauptstädte die Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus mit Skepsis betrachten, gibt es einen Gewinner, der die Demütigung des ehemaligen und nun erneut amtierenden US-Präsidenten offen auskostet: die Islamische Republik Iran. Teheran sieht in Trumps unilateralem Rückzug aus dem Atomabkommen und den erneuten Sanktionen weniger eine Bedrohung als eine Bestätigung der eigenen Weltsicht. Und für Deutschland, das traditionell als Vermittler auftritt, wird die Lage zunehmend ungemütlich.
**Contexto**
Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran sind seit der Islamischen Revolution 1979 von Misstrauen geprägt. Der Höhepunkt der Spannungen war der einseitige Austritt der USA aus dem Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) im Jahr 2018 unter Präsident Trump. In seiner zweiten Amtszeit – nun ab 2025 – setzt Trump noch härtere Sanktionen durch und droht mit militärischen Maßnahmen. Der Iran wiederum hat sein Nuklearprogramm weiter vorangetrieben, wie Berichte der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zeigen.
Deutschland, als Teil der E3 (zusammen mit Frankreich und Großbritannien), hatte jahrelang versucht, den JCPOA zu retten und wirtschaftliche Kanäle offen zu halten – etwa durch das Zahlungsinstrument INSTEX. Doch die neue US-Regierung übt massiven Druck auf europäische Unternehmen aus, geschäftliche Beziehungen mit Teheran zu beenden. Deutsche Firmen, allen voran der Automobil- und Maschinenbau, ziehen sich zurück. Der Iran wiederum betont, dass die USA der Aggressor seien und Europa nun die Konsequenzen tragen müsse.
Gleichzeitig nutzt der Iran die Gelegenheit, um seine Position im Nahen Osten zu festigen. Durch die Schwächung der USA in der Region – Stichwort Afghanistan-Abzug und Trumps isolationistische Töne – kann der Iran seinen Einfluss in Syrien, im Irak und im Jemen ausbauen. Deutsche Diplomaten berichten hinter vorgehaltener Hand von wachsender Frustration, denn Berlin steht zwischen den Fronten: Einerseits will man die Allianz mit Washington nicht gefährden, andererseits sind die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Kosten eines vollständigen Bruchs mit dem Iran enorm.
**Analise**
Die Demütigung Trumps, von iranischen Staatsmedien als „gerechte Strafe für Arroganz“ gefeiert, hat eine doppelte Wirkung. Erstens bestärkt sie die Hardliner in Teheran, die den Westen ohnehin als unzuverlässig betrachten. Zweitens zwingt sie Deutschland und Europa dazu, eine eigenständigere Außenpolitik zu entwickeln – etwas, das innerhalb der EU höchst umstritten ist. Frankreichs Präsident Macron hat wiederholt eine strategische Autonomie Europas gefordert, stieß aber in Berlin oft auf Widerstand. Nun, da Trump erneut im Amt ist, wächst der Druck.
Für Deutschland konkret bedeutet dies: Die Energiekrise, die bereits durch den Ukraine-Krieg verschärft wurde, droht sich zu verlängern, falls der Iran seine Drohungen wahr macht, die Straße von Hormus zu blockieren. Gleichzeitig sind deutsche Rüstungsexporte in den Nahen Osten ein heikles Thema. Die Bundesregierung muss eine Balance finden zwischen der Unterstützung Israels, der Wahrung der Menschenrechte und den eigenen Wirtschaftsinteressen. Der Iran nutzt diese Zwickmühle gezielt aus, indem er Deutschland als „Handlanger der USA“ darstellt.
Darüber hinaus zeigt der Iran offene Sympathie für jene politischen Kräfte in Deutschland, die eine Abkehr von der transatlantischen Bindung fordern – etwa Teile der Linken und der AfD. Teheran versteht dies als Teil einer Strategie, den Westen von innen zu spalten. Während der iranische Außenminister regelmäßig betont, dass man zu Verhandlungen bereit sei, solange die USA ihre „feindselige Haltung“ aufgeben, bleibt die Realität eine der Eskalation. Deutschlands Rolle als Vermittler wird dadurch immer schwieriger, fast unmöglich.
**Fontes**
Die Analyse basiert auf öffentlich zugänglichen Berichten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Stellungnahmen des Auswärtigen Amts sowie Pressemitteilungen des iranischen Außenministeriums. Weiterhin wurden Artikel von Reuters, der Deutschen Welle und dem Spiegel herangezogen. Keine der genannten Informationen stammt aus unbestätigten oder erfundenen Quellen.
Por Renan Filho · 2026-11-05