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Die deutsche Debatte um die Exzellenzuniversitäten erreicht einen neuen Höhepunkt. Während die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder seit Jahren gezielt einige wenige Hochschulen fördert, fordern immer mehr Stimmen eine Umverteilung der Mittel – mit dem Argument, dass wahre Exzellenz nicht durch Konzentration, sondern durch Breite entstehe. Das Schlagwort „Klasse durch Masse“ fasst die Position jener zusammen, die eine flächendeckende Stärkung der gesamten Universitätslandschaft gegenüber der Förderung einzelner Leuchttürme bevorzugen.
**Contexto**
Die Exzellenzinitiative, die 2005 unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufen wurde, war ein Meilenstein der deutschen Wissenschaftspolitik. Ziel war es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Universitäten zu steigern, indem besonders leistungsstarke Hochschulen und Forschungsverbünde zusätzliche Mittel erhielten. In den ersten beiden Runden wurden elf Universitäten als „Exzellenzuniversitäten“ ausgezeichnet, darunter die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Universität Heidelberg. Die Förderung umfasste jeweils Millionenbeträge über mehrere Jahre.
Im Jahr 2017 wurde die Initiative in die Exzellenzstrategie überführt, die eine dauerhafte Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten vorsieht. Der Auswahlprozess erfolgt durch internationale Gutachtergruppen und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat koordiniert. In der aktuellen Förderperiode sind zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzuniversitäten anerkannt. Die Gesamtfördersumme belief sich auf jährlich rund 530 Millionen Euro.
Kritik an der Konzentration der Mittel ist jedoch nicht neu. Schon frühzeitig warnten Hochschulverbände und Landespolitiker, dass die Exzellenzinitiative zu einer Zweiklassenuniversität führe. Kleinere und mittlere Hochschulen, insbesondere in strukturschwachen Regionen, drohten den Anschluss zu verlieren. Diese Sorge greift die Debatte um „Klasse durch Masse“ auf: Eine breite Finanzierung aller Universitäten – so das Argument – könne langfristig eine höhere Forschungsqualität und innovative Lehre hervorbringen, als wenn die Ressourcen auf wenige Zentren konzentriert würden.
**Analise**
Die Frage, ob Exzellenz durch Masse oder durch Elite entsteht, berührt den Kern der deutschen Hochschulreformen. Befürworter einer konzentrierten Förderung verweisen auf die gestiegene Reputation deutscher Universitäten in internationalen Rankings wie dem Times Higher Education oder dem Shanghai-Ranking. Die gezielte Unterstützung von Spitzenforschung habe zu einer Sichtbarkeit geführt, die andernfalls nicht erreicht worden wäre. Zudem profitierten auch andere Hochschulen indirekt durch Kooperationen, gemeinsame Graduiertenschulen und die allgemeine Profilbildung des Wissenschaftsstandorts Deutschland.
Gegner der Konzentration hingegen betonen die Gefahr einer Vernachlässigung der „flächigen“ Forschungs- und Ausbildungsleistungen. Sie argumentieren, dass viele bahnbrechende Entdeckungen nicht an den prestigeträchtigsten Instituten, sondern an kleineren, agileren Einrichtungen entstehen. Die Breite der Exzellenz sei ein Standortfaktor, der nicht vernachlässigt werden dürfe. Die Debatte wird auch durch die föderale Struktur Deutschlands beeinflusst: Jedes Bundesland möchte seine Universitäten gestärkt sehen, was zu politischen Spannungen führt.
Langfristig könnte sich die Strategie in Richtung einer hybriden Mischung entwickeln: Die Exzellenzförderung bleibt bestehen, wird jedoch durch breitere Förderprogramme ergänzt, die allen Hochschulen offenstehen. Die Diskussion um „Klasse durch Masse“ hat jedenfalls das Bewusstsein dafür geschärft, dass Exzellenz nicht allein durch die Förderung weniger Auserwählter definiert werden darf. Die zukünftige Ausrichtung der bundesdeutschen Wissenschaftspolitik wird zeigen, ob das Konzept der „Klasse durch Masse“ Eingang in die konkrete Förderpraxis findet.
**Fontes**
Die Informationen zu diesem Artikel beruhen auf öffentlich zugänglichen Dokumenten und Berichten des Wissenschaftsrates, der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie auf Stellungnahmen der Hochschulrektorenkonferenz und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Analyse stützt sich auf die langjährige Beobachtung der deutschen Hochschulpolitik und die öffentliche Diskussion in Fachmedien und überregionalen Tageszeitungen.
Por Renan Filho · 2026-10-02