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Henker Johann Reichhart: Er richtete Tausende hin – darunter Hans und Sophie Scholl

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-18

Johann Reichhart, der meistbeschäftigte Scharfrichter des NS-Regimes, exekutierte über 3.000 Verurteilte. Zu seinen Opfern zählten die Geschwister Scholl, Mitglieder der Weißen Rose. Ein Blick auf den Mann hinter der Axt und die Rolle der Todesstrafe im nationalsozialistischen Sicherheitsapparat.

**Lead**

Johann Reichhart, der amtliche Henker des nationalsozialistischen Deutschlands, steht für die gnadenlose Exekution tausender Menschen. Unter seinen Opfern befanden sich Hans und Sophie Scholl, die am 22. Februar 1943 in München durch das Fallbeil hingerichtet wurden. Reichhart, der zwischen 1924 und 1946 mehr als 3.000 Todesurteile vollstreckte, war ein zentrales Instrument der NS-Sicherheitspolitik. Seine Tätigkeit symbolisiert die Perfektionierung staatlicher Gewalt gegen politische Gegner und sogenannte Volksschädlinge.

**Context**

Johann Reichhart wurde 1893 in Wörth an der Donau geboren. Er erlernte das Metzgerhandwerk, bevor er 1924 die Zulassung als Scharfrichter für die Länder Bayern und Württemberg erhielt. Während der Weimarer Republik vollstreckte er vor allem Urteile gegen Kapitalverbrecher. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten jedoch weitete sich seine Tätigkeit massiv aus. Die NS-Justiz verhängte die Todesstrafe in nie dagewesenem Ausmaß – für Hochverrat, Wehrkraftzersetzung, Plünderung und andere Delikte. Reichhart wurde zum meistbeschäftigten Henker des Dritten Reichs. Er reiste von Hinrichtungsstätte zu Hinrichtungsstätte, oft mehrere Exekutionen an einem Tag.

Die Hinrichtung der Geschwister Scholl am 22. Februar 1943 ist bis heute das bekannteste von Reichharts Todesurteilen. Hans und Sophie Scholl, gemeinsam mit Christoph Probst vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt, wurden noch am selben Tag in der Strafanstalt München-Stadelheim durch die Guillotine hingerichtet. Reichhart selbst führte die Exekutionen durch. Zeugenberichten zufolge verhielt er sich sachlich-professionell, ohne Emotionen zu zeigen. Die Vollstreckung dauerte nur Sekunden. Die Familie Scholl erhielt keine Abschiedsmöglichkeit. Ihre Asche wurde auf nahegelegenen Feldern verstreut.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurde Reichhart von den Alliierten verhaftet und in einem Spruchkammerverfahren entnazifiziert. Er rechtfertigte sich stets damit, nur seine Pflicht als Beamter getan zu haben. Er habe die Todesurteile nicht zu verantworten, sondern lediglich vollzogen. Dennoch wurde er zunächst zu einer Haftstrafe verurteilt, die jedoch durch Untersuchungshaft als verbüßt galt. In den Nachkriegsjahren arbeitete Reichhart unter anderem als Gepäckträger und starb 1972 in Dorfen bei München. Sein Leben blieb Zeit seines Lebens umstritten.

**Analyse**

Die Figur Johann Reichhart wirft grundlegende Fragen zur Rolle des Einzelnen im Sicherheitsapparat eines totalitären Systems auf. Im Nationalsozialismus wurde die Todesstrafe als ultimatives Mittel der Abschreckung und Disziplinierung eingesetzt. Henker wie Reichhart waren keine sadistischen Täter, sondern bürokratische Vollstrecker – und genau das macht sie so beunruhigend. Sie repräsentieren die Normalisierung von Gewalt innerhalb eines repressiven Staatsapparats. Die Hinrichtung der Scholl-Geschwister war kein bloßer Justizmord, sondern ein bewusster Akt der Einschüchterung gegen die Widerstandsbewegung der Weißen Rose. Reichhart wurde zum Werkzeug, um jede Regung des zivilen Ungehorsams im Keim zu ersticken.

Heute, mehr als acht Jahrzehnte später, erinnern Gedenkstätten und Dokumentationen an die Opfer. Die Person des Henkers bleibt jedoch meist im Hintergrund. Dabei ist die Auseinandersetzung mit Tätern wie Reichhart essenziell, um die Mechanismen staatlicher Sicherheitspolitik zu verstehen. Die Geschichte zeigt, dass Sicherheit nie absolut sein darf – sie darf nicht zur Rechtfertigung von Massenhinrichtungen oder politischer Verfolgung werden. Der Fall Reichhart mahnt, dass die Todesstrafe als Instrument der Sicherheitspolitik jederzeit in Willkür umschlagen kann.

**Quellen**

Dieser Artikel basiert auf historisch belegten Fakten aus dem Archiv des Historischen Lexikons Bayerns (www.historisches-lexikon-bayerns.de), der ständigen Ausstellung der Gedenkstätte Weiße Rose in München (www.weisse-rose-stiftung.de) sowie biografischen Recherchen zur Person Johann Reichhart, unter anderem in der Dokumentation „Der Henker von München“ (Bayerischer Rundfunk). Die geschilderten Ereignisse und Daten sind durch Gerichtsakten des Volksgerichtshofs und Zeitzeugenberichte gesichert.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.