**Lead**
Nach über 45 Jahren im Dienst der Frauenbewegung steht die traditionsreiche Zeitschrift „Emma“ offenbar vor dem endgültigen Aus. Wie aus informierten Kreisen verlautet, soll die Printausgabe noch in diesem Jahr eingestellt werden. Der Grund: sinkende Auflagenzahlen, eine alternde Leserschaft und vor allem die zunehmende Entfremdung von der jungen feministischen Generation. „Emma“, die 1977 von Alice Schwarzer gegründet wurde, gilt als Ikone des deutschen Feminismus – doch die neuen Wellen des Aktivismus, die auf Intersektionalität, Diversität und digitale Mobilisierung setzen, haben das Blatt müde gemacht. Der Titel des Artikels – „Ermattet vom neuen Feminismus“ – beschreibt eine Entwicklung, die viele Beobachter bereits seit Jahren kommen sahen.
**Contexto**
Die Geschichte der „Emma“ ist eng mit der Person Alice Schwarzers verbunden. Die Journalistin und Publizistin prägte den deutschen Feminismus wie kaum eine andere. Von Anfang an setzte sie auf provokante Titelgeschichten, klare Positionen gegen Pornografie und Prostitution sowie auf die Forderung nach einem strikten Antidiskriminierungsrecht. Das Heft erreichte in den 1980er Jahren Auflagen von über 200.000 Exemplaren. Doch spätestens mit dem Aufkommen des sogenannten „Popfeminismus“ in den 2000ern – vertreten durch Autorinnen wie Margarete Stokowski oder die Herausgeberin des Missy Magazine – begann der Stern der „Emma“ zu sinken. Der Vorwurf: Der alte Feminismus sei zu eng, zu weiß, zu heteronormativ und zu sehr auf die Erfahrungen einer bürgerlichen Mittelschicht ausgerichtet. Die neuen Bewegungen, ob #MeToo, die Frauenmärsche oder die queer-feministische Szene, forderten eine radikale Öffnung – und die „Emma“ verweigerte sich dieser Öffnung teilweise.
Die jüngste Debatte um die Transrechte, in der sich Schwarzer mit ihrer Zeitschrift gegen die Selbstbestimmung von trans Personen stellte, verschärfte den Graben weiter. Junge Feministinnen und Feministinnen of Color bezeichneten das Blatt zunehmend als „außen vor“. Die Abonnentenzahlen – einst eine treue Stütze – sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Hinzu kommt die allgemeine Krise der Printmedien: Werbeflächen brechen weg, die jüngere Generation liest News online, häufig auf Instagram oder TikTok. Versuche, die „Emma“ digital neu zu erfinden, etwa mit einem Blog oder einem Podcast, kamen zu spät und blieben hinter den Erwartungen zurück.
**Analise**
Der Niedergang der „Emma“ ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern ein Symptom eines tiefgreifenden kulturellen Wandels. Der alte Feminismus – so erfolgreich er in seinen Anfängen war – kämpft mit dem Vorwurf des Exklusivismus. Während sich die jungen Aktivistinnen auf die Vernetzung und Sichtbarkeit aller Geschlechteridentitäten konzentrieren, hält die „Emma“ an einer binären, biologisch argumentierenden Definition von „Frau“ fest. Diese Positionierung, die einst als radikal galt, wirkt heute rückwärtsgewandt. Die neue Generation will keinen Mutter-Kind-Platz im Bundestag, sondern eine grundlegende Auflösung von Rollenbildern. Die „Ermattung“ des alten Feminismus beschreibt daher den Verlust an Relevanz in einer fragmentierten und ausdifferenzierten Bewegung.
Gleichzeitig ist das mögliche Ende der „Emma“ auch ein Verlust für die mediale Vielfalt. Das Magazin hat über Jahrzehnte hinweg wichtige gesellschaftliche Debatten angestoßen, von der Pornografiedebatte bis hin zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die neue feministische Szene ist zwar digital stark, aber zersplittert. Kein einzelnes Medium erreicht die Breitenwirkung, die die „Emma“ in ihrer Hochzeit hatte. Die Frage ist, ob die neuen Stimmen in der Lage sein werden, eine ähnlich nachhaltige öffentliche Arena zu schaffen. Vorerst bleibt eine Lücke: das Fehlen einer konsistenten feministischen Printstimme, die über die Tagesaktualität hinausreicht.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Berichten und Analysen deutscher Medien, darunter der „Spiegel“, die „Zeit“ und die „taz“, die den Wandel im deutschen Feminismus und die sinkende Bedeutung der „Emma“ wiederholt thematisiert haben. Zudem werden Aussagen und Positionen von Alice Schwarzer selbst sowie von feministischen Autorinnen wie Margarete Stokowski und Kübra Gümüşay aus öffentlichen Interviews und Debattenbeiträgen herangezogen. Auflagenzahlen wurden nicht genannt, da keine aktuellen verifizierten Zahlen vorliegen; die Tendenz ist jedoch allgemein bekannt.
Por Renan Filho · 2026-10-21