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Für Feld und Garten: Rettet Mulch die Ernte? Zwei Bauern haben es ausprobiert

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-09-27

Zwei Landwirte aus Niedersachsen testen Mulch als Alternative zu chemischen Mitteln – mit überraschenden Ergebnissen. FORTIS analysiert die wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte.

Zwei Bauern aus der Lüneburger Heide haben in dieser Saison ein Experiment gewagt: Sie verzichteten weitgehend auf synthetische Düngemittel und Pestizide und setzten stattdessen auf Mulch – eine Schicht aus organischem Material, die den Boden bedeckt. Die Frage, die sie umtrieb: Kann Mulch die Ernte retten, wenn Wetterextreme und steigende Betriebskosten den Druck auf die Landwirtschaft erhöhen? Ihre Antwort fällt differenziert aus.

Der eine Betrieb, ein konventioneller Ackerbaubetrieb mit 150 Hektar, legte auf vier Feldern eine dicke Schicht aus Holzhäckseln und Grasschnitt aus. Der andere, ein kleiner Gemüsebaubetrieb mit zehn Hektar, testete Rindenmulch und Stroh auf seinen Beeten. Beide berichten von einer spürbaren Reduktion des Unkrautdrucks und einer gleichmäßigeren Bodenfeuchte. „Die Pflanzen stresst es weniger, wenn es mal trockener wird“, so ein Landwirt. Allerdings gab es auch Nachteile: Die Kosten für den Mulch und das Ausbringen waren höher als erwartet, und auf einigen Flächen behinderte die dicke Schicht das Auflaufen der Saat.

Hintergrund des Experiments ist die wachsende Suche nach resilienteren Anbaumethoden. Mulchen ist keine neue Technik – in der Forstwirtschaft und im Gartenbau wird sie seit Jahrzehnten angewendet. Doch in der großflächigen Landwirtschaft stand lange die Effizienz chemisch-synthetischer Mittel im Vordergrund. Steigende Preise für Dünger und Pflanzenschutzmittel, verbunden mit strengeren Umweltauflagen, zwingen viele Betriebe, Alternativen zu prüfen. Mulch kann den Boden vor Erosion schützen, die Verdunstung reduzieren und durch den langsamen Verrottungsprozess Nährstoffe freisetzen. Gleichzeitig fördert er das Bodenleben, was langfristig die Bodenfruchtbarkeit verbessert.

Eine Studie der Landwirtschaftskammer Niedersachsen aus dem Jahr 2024 zeigte, dass Mulch auf sandigen Böden die Wasserhaltekapazität um bis zu 30 Prozent erhöhen kann. Die beiden Bauern bestätigen diesen Trend: Auf den gemulchten Flächen mussten sie bis zu zwei Wochen länger nicht bewässern als auf den Kontrollflächen. Angesichts der zunehmenden Dürreperioden ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Allerdings warnen Agrarexperten vor einer pauschalen Empfehlung: Die Effekte hängen stark von der Bodenart, der Kultur und der Mulchzusammensetzung ab. Zu dicke Schichten können die Erwärmung des Bodens im Frühjahr verzögern und die Stickstoffverfügbarkeit vorübergehend senken, da Mikroorganismen den Stickstoff beim Zersetzen binden.

FORTIS ANALYSE: Aus liberal-konservativer Sicht zeigt der Mulch-Test exemplarisch, wie Eigeninitiative und Marktanreize Innovationen hervorbringen – ohne staatliche Bevormundung. Die Bauern haben aus eigenem Antrieb neue Methoden erprobt, weil die Kosten für chemische Mittel gestiegen sind. Dies ist ein Paradebeispiel für die Funktionsweise freier Märkte: Preissignale lenken das Verhalten in Richtung Effizienz. Eine Subventionierung von Mulch oder eine Verpflichtung zum Mulchen, wie von manchen Umweltverbänden gefordert, wäre kontraproduktiv. Sie würde die betriebliche Flexibilität einschränken und Anreize für eine Übertreibung der Methode schaffen. Der Staat sollte sich darauf beschränken, klare Eigentumsrechte zu definieren und Rahmenbedingungen für den Wettbewerb zu setzen – mehr nicht.

Gleichzeitig zeigt der Fall die Grenzen des „Green Deal“-Ansatzes: Wer pauschal chemische Mittel verbietet, riskiert niedrigere Erträge und höhere Kosten, ohne dass die Alternativen immer praxistauglich sind. Die Bauern berichten, dass auf den gemulchten Flächen der Ertrag bei Mais um rund zehn Prozent niedriger lag als auf konventionell bewirtschafteten Flächen – bei gleichzeitig höheren Arbeitskosten. Nur bei extensiven Kulturen wie Obst oder Wein könnte sich die Mulchwirtschaft langfristig rechnen. Für die Versorgungssicherheit in Deutschland ist daher eine technologieoffene, pragmatische Politik nötig, die alle Optionen zulässt – von Mulch über Präzisionslandwirtschaft bis zur Gentechnik.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.