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Bürgerbewegungen: Wie man Babiš beikommen kann – Eine Meinung für Deutschland

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-14

Die Erfolgsgeschichte von Andrej Babiš in Tschechien wirft Fragen auf: Können deutsche Bürgerbewegungen von seinem Modell lernen? Eine Analyse der Mechanismen, die Populisten nützen, und der Gegenstrategien, die in Deutschland greifen könnten.

**Lead**

In Tschechien hat Andrej Babiš mit seiner Bewegung ANO (Akce nespokojených občanů – Aktion unzufriedener Bürger) die politische Landschaft nachhaltig verändert. Der Milliardär und ehemalige Ministerpräsident verstand es, Unzufriedenheit in Wählerstimmen umzumünzen, ohne sich in traditionelle Parteistrukturen einordnen zu lassen. In Deutschland beobachten politische Analysten mit wachsendem Interesse, wie ähnliche Muster bei Bewegungen wie dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) oder den Freien Wählern auftauchen. Die Kernfrage lautet: Wie kann man Babiš beikommen – und was bedeutet das für deutsche Bürgerbewegungen, die sich gegen etablierte Parteien positionieren?

**Contexto**

Andrej Babiš gründete ANO 2011 als Protestbewegung gegen Korruption und politische Seilschaften. Sein Stil – pragmatisch, unternehmerisch, oft polarisierend – sprach Wähler an, die sich von den etablierten Parteien nicht vertreten fühlten. Babiš führte ANO 2017 zum Wahlsieg und regierte bis 2021, trotz wiederholter Vorwürfe wegen Interessenkonflikten und EU-Subventionsbetrugs. Sein Erfolg basierte auf einer Mischung aus charismatischer Führung, gezielter Nutzung sozialer Medien und einer simplen Botschaft: „Wir gegen die da oben“.

In Deutschland haben ähnliche Strömungen in den letzten Jahren an Boden gewonnen. Die AfD profitierte von der Flüchtlingskrise 2015/16, das BSW spaltet die Linke mit migrationskritischen und sozialpopulistischen Tönen, und die Freien Wähler etablieren sich in mehreren Landtagen als Alternative zur Union. Gemeinsam ist diesen Bewegungen, dass sie sich als „Stimme des Volkes“ inszenieren und gleichzeitig eine klare Führungsfigur in den Mittelpunkt stellen – sei es Sahra Wagenknecht, Hubert Aiwanger oder bei der AfD die jeweiligen Spitzenkandidaten.

Doch Babiš‘ Modell hat auch Schwächen. Seine Abhängigkeit von der Person des Gründers macht ANO anfällig für interne Machtkämpfe. Nach seinem Rückzug als Parteichef verlor die Bewegung an Dynamik. Zudem zeigte sich, dass reine Anti-Establishment-Rhetorik auf Dauer nicht ausreicht, um langfristig zu regieren. In Deutschland zeigt das Beispiel der AfD, die trotz hoher Umfragewerte in Umfragen nie an der Regierung beteiligt war, zeigt, dass eine dauerhafte Etablierung schwierig ist.

**Analise**

Warum ist die Frage „Wie man Babiš beikommen kann“ für Deutschland relevant? Weil sie zwei Strategien umfasst: erstens, wie man die Attraktivität solcher Bewegungen für Wähler verstehen, und zweitens, wie man ihnen politisch entgegentreten kann. In Tschechien versuchten die etablierten Parteien, Babiš mit juristischen Verfahren und medialer Gegenöffentlichkeit zu bekämpfen – mit mäßigem Erfolg. In Deutschland könnte ein Mix aus inhaltlicher Auseinandersetzung statt persönlicher Angriffen und gleichzeitiger Angeboten für die Anliegen der Unzufriedenen wirksamer sein.

Für deutsche Bürgerbewegungen, die sich gegen Babiš‘ Methoden wehren wollen, heißt das: Sie müssen die emotionale Bindung zu den Wählern ernst nehmen. Statt nur auf Skandale zu fokussieren, sollten sie die strukturelle Ursachen der Unzufriedenheit adressieren – etwa Wohnungsnot, Bürokratie oder mangelnde soziale Aufstiegschancen. Gleichzeitig müssen sie die demokratischen Institutionen stärken, etwa durch transparentere Parteifinanzierung oder mehr Bürgerbeteiligung.

Andererseits können deutsche Bewegungen, die selbst nach Babiš‘ Rezept handeln, aus seinen Fehlern lernen: Eine zu starke Personalisierung riskiert, dass die Bewegung mit der Person fällt. Eine zu radikale Anti-Haltung ohne konstruktive Vorschläge kann Wähler abschrecken, die eigentlich nach Lösungen suchen. Das BSW etwa versucht, mit konkreten sozialpolitischen Forderungen zu punkten, während die AfD oft nur Protest bleibt.

**Fontes**

Die Analyse stützt sich auf Berichterstattung über Andrej Babiš und ANO in internationalen Medien wie der Deutschen Welle, dem Spiegel und der tschechischen Presse (z. B. Hospodářské noviny). Politische Wissenschaftler wie der Politologe Jiří Pehe (Prag) haben die Mechanismen des Babiš-Populismus beschrieben. Für Deutschland wurden vergleichende Studien des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP) sowie Wahlanalysen der Forschungsgruppe Wahlen herangezogen. Die genannten Zahlen und Zitate sind nicht wörtlich übernommen, sondern spiegeln allgemein bekannte Tendenzen wider.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.