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Die deutschen Grünen haben sich in den vergangenen Jahren schrittweise von ihrem traditionellen Fundamentalpazifismus gelöst. Auslöser war der russische Überfall auf die Ukraine im Februar 2022, der innerhalb der Partei eine tiefgreifende Debatte über Frieden, Sicherheit und militärische Verantwortung entfachte. Führende Grünen-Politiker wie Außenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck befürworteten seither Waffenlieferungen an die Ukraine – ein Tabubruch für die einst aus der Friedensbewegung hervorgegangene Partei.
**Contexto**
Die Grünen wurden 1980 aus der Umwelt- und Friedensbewegung heraus gegründet. Ihr pazifistisches Fundament war jahrzehntelang unantastbar: „Nie wieder Krieg“ war nicht nur eine historische Mahnung, sondern ein handlungsleitendes Prinzip. Noch im Bundestagswahlkampf 2021 forderte die Partei einen kompletten Stopp von Rüstungsexporten in Krisengebiete. Die Bundeswehr-Auslandseinsätze in Afghanistan oder im Kosovo wurden von großen Teilen der Partei und ihrer Basis scharf kritisiert.
Der russische Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 zwang die Grünen jedoch zu einer radikalen Kehrtwende. Bereits drei Tage nach Kriegsbeginn stimmte die grüne Bundestagsfraktion geschlossen für die Lieferung von Panzerabwehrwaffen und Flugabwehrsystemen an die Ukraine. Partei- und Fraktionschefin Ricarda Lang und Omid Nouripour verteidigten diesen Schritt öffentlich als „militärische Unterstützung zur Selbstverteidigung“. Die bislang geltende pazifistische Doktrin wurde damit faktisch aufgeweicht.
Der grüne Parteitag im Oktober 2022 in Bonn markierte einen weiteren Höhepunkt der Neuausrichtung. Zwar blieben pazifistische Stimmen präsent, doch die Mehrheit der Delegierten stimmte für ein Leitantrag, der die militärische Unterstützung der Ukraine als „humanitäre Pflicht“ bezeichnete und die Lieferung schwerer Waffen – darunter Leopard-2-Panzer – befürwortete. Dieser Beschluss war eine Zäsur: Die Partei gab ihren radikalen Pazifismus offiziell auf und bekannte sich zu einer „wehrhaften Friedenspolitik“.
**Analise**
Die Abkehr vom Fundamentalpazifismus ist mehr als nur eine taktische Anpassung; sie verändert das Selbstverständnis der Grünen grundlegend. Die Partei, die einst die „Nachrüstung“ der NATO ablehnte, ist heute eine treibende Kraft für militärische Unterstützung der Ukraine und für eine Aufstockung des Verteidigungshaushalts. Dieser Wandel hat die Grünen regierungsfähiger gemacht, aber auch innere Konflikte vertieft. Junge Grünen-Mitglieder und die linke Parteibasis sehen die alte Identität verraten. Auf Parteitagen kommt es immer wieder zu emotionalen Debatten, etwa über Waffenlieferungen oder die zivile Konfliktbearbeitung.
Gleichzeitig profitiert die Partei von ihrer neuen Realpolitik. Umfragen zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung den Kurs der Grünen zur Ukraine-Unterstützung befürwortet. Die Grünen haben sich als verlässliche Partner in der NATO und der EU positioniert. Außenministerin Baerbock gilt international als scharfe Kritikerin Russlands. Die Partei hat sich von der einstigen „Öko-Partei“ zu einer gestaltenden Kraft in der Sicherheitspolitik entwickelt. Allerdings bleibt die Frage, ob die Grünen nach dem Ende des Ukraine-Kriegs wieder zu pazifistischen Werten zurückkehren werden oder ob die Transformation dauerhaft ist.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf öffentlichen Stellungnahmen führender Grünen-Politiker, Beschlüssen der Bundesparteitage der Grünen (2022, 2023), Berichterstattung deutscher Nachrichtenagenturen (dpa, Reuters) sowie Analysen zur deutschen Sicherheitspolitik. Konkrete Zahlen zu Umfragen oder Wählerstimmen wurden nicht verwendet; die beschriebenen Tendenzen sind durch mediale Berichte und offizielle Parteiunterlagen belegt.
Por Renan Filho · 2026-10-17