FORTIS
← FORTIS
Politik

Rot-Grün-Rot in Berlin: Koalitionsgespräche mit dem Segen der Humboldt-Universität

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-11-05

In Berlin beginnen Sondierungen für eine mögliche rot-grün-rote Koalition. Unerwartet signalisiert die Humboldt-Universität ihre Unterstützung – ein Zeichen für die wachsende Bedeutung von Bildungspolitik in den Verhandlungen.

**Lead**

In Berlin haben am Mittwoch die offiziellen Sondierungsgespräche zwischen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei für eine mögliche Neuauflage einer rot-grün-roten Koalition begonnen. Die Gespräche, die im Roten Rathaus stattfinden, werden von einer überraschenden Entwicklung begleitet: Die Humboldt-Universität zu Berlin hat ihre grundsätzliche Unterstützung für ein solches Bündnis signalisiert. Rektorat und Senat der Universität betonten in einer gemeinsamen Erklärung die Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit mit einer künftigen Landesregierung, insbesondere in den Bereichen Wissenschaft, Digitalisierung und nachhaltige Stadtentwicklung. Die Humboldt-Universität, die für ihre traditionsreiche Verbindung zu Politik und Gesellschaft bekannt ist, gilt als wichtiger Impulsgeber für die Hauptstadt. Die Sondierungen finden vor dem Hintergrund einer sich verändernden politischen Landschaft statt, in der die bisherige schwarz-rote Koalition unter Kai Wegner (CDU) an Zustimmung verloren hat. Ein Erfolg der rot-grün-roten Gespräche könnte die politische Ausrichtung Berlins für die kommenden Jahre grundlegend verändern.

**Contexto**

Die rot-grün-rote Koalition ist in Berlin kein neues Modell. Bereits von 2016 bis 2023 regierte ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken unter der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Diese Koalition zerbrach jedoch an internen Konflikten, unter anderem über die Verkehrspolitik und die Wohnungsfrage. Nach der Wiederholungswahl 2023 bildete die CDU unter Kai Wegner zusammen mit der SPD eine schwarz-rote Regierung. Doch die Umfragen der letzten Monate zeigen einen deutlichen Trend: Die SPD hat leicht aufgeholt, die Grünen stagnieren, und die Linke profitiert von einer neuen Dynamik durch bundespolitische Themen wie soziale Gerechtigkeit und Mietendeckel. In einer aktuellen Erhebung (Anfang November) liegen SPD, Grüne und Linke gemeinsam knapp über der absoluten Mehrheit – ein Zeichen dafür, dass eine rot-grün-rote Option wieder realistisch erscheint. Die Humboldt-Universität, deren Name für Aufklärung und wissenschaftlichen Fortschritt steht, hat sich selten so deutlich in parteipolitische Prozesse eingemischt. Die aktuelle Erklärung des Hochschulgremiums ist bewusst vage gehalten, aber die Botschaft ist klar: Die Universität sieht in einem rot-grün-roten Bündnis die größte Chance für eine ambitionierte Wissenschafts- und Bildungspolitik. Besonders die Themen Ausbau erneuerbarer Energien, Digitalisierung der Verwaltung und bezahlbarer Wohnraum für Studierende werden von der Universität als dringend adressiert angesehen. Die SPD hat bereits angekündigt, die Bildungspolitik zu einem Schwerpunkt der Verhandlungen machen zu wollen. Der Grünen-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Werner Graf, betonte in einer internen Sitzung die Notwendigkeit, die Klimaziele mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden. Die Linke fordert unter anderem eine Verschärfung des Mietendeckels und kostenlose öffentliche Verkehrsmittel. Die Gespräche werden voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Beobachter rechnen damit, dass die schwierigsten Punkte die Finanzierung der Vorhaben und die Verteilung der Senatsressorts sein werden.

**Analise**

Die Einmischung der Humboldt-Universität in die politischen Sondierungen ist mehr als nur eine Randnotiz. Sie zeigt, dass die Wissenschaft zunehmend als politischer Akteur auftritt – nicht als neutraler Beobachter, sondern als aktiver Gestalter. Dies ist insofern bemerkenswert, als die Hochschulen in Deutschland traditionell eine gewisse Distanz zur Tagespolitik wahren. Die Humboldt-Universität, deren Leitbild auf Wilhelm von Humboldt zurückgeht, hat sich in der Vergangenheit immer wieder zu gesellschaftlichen Fragen geäußert, jedoch selten so explizit zu einer konkreten Koalitionsoption. Dies könnte Signalwirkung für andere Hochschulen haben und den Druck auf die Verhandler erhöhen, wissenschaftliche Expertise stärker in die Regierungsarbeit einzubeziehen. Für die Berliner Politik bedeutet dies, dass die Themen Bildung und Forschung im Wahlkampf und in den Koalitionsverhandlungen eine noch zentralere Rolle spielen werden. Die etablierten Parteien müssen nun beweisen, dass sie den Anforderungen einer modernen Wissensgesellschaft gerecht werden können.

Ein weiterer Aspekt ist die strategische Positionierung der Linken. Die Partei, die bundesweit um ihre politische Existenz kämpft, könnte in Berlin eine starke Position erlangen. Insbesondere die Forderung nach einem konsequenten Mietendeckel und nach sozialen Investitionen trifft den Nerv der Berliner Bevölkerung, die unter steigenden Mieten und Wohnungsmangel leidet. Die SPD wiederum muss sich zwischen einer Fortsetzung der pragmatischen Politik unter Wegner und einer Rückkehr zu linken Bündnissen entscheiden. Der Segen der Humboldt-Universität könnte für die SPD ein Argument sein, den Schritt zurück zu Rot-Grün-Rot zu wagen – immer unter der Voraussetzung, dass die Finanzierung gesichert ist. Die wirtschaftliche Lage Berlins ist angespannt, die Schuldenbremse des Landes begrenzt die Spielräume. Dennoch: Die Signale aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft sind eindeutig – die Erwartungen an eine progressive Politik sind hoch. Sollten die Gespräche scheitern, droht ein politischer Stillstand, der Berlins Ansehen als Innovationsmetropole schädigen könnte. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Humboldt’sche Segen ausreicht, um die Gräben zwischen den drei Parteien zu überbrücken.

**Fontes**

Die Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Berichten der Deutschen Presse-Agentur (dpa), des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) sowie auf Stellungnahmen der Berliner SPD, Bündnis 90/Die Grünen Berlin und der Linkspartei Berlin. Die Erwähnung der Humboldt-Universität bezieht sich auf eine gemeinsame Erklärung des Rektorats und des Akademischen Senats vom 5. November 2026. Umfragedaten wurden nicht wörtlich zitiert, sondern als allgemeine Tendenz beschrieben.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.