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Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder ist am Montag bei einem hochrangigen Wirtschaftsforum in Peking in der ersten Reihe neben chinesischen Spitzenpolitikern und Wirtschaftsführern gesichtet worden. Der Auftritt des 81-jährigen SPD-Politikers, der von 1998 bis 2005 regierte, erregte Aufsehen, weil er einmal mehr seine enge Verbindung zur Führung in Beijing demonstrierte. Schröder, der nach seinem Ausscheiden aus dem Amt zahlreiche Berater- und Lobbytätigkeiten für russische und chinesische Unternehmen übernommen hat, war sichtlich entspannt und wurde von mehreren Teilnehmern begrüßt. Die Veranstaltung, die unter dem Motto „Deutschland und China – Partner für die Zukunft“ stand, fokussierte auf Handelsbeziehungen und Technologietransfer.
**Contexto**
Schröders Beziehung zu China ist nicht neu. Bereits während seiner Kanzlerschaft setzte er sich für eine vertiefte wirtschaftliche Zusammenarbeit ein und war maßgeblich an der Aufnahme von Verhandlungen über eine strategische Partnerschaft beteiligt. Nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik baute er seine Kontakte weiter aus: Er beriet den russischen Energiekonzern Gazprom – was ihm nach dem russischen Überfall auf die Ukraine heftige Kritik einbrachte – und agierte inoffiziell als Mittler zwischen deutschen und chinesischen Wirtschaftskreisen. Schröder selbst hat stets betont, dass Dialog und Austausch auch mit autoritären Regimen notwendig seien, um deutsche Interessen zu wahren.
Der Besuch in Peking findet vor dem Hintergrund einer angespannten globalen Handelslage statt. Die Europäische Union diskutiert über neue Zölle auf chinesische Elektroautos, während Peking versucht, durch separate Abkommen mit EU-Mitgliedstaaten Einfluss zu nehmen. Deutschland, dessen Exportwirtschaft stark von China abhängt – vor allem die Automobil- und Maschinenbaubranche –, steckt in einem Dilemma zwischen Sicherheitsbedenken und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Schröders Präsenz in der ersten Reihe wird von Beobachtern als Zeichen gewertet, dass China weiterhin auf persönliche Netzwerke setzt, um seine Position zu stärken.
Offizielle Stellen in Berlin haben sich bisher nicht zu Schröders Reise geäußert. Allerdings ist bekannt, dass die Bundesregierung unter Olaf Scholz (ebenfalls SPD) eine diversifiziertere China-Strategie verfolgt, die „De-Risking“ und weniger Abhängigkeit vorsieht. Schröders unverhohlene Nähe zu Peking konterkariert dieses Ziel jedoch. Der frühere Kanzler gilt in Teilen der deutschen Politik inzwischen als Persona non grata, da er sich weigerte, seine Verbindungen zu Russland zu kappen, und auch im Fall China keinerlei Distanz erkennen lässt.
**Analise**
Der Auftritt in Peking ist mehr als ein bloßes Beisammensein. Er symbolisiert die anhaltende Schizophrenie der deutschen Außenwirtschaftspolitik: Einerseits betont die Regierung Werte und Menschenrechte, andererseits duldet sie, dass ehemalige Spitzenpolitiker ungestört als Türöffner für chinesische Interessen auftreten. Schröder vertritt zwar keine offizielle deutsche Position, aber sein Status als Ex-Kanzler verleiht ihm eine Aura der Legitimität, die China geschickt nutzt. Die ersten Reihen bei solchen Foren sind meist für die wichtigsten Gäste reserviert – dass Schröder dort Platz nehmen durfte, deutet auf hohe Wertschätzung der chinesischen Gastgeber hin.
Dies könnte auch ein bewusstes Signal an Berlin sein: China zeigt, dass es bereit ist, mit jedem zu verhandeln – auch mit Personen, die von der aktuellen Regierung gemieden werden. Für Deutschland bedeutet dies eine diplomatische Zerreißprobe. Einige Wirtschaftsverbände begrüßen Schröders Engagement, weil es Türen öffne; andere sehen darin eine Unterminierung der offiziellen Linie. Langfristig könnte die Rolle ehemaliger Politiker als inoffizielle Botschafter die Glaubwürdigkeit der deutschen Außenpolitik schwächen, da die Grenzen zwischen privater Lobbyarbeit und öffentlichem Interesse verschwimmen.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Berichten über Schröders Reisetätigkeit und Teilnahme an Chinakonferenzen, unter anderem aus dem Spiegel, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie dpa-Meldungen. Zudem wurden Hintergrundgespräche mit Experten für deutsch-chinesische Beziehungen ausgewertet, die unter den Bedingungen der Anonymität stattfanden. Die genauen Teilnehmerlisten des Forums konnten nicht unabhängig verifiziert werden, jedoch bestätigen mehrere Medienberichte die Anwesenheit Schröders in der ersten Reihe.
Por Renan Filho · 2026-10-25