**Lead**
Dem Weltnaturabkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt droht ein finanzielles Desaster. Das im Dezember 2022 von knapp 200 Staaten verabschiedete Kunming-Montreal-Abkommen sieht ambitionierte Ziele vor, darunter den Schutz von 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2030. Doch die Umsetzung stockt, weil die versprochenen Finanzmittel aus den Industrieländern nur schleppend fließen. Ohne eine deutliche Aufstockung der Gelder könnte das historische Abkommen scheitern – mit dramatischen Folgen für die globale Biodiversität, auch für Deutschland.
**Contexto**
Der Globale Rahmen für Biodiversität (Global Biodiversity Framework) wurde nach jahrelangen Verhandlungen auf der UN-Artenschutzkonferenz COP15 in Montreal beschlossen. Kern des Pakets sind 23 konkrete Ziele, die bis 2030 erreicht werden sollen. Dazu gehören die Reduzierung von Pestiziden, die Renaturierung geschädigter Ökosysteme und die Eindämmung invasiver Arten. Besonders wichtig ist das sogenannte 30x30-Ziel: 30 Prozent der globalen Land- und Meeresflächen sollen unter Schutz gestellt werden.
Um diese Ziele zu finanzieren, hatten die reicheren Nationen zugesagt, bis 2025 jährlich 20 Milliarden US-Dollar an Entwicklungsländer zu überweisen – ein Betrag, der bis 2030 auf 30 Milliarden Dollar steigen soll. Ein neuer Fonds, der Global Biodiversity Framework Fund (GBFF), wurde eingerichtet, um die Zahlungen zu bündeln. Doch die Realität sieht anders aus: Bislang haben nur wenige Staaten nennenswerte Beiträge geleistet. Die Bundesregierung hat zwar zusätzliche Mittel angekündigt, doch die Gesamtsumme bleibt weit hinter den Erwartungen zurück.
In Deutschland selbst ist die Lage ebenfalls angespannt. Das nationale Aktionsprogramm „Natürlich Deutschland“ zur Umsetzung des Abkommens leidet unter budgetären Zwängen. Die Haushaltsverhandlungen der Ampelkoalition haben zu Kürzungen im Bereich des Naturschutzes geführt. Umweltverbände kritisieren, dass die deutsche Politik zwar international große Versprechungen mache, aber national nicht ausreichend nachsteuere. Die Finanzierungslücke gefährde nicht nur die globalen Ziele, sondern auch die heimische Artenvielfalt.
**Analise**
Der drohende Zahlungsausfall hat weitreichende Konsequenzen. Ohne ausreichende Finanzierung können viele Entwicklungsländer die vereinbarten Schutzmaßnahmen nicht umsetzen. Sie sind auf externe Hilfe angewiesen, um Nationalparks einzurichten, nachhaltige Landwirtschaft zu fördern oder invasive Arten zu bekämpfen. Wenn die Gelder ausbleiben, droht ein Vertrauensverlust in die internationale Zusammenarbeit – ein Rückschlag für die multilaterale Umweltpolitik.
Für Deutschland ist die Lage besonders prekär. Als eines der größten Geberländer und Sitz vieler internationaler Umweltorganisationen trägt Berlin eine besondere Verantwortung. Die Glaubwürdigkeit der deutschen Klima- und Umweltdiplomatie steht auf dem Spiel. Zudem ist die heimische Biodiversität in einem kritischen Zustand: Über 30 Prozent der Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind gefährdet. Die Umsetzung des Abkommens könnte helfen, den Trend umzukehren – doch ohne Geld bleiben die Maßnahmen Stückwerk.
Experten warnen vor einem Teufelskreis: Wenn die Finanzierung nicht gesichert wird, verzögern sich Schutzprojekte, die Biodiversität erodiert weiter, und die Kosten für spätere Renaturierungen steigen exponentiell. Die Politik müsse jetzt handeln, notfalls durch eine Neuausrichtung der Haushalte. Der Druck auf die Bundesregierung wächst, ihre Zusagen einzuhalten und mehr Mittel für den GBFF bereitzustellen. Die nächste UN-Artenschutzkonferenz COP16 im Herbst 2024 in der Türkei wird zeigen, ob die internationale Gemeinschaft bereit ist, das Abkommen zu retten.
**Fontes**
Die Informationen basieren auf offiziellen Dokumenten der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD), Berichten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) sowie Analysen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Weiterführende Recherchen wurden beim World Wildlife Fund (WWF) Deutschland und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) eingesehen.
Por Renan Filho · 2026-10-18