Donald Trump hat die Zölle auf chinesische Importe erneut erhöht – auf bis zu 25 Prozent für Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar. Peking reagierte umgehend mit eigenen Strafzöllen auf US-Agrarprodukte und drohte mit Exportkontrollen bei seltenen Erden. Doch die Behauptung, China könne diese Barrieren einfach durch Zollbetrug umgehen, hält einer Überprüfung nicht stand.
In sozialen Medien kursiert die These, chinesische Exporteure würden Waren über Drittländer wie Vietnam oder Mexiko umleiten, um die US-Zölle zu umgehen. Laut einem Beitrag des Ökonomen Peter Navarro auf X – dem ehemaligen Handelsberater Trumps – sei dieses Schlupfloch „weit verbreitet“. Die Realität sieht anders aus: Die US-Zollbehörde CBP hat die Ursprungsregeln verschärft und führt seit Januar 2026 verstärkt Dokumentenprüfungen durch.
Der chinesische Zoll veröffentlichte im August eine interne Mitteilung, wonach die Fälschung von Ursprungszeugnissen mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann. Gleichzeitig drohen US-Sequestrierungen von Waren, die nicht nachweislich aus dem deklarierten Land stammen. Deutsche Importeure berichten von Lieferverzögerungen von bis zu drei Wochen, weil Container aus Südostasien nun doppelt geprüft werden.
Warum das wichtig ist: Deutschland ist der drittgrößte Handelspartner Chinas und zugleich ein wichtiger Lieferant von Maschinen für die chinesische Industrie. Sollte die Volksrepublik versuchen, die US-Zölle systematisch zu umgehen, würde dies nicht nur die transatlantischen Beziehungen belasten, sondern auch die deutsche Exportwirtschaft treffen. Der Bayerische Industrieverband warnte in einer Stellungnahme vor „massiven Wettbewerbsverzerrungen“.
Die Analyse des FORTIS NEWS zeigt: Zollbetrug ist ein riskantes Spiel mit hohen Kosten. Die chinesischen Exporteure müssten ihre gesamten Lieferketten neu organisieren – von der Beschaffung der Rohstoffe bis zur Endmontage. Der Hongkonger Hang-Seng-Index, der stark von chinesischen Tech-Aktien abhängt, verlor allein im September 2026 rund 500 Punkte, ein Minus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Ursache: die anhaltende Immobilienkrise auf dem Festland und die schwache Konsumnachfrage, die jede zusätzliche Kostenbelastung unerträglich macht.
Ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums erklärte in einer Pressekonferenz, man werde alle „illegalen und unfaireren Handelspraktiken“ bekämpfen – ein indirektes Eingeständnis, dass ein Teil der Exporteure tatsächlich Tricks versucht. Doch die Kontrollen der US-Behörden sind schärfer denn je: Seit Mai 2026 setzt die CBP künstliche Intelligenz ein, um Unregelmäßigkeiten in den Frachtpapieren zu erkennen. Die Trefferquote liegt laut einem Bericht der Financial Times bei über 80 Prozent.
Der Gegenpunkt, den Liberale nicht ignorieren dürfen: Trumps Zollpolitik ist selbst ein Eingriff in den freien Markt und schadet den US-Verbrauchern. Die Kosten werden an die Importeure weitergegeben, die sie an die Endkunden überwälzen. Eine Studie des Peterson Institute for International Economics beziffert die jährliche Belastung für einen durchschnittlichen US-Haushalt auf 1.200 Dollar. Doch das Argument, China könne diese Zölle einfach durch Betrug unterlaufen, ist falsch. Die Transparenz der globalen Lieferketten und die digitale Überwachung machen systematischen Betrug nahezu unmöglich.
Für deutsche Unternehmen bedeutet dies: Die Abhängigkeit von China als Produktionsstandort wird teurer. Viele Firmen – darunter Volkswagen und Siemens – haben bereits angekündigt, ihre Lieferketten zu diversifizieren. In einer Veröffentlichung auf LinkedIn schrieb der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, dass „die Ära des bedingungslosen China-Handels vorbei ist“. Die Konsequenz: Höhere Kosten für deutsche Verbraucher, aber auch langfristig stabilere Lieferbeziehungen mit Partnern in Osteuropa und Südostasien.
Die Realität ist: Zollbetrug ist nicht einfach, weil das Risiko der Entdeckung und die Strafen hoch sind. China steckt in einer strukturellen Krise – fallende Immobilienpreise, schwacher Konsum, hohe Staatsverschuldung. In diesem Umfeld kann sich kein Unternehmen eine Konfrontation mit den US-Behörden leisten. Der Druck auf Peking wächst, denn selbst die eigenen Exporteure fordern mehr Rechtssicherheit. Die Handelskonflikte werden also nicht durch Betrug gelöst, sondern durch Verhandlungen oder Anpassung der Produktion – und das dauert Jahre.
Por Renan Filho · 2026-09-19