FORTIS
← FORTIS
Opiniao

BSW und AfD: Wagenknechts tiefer Fall – Annäherung auf Kosten der Glaubwürdigkeit

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-02

Sahra Wagenknecht, einst Hoffnungsträgerin der Linken, nähert sich mit ihrem Bündnis immer weiter der AfD an. Beobachter sehen darin einen historischen Tiefpunkt ihrer politischen Karriere. Eine Analyse.

**Lead**

Sahra Wagenknecht, Gründerin des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), steht in der deutschen politischen Landschaft zunehmend unter Beschuss. Kritiker werfen ihr vor, mit ihrer inhaltlichen Annäherung an die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) die eigenen linken Wurzeln verraten zu haben. Wagenknecht, die einst für soziale Gerechtigkeit und Frieden eintrat, gilt inzwischen vielen als Wegbereiterin für Positionen, die bislang außerhalb des demokratischen Konsenses standen. Ihr tiefer Fall ist nicht nur persönlich, sondern auch ein Symptom für die Verschiebung der politischen Mitte nach rechts.

**Kontext**

Die Politikerin, die lange als intellektuelles Schwergewicht der Linken galt, verließ 2023 ihre langjährige Partei Die Linke und gründete das BSW. Ihr Ziel: eine neue linke, aber migrations- und EU-kritische Kraft. Doch schnell zeigte sich, dass die inhaltlichen Schnittmengen mit der AfD größer waren als mit der eigenen früheren Partei. Besonders in den Bereichen Migration, Ukraine-Krieg und Corona-Maßnahmen bezog Wagenknecht Positionen, die sich kaum noch von denen der AfD unterschieden. Bei Landtagswahlen in Ostdeutschland 2024 und 2025 wurde das BSW zur dritten Kraft, während Die Linke einbrach. Dabei stimmte das BSW mehrfach mit der AfD gegen Anträge der demokratischen Parteien.

Die Annäherung geschah nicht im Verborgenen. Auf öffentlichen Podien und in Interviews lobte Wagenknecht wiederholt die „sachliche Arbeit“ der AfD in kommunalen Gremien und weigerte sich, eine klare Brandmauer zu fordern. Gleichzeitig distanzierte sie sich immer schärfer von den Grünen und der SPD. Für viele Wähler, die früher die Linke wählten, ist dieser Kurs ein Schlag ins Gesicht. „Wagenknecht hat sich von einer sozialistischen Ikonin zur Hofnärrin der Rechten entwickelt“, kommentierte ein Politikwissenschaftler der Universität Leipzig, der nicht namentlich genannt werden möchte, gegenüber der Presse.

**Analyse**

Die Frage, warum Wagenknecht diesen Weg gegangen ist, lässt sich nicht mit einfachen Antworten erklären. Sicherlich spielt die persönliche Enttäuschung über die eigene Partei eine Rolle. Doch der Preis ist hoch: Ihre Glaubwürdigkeit als linke Stimme ist dahin. Wo sie früher für die Sanktionierung von Kapitalismus und Militarismus stand, rechtfertigt sie heute unter dem Deckmantel des „Friedens“ eine Politik, die faktisch mit der der AfD übereinstimmt. Das ist kein taktischer Schachzug mehr – es ist eine inhaltliche Kapitulation.

Die gesellschaftlichen Folgen sind gravierend. Indem Wagenknecht die AfD als legitimen Partner behandelt, trägt sie zur Normalisierung rechtspopulistischer Positionen bei. Jugendliche, die in sozialen Netzwerken ihre Reden sehen, könnten den Eindruck gewinnen, dass die AfD zur Mitte gehöre. Das zerstört die Brandmauer, die viele Demokraten in Deutschland mühsam aufgebaut haben. Zudem spaltet das BSW die linke Wählerschaft: Statt eines starken sozialen Gegenpols zu Konservativen und Rechtspopulisten entsteht ein zersplittertes Lager, das sich gegenseitig bekämpft.

Aus strategischer Sicht ist der Kurs riskant. Wagenknecht mag kurzfristig Wähler von der AfD zurückgewinnen, aber sie verliert langfristig ihr eigenes Profil. Wenn der Unterschied zwischen BSW und AfD nur noch Nuancen beträgt, warum sollten Wähler dann nicht gleich das Original wählen? Schon jetzt zeigen Umfragen, dass das BSW in Westdeutschland kaum Fuß fasst. Der Höhenflug in Ostdeutschland könnte sich als Strohfeuer erweisen, sobald die Wähler die Beliebigkeit der Positionen erkennen.

**Fontes**

Die vorstehende Analyse basiert auf öffentlich zugänglichen Reden von Sahra Wagenknecht, Interviews in den Sendern Phoenix und n-tv, sowie Berichterstattung des Spiegel, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der taz über politische Abstimmungen in den Landtagen von Thüringen, Sachsen und Brandenburg im Zeitraum 2024–2026. Zudem wurden Aussagen von Politikwissenschaftlern und Journalisten berücksichtigt, die in den genannten Medien zitiert wurden.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.