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Forscher Logan Wright: Chinas Technologiepolitik erinnert an die Sowjetunion

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-09

Ein renommierter China-Experte zieht Parallelen zwischen der aktuellen Technologiestrategie Pekings und der sowjetischen Planwirtschaft. Die Warnung kommt zu einer Zeit, in der die globale Sicherheitsarchitektur durch Abhängigkeiten von chinesischer Technologie neu bewertet wird.

**Lead**

Der China-Forscher Logan Wright hat in einem aktuellen Beitrag die Technologiepolitik der Volksrepublik mit der der Sowjetunion verglichen. „Chinas Technologiepolitik erinnert an die Sowjetunion“, zitierte das renommierte Fachmagazin *The China Analysis* den Wissenschaftler. Wright, der am Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington forscht, hebt damit eine Entwicklung hervor, die Sicherheitsexperten weltweit aufhorchen lässt: Die zunehmende Autarkiebestrebung Pekings in Schlüsseltechnologien wie Halbleitern, Künstlicher Intelligenz und Quantencomputing. Der Vergleich ist nicht nur eine historische Reminiszenz, sondern wirft die Frage auf, ob Chinas Weg in eine technologische Isolation führt – mit weitreichenden Folgen für die globale Sicherheitsordnung.

**Kontext**

China hat in den vergangenen Jahren massiv in den Aufbau eigener Technologiekapazitäten investiert. Unter dem Schlagwort „Made in China 2025“ und später der „dual-circulation“-Strategie versucht Peking, sich von ausländischen Lieferketten unabhängig zu machen. Insbesondere die US-Exportkontrollen für Hochleistungschips und Halbleiterfertigungsanlagen haben den Druck auf Beijing erhöht, eigene Lösungen zu entwickeln. Die chinesische Regierung hat daher Milliarden in staatlich gesteuerte Halbleiterfonds und in die Forschung zu alternativen Chiparchitekturen gesteckt. Gleichzeitig fördert sie mit massiven Subventionen Unternehmen wie Huawei, SMIC und eine Vielzahl von KI-Start-ups.

Die Parallele zur Sowjetunion liegt laut Experten in der zentralistischen Steuerung. Die UdSSR setzte in den 1950er bis 1980er Jahren auf eine strikt staatlich gelenkte Technologieentwicklung, abgeschottet von westlichen Märkten. Dies führte zwar zu einigen Spitzenleistungen – etwa in der Raumfahrt oder im Militärbereich –, aber insgesamt zu einer mangelnden Innovationsdynamik und ineffizienten Ressourcenverteilung. Logan Wright argumentiert, dass China heute ähnliche Muster zeige: Die Partei kontrolliere die Prioritäten, fördere bestimmte Sektoren politisch und schotte den heimischen Markt durch Zölle und regulatorische Barrieren ab. Zudem werde der Technologietransfer aus dem Ausland zunehmend erschwert – teils durch westliche Sanktionen, teils durch Pekings eigene Sicherheitsbedenken.

**Analyse**

Warum ist dieser Vergleich für die Sicherheitspolitik relevant? Sollte Chinas Strategie tatsächlich in eine sowjetähnliche technologische Autarkie münden, würde dies die globale Machtbalance verschieben. Ein isoliertes, aber technologisch hochgerüstetes China könnte einerseits neue Abhängigkeiten in der westlichen Welt schaffen – etwa durch seine Dominanz bei seltenen Erden, Batterietechnologie oder Solarmodulen. Andererseits droht eine Fragmentierung der globalen Innovationsökosysteme. Statt offener Standards und internationaler Zusammenarbeit würden parallele Technologieblöcke entstehen, ähnlich der Teilung während des Kalten Krieges. Für die NATO und die EU bedeutet dies, dass sie ihre Lieferketten überdenken und eigene Schlüsseltechnologien schneller entwickeln müssen, um nicht von Pekings Entscheidungen abhängig zu werden.

Gleichzeitig weisen andere Analysten darauf hin, dass der Vergleich mit der Sowjetunion nur begrenzt trägt. China hat eine deutlich leistungsfähigere Wirtschaft, eine hoch motivierte private Tech-Szene und eine enorme Zahl an Patentanmeldungen. Die chinesische Führung hat aus den Fehlern der UdSSR gelernt und versucht, eine Balance zwischen staatlicher Lenkung und marktwirtschaftlicher Dynamik zu finden. So erlaubt Peking etwa erfolgreichen Privatunternehmen wie Tencent oder BYD große Freiheiten, solange sie sich politisch loyal verhalten. Dennoch bleibt der Grundtenor der Wright’schen Analyse alarmierend: Die zunehmende Militarisierung von Technologie – von Kryptographie über Drohnen bis hin zu Satelliten – macht Chinas Technologiepolitik zu einer zentralen Sicherheitsfrage des 21. Jahrhunderts.

**Quellen**

- *The China Analysis*: Sonderausgabe zu Chinas Technologieautonomie, darin zitiert: Logan Wright, Center for Strategic and International Studies (CSIS), Washington D.C. - Öffentliche Stellungnahmen des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie zur Halbleiterstrategie (2025) - Berichte des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) zu chinesischen Investitionen in militärisch nutzbare Technologien - Analysen des European Centre for International Political Economy (ECIPE) zu Technologieblöcken und Dekopplung

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.