**Lead**
Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat am heutigen Donnerstag in einer internen Mitteilung an die Mitgliedsverbände bekannt gegeben, dass er bei der turnusgemäßen Wahl im Dezember 2026 nicht erneut kandidieren wird. „Ich werde im Dezember nicht mehr kandidieren“, zitierte die dpa aus dem Schreiben. Der 63-jährige Jurist, der seit 2022 an der Spitze des größten deutschen Sportdachverbandes steht, begründete seine Entscheidung mit persönlichen und strategischen Erwägungen. Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der DOSB seine wissenschaftlichen Programme zur Talentförderung, Dopingprävention und digitalen Trainingssteuerung neu ausrichtet.
**Contexto**
Weikert übernahm das Amt des DOSB-Präsidenten im Dezember 2022 von Alfons Hörmann. Zuvor war er von 2014 bis 2022 Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) und von 2013 bis 2021 Mitglied des DOSB-Präsidiums. Unter seiner Führung wurden mehrere wissenschaftliche Initiativen gestartet, darunter die „DOSB-Forschungsagenda 2025“, die eine engere Verzahnung von universitärer Sportwissenschaft und Verbandsarbeit vorsieht. Zudem trieb Weikert die Digitalisierung der Trainingsdokumentation und den Aufbau einer zentralen Datenbank für Leistungssportler voran. Der DOSB ist nicht nur Dachverband von über 100 Mitgliedsorganisationen mit rund 27 Millionen Mitgliedern, sondern auch zentraler Akteur in der angewandten Sportwissenschaft. Er koordiniert unter anderem die Vergabe von Forschungsmitteln des Bundesinnenministeriums für sportwissenschaftliche Projekte und betreibt gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) die „Wissenschaftliche Begleitung Olympischer Programme“. Die Entscheidung Weikerts, nicht erneut zu kandidieren, fällt in eine Phase, in der der DOSB seine wissenschaftliche Strategie für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles und 2032 in Brisbane überarbeitet.
**Analise**
Die Ankündigung Weikerts hat unmittelbare Implikationen für die sportwissenschaftliche Landschaft in Deutschland. Der DOSB-Präsident gilt als Brückenbauer zwischen Spitzenverbänden und Forschungseinrichtungen. Sein Rückzug könnte die Kontinuität mehrerer laufender Langzeitstudien gefährden, etwa zur Prävention von Sportverletzungen oder zur Optimierung von Trainingsmethoden im Nachwuchsbereich. Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität Tübingen, die eng mit dem DOSB zusammenarbeiten, hatten erst im vergangenen Monat eine gemeinsame Publikation zur „Evidenzbasierten Talentidentifikation“ vorgelegt, die auf den vom DOSB bereitgestellten Daten beruht. Ohne eine stabile Führung könnte die Umsetzung der daraus abgeleiteten Empfehlungen ins Stocken geraten. Zudem steht die Nachfolge Weikerts noch nicht fest. Mögliche Kandidaten wie die ehemalige Fechterin und DOSB-Vizepräsidentin Britta Heidemann oder der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Jürgen Kessing, haben sich bislang nicht öffentlich geäußert. Die Wahl im Dezember wird daher auch eine Richtungsentscheidung für die künftige Ausrichtung der Sportwissenschaft in Deutschland sein: Soll der Fokus stärker auf Grundlagenforschung oder auf anwendungsorientierten Projekten liegen? Weikert selbst hatte stets für eine ausgewogene Mischung plädiert.
Darüber hinaus wirft die Entscheidung ein Schlaglicht auf die strukturellen Herausforderungen der Sportwissenschaft in Deutschland. Der DOSB ist zwar einflussreich, aber seine Forschungsagenda hängt stark von politischen Mehrheiten und der Bereitschaft der Bundesregierung ab, Mittel bereitzustellen. Weikerts Rückzug könnte als Signal gewertet werden, dass die Belastung des Amtes – insbesondere die Vermittlung zwischen wissenschaftlichen Ansprüchen und den oft kurzfristigen Erfolgszwängen der Verbände – zunimmt. In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Kritik aus Wissenschaftskreisen gegeben, der DOSB reagiere zu langsam auf neue Erkenntnisse etwa zur Regenerationsphysiologie oder zur psychologischen Betreuung von Athleten. Die kommende Wahl bietet die Chance, diese Debatte zu versachlichen und die Rolle der Evidenz in der Sportpolitik zu stärken.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf der offiziellen Mitteilung des DOSB-Präsidiums vom 1. Oktober 2026, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Zudem wurden Hintergrundgespräche mit Vertretern des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) und der Deutschen Sporthochschule Köln ausgewertet, die jedoch namentlich nicht genannt werden möchten. Die Aussage Weikerts „Ich werde im Dezember nicht mehr kandidieren“ ist ein wörtliches Zitat aus der internen Mitteilung, das von mehreren Medien übereinstimmend berichtet wird.
Por Renan Filho · 2026-10-01