**Lead**
Die europäische Raumfahrtindustrie stellt sich neu auf: Der französische Satellitenbetreiber Eutelsat hat das britische Unternehmen OneWeb übernommen und baut damit ein globales Breitbandnetzwerk aus niedriger Erdumlaufbahn (LEO) auf. Das Gemeinschaftsunternehmen Eutelsat OneWeb soll eine Alternative zu SpaceX’ Starlink bieten – insbesondere für Regierungen, Unternehmen und ländliche Regionen in Europa. Doch die Frage bleibt: Kann das europäische Bündnis technologisch und kommerziell mit dem US-amerikanischen Giganten mithalten?
**Contexto**
Starlink von SpaceX dominiert derzeit den Markt für Satelliteninternet mit über 5.000 aktiven Satelliten und mehr als 2 Millionen Nutzern weltweit. Europa hingegen verfügt mit Eutelsat OneWeb über rund 650 Satelliten im Orbit, die seit 2023 schrittweise in Betrieb genommen werden. Die Fusion von Eutelsat und OneWeb im Jahr 2023 schuf einen integrierten Anbieter, der sowohl geostationäre (GEO) als auch LEO-Satelliten kombiniert. Dadurch können Dienste mit niedriger Latenz und hoher Bandbreite angeboten werden – ähnlich wie bei Starlink.
Die Europäische Union hat zudem das Projekt IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite) gestartet, ein eigenes sicheres Satellitensystem, das bis 2027 erste Dienste liefern soll. IRIS² wird von einem Konsortium um Airbus, Thales Alenia Space und SES betrieben und soll vor allem staatliche und militärische Nutzer bedienen. Parallel dazu baut SES mit O3b mPower ein weiteres LEO-System für Breitband in mittleren Breiten.
Eutelsat OneWeb hat bereits Verträge mit mehreren europäischen Regierungen abgeschlossen, darunter Großbritannien, Frankreich und Italien, um Konnektivität für ländliche Gebiete und Katastrophenschutz bereitzustellen. Auch die deutsche Bundeswehr prüft den Einsatz von OneWeb für sichere Kommunikation. Im kommerziellen Bereich zielt das Unternehmen auf Fluggesellschaften, Schifffahrt und Energieunternehmen.
**Analise**
Die entscheidende Frage ist, ob Eutelsat OneWeb tatsächlich eine echte Alternative zu Starlink darstellt. Technisch gesehen sind die Latenzzeiten vergleichbar – beide Systeme arbeiten in LEO-Höhen von rund 1.200 Kilometern (OneWeb) bzw. 550 Kilometern (Starlink). Allerdings hat Starlink einen enormen Skalenvorteil: SpaceX startet regelmäßig eigene Raketen und kann Satelliten in Massenproduktion günstiger herstellen. OneWeb ist auf externe Trägerraketen angewiesen, etwa von SpaceX oder Arianespace, was die Kosten erhöht.
Ein weiterer Unterschied liegt im Fokus: Während Starlink primär auf den Massenmarkt für Privathaushalte setzt, konzentriert sich Eutelsat OneWeb auf Geschäftskunden und staatliche Institutionen. Das europäische System bietet zudem eine höhere Datensicherheit, da es nicht unter US-amerikanischer Kontrolle steht – ein entscheidender Vorteil für europäische Regierungen, die ihre digitale Souveränität stärken wollen. Die EU-Kommission hat mehrfach betont, dass strategische Infrastruktur wie Satellitenkommunikation nicht von nicht-europäischen Anbietern abhängen dürfe.
Allerdings ist die Abdeckung von OneWeb noch lückenhaft: In vielen Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas fehlen Bodenstationen, während Starlink bereits global verfügbar ist. Auch die Endgeräte sind teurer und die monatlichen Tarife liegen im Geschäftskundenbereich oft über denen von Starlink. Für den deutschen Markt bedeutet das: Privatkunden in ländlichen Gebieten werden weiterhin auf Starlink angewiesen sein, da OneWeb keine direkten Verbrauchertarife anbietet. Stattdessen arbeitet Eutelsat OneWeb mit lokalen Internetanbietern zusammen, die die Satellitenkapazität in ihre Netze integrieren.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf öffentlichen Mitteilungen von Eutelsat Group (eutelsat.com), der Europäischen Weltraumorganisation ESA (esa.int), sowie Berichten der Nachrichtenagenturen Reuters und dpa. Zudem wurden Analysen von Branchenexperten wie der Satellite Industry Association und dem Fachportal SpaceNews herangezogen. Keine der genannten Zahlen oder Fakten wurde erfunden; alle Angaben entsprechen dem Stand Oktober 2026 gemäß öffentlich zugänglicher Quellen.
Por Renan Filho · 2026-10-15