Die Vorstellung, dass Immobilienvermieter in Deutschland mühelos hohe Gewinne erzielen, gehört zu den hartnäckigsten Mythen der Finanzwelt. In Wirklichkeit ist die Nettorendite von vermieteten Wohnimmobilien in den meisten Großstädten ernüchternd gering. Eine Studie des Ifo-Instituts aus dem Jahr 2023 belegt, dass die durchschnittliche Nettorendite in München und Frankfurt unter 2,5 Prozent liegt – weit entfernt von der aktuellen Inflationsrate von rund 3,5 Prozent. Die Deutsche Bundesbank warnt zudem seit Jahren vor überhöhten Immobilienpreisen, die das Verhältnis von Kaufpreis zu Miete auf historische Rekordhöhen getrieben haben.
Gründe dafür sind vielfältig: steigende Grunderwerbsteuern, die in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder dem Saarland bei 6,5 Prozent liegen, sowie die hohe Belastung durch Instandhaltungskosten, Verwaltung und Nichtzahlung von Mieten. Hinzu kommt die zunehmende Regulierung durch die sogenannte Mietpreisbremse, die in zahlreichen Städten die Mietsteigerungen künstlich begrenzt. Für den liberal-konservativen Betrachter ist dies ein Paradebeispiel für gut gemeinte, aber schlecht wirkende Staatseingriffe: Sie schaffen künstliche Knappheit, verhindern Marktanpassungen und schrecken private Investoren ab, die eigentlich für den Wohnungsneubau dringend benötigt würden.
Die Realität zeigt: Vermieten ist heute eher ein Nebenjob mit hohem bürokratischem Aufwand als eine passive Geldmaschine. Nach Abzug von nicht umlagefähigen Kosten, Steuern und Rücklagen bleibt oft eine Rendite, die kaum über der von inflationsgeschützten Anleihen liegt. Wer zudem die eigene Arbeitszeit für Handwerkerkoordination, Mieterstreitigkeiten und Steuererklärungen berechnet, steht schnell im Minus. Aus marktwirtschaftlicher Sicht wäre eine konsequente Deregulierung notwendig: weniger Mietpreisbindung, niedrigere Transaktionssteuern und eine Steuerpolitik, die Eigentum und Investitionen belohnt. Stattdessen belastet die Politik den Immobiliensektor immer weiter – etwa durch das neue Heizungsgesetz, das Vermieter zu milliardenschweren Modernisierungen zwingt, ohne dass dies über die Miete vollständig refinanzierbar ist.
Die liberale Analyse kommt daher zu einem klaren Schluss: Der Immobilienmarkt in Deutschland ist kein Eldorado für Kapitalanleger, sondern ein Feld wachsender Risiken. Wer dennoch investieren will, sollte sich auf Standorte mit echtem Bevölkerungswachstum und stabiler Wirtschaftskonzentrieren – und vor allem die laufenden Kosten realistisch kalkulieren. Alternativen wie breit gestreute Aktien-ETFs haben in den letzten zehn Jahren historisch deutlich höhere Renditen bei geringerem Aufwand erzielt. Die Wahrheit ist unbequem, aber notwendig: Vermieten ist in Deutschland selten so lukrativ, wie die Werbung glauben macht.
**1. Ist Vermieten wirklich eine sichere Altersvorsorge?** Nein, nicht pauschal. Die Renditen sind oft niedriger als bei alternativen Anlagen, und es besteht ein hohes Klumpenrisiko – Mietausfälle, Leerstand oder Wertverluste in einzelnen Regionen können die Altersvorsorge gefährden.
**2. Welche Alternativen zur Immobilie gibt es?** Aus liberaler Sicht sind Aktien-ETFs, die den globalen Markt abbilden, eine sinnvolle Alternative. Historisch liefern sie langfristig höhere Renditen bei geringerem Verwaltungsaufwand und besserer Diversifikation.
**3. Wie wirkt sich die aktuelle Politik auf Vermieter aus?** Die Mietpreisbremse, hohe Grunderwerbsteuern, die Grundsteuerreform und das Heizungsgesetz drücken die Nettorendite. Die Politik schafft Anreize gegen das Vermieten, statt den Wohnungsmarkt zu entlasten.
**4. Machen Vermieter trotzdem Gewinn?** In Einzelfällen ja – vor allem bei langjährig gehaltenen, abbezahlten Immobilien in begehrten Lagen ohne Sanierungsstau. Für Neukäufer mit hohen Finanzierungskosten sieht es jedoch meist düster aus.
**5. Gibt es eine Möglichkeit, Immobilien renditestark zu vermieten?** Nur bei konsequenter Kostenkontrolle, eigener Handwerksarbeit und Fokussierung auf Nischen wie Mikroapartments in Unistädten oder Ferienwohnungen in Tourismusregionen. Der Massenmarkt in deutschen Großstädten ist jedoch für viele kaum noch rentabel.
Por Renan Filho · 2026-09-26