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Cultura

Angst vor dem Wort: Warum Elif Eralp einen bestimmten Namen nicht ausspricht

Renan Filho Por Renan Filho · 2026-10-29

Die Journalistin und Autorin Elif Eralp thematisiert in ihren jüngsten Beiträgen ein Tabu: Die Angst davor, den Namen der Hamas in bestimmten Kontexten zu nennen. Ein kulturelles Phänomen, das tief in der deutschen Debatte um Nahost und Meinungsfreiheit wurzelt.

**Lead**

Die Journalistin und Autorin Elif Eralp, bekannt für ihre kritischen Essays zu Integration, Islam und Identitätspolitik, hat in den vergangenen Wochen ein kulturelles Phänomen in den Mittelpunkt gerückt: die Furcht, in der deutschen Öffentlichkeit den Namen der Hamas auszusprechen – oder besser gesagt, die Furcht davor, die Organisation beim Namen zu nennen, ohne die ritualisierten Distanzierungsformeln zu wiederholen. In einer Zeit, in der der Nahostkonflikt auch in Deutschland zu hitzigen Debatten führt, beobachtet Eralp eine sprachliche Lähmung, die sie als Ausdruck einer veränderten Diskurskultur beschreibt. Der Name, den Elif Eralp selbst nicht nennen will, ist nicht etwa ein Unwort, sondern vielmehr ein Begriff, der in bestimmten Milieus fast schon automatisch mit Angst belegt ist – als könne schon die bloße Erwähnung einer falschen Loyalität verdächtigt werden.

**Contexto**

Elif Eralp, geboren 1976 in Köln, hat sich als unabhängige Stimme in der deutschen Medienlandschaft etabliert. Sie schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und ist Autorin mehrerer Bücher, darunter „Die neue Wut“ und „Macho“, in denen sie patriarchalische Strukturen und religiösen Extremismus analysiert. In ihren jüngsten öffentlichen Äußerungen, unter anderem in einem vielbeachteten Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung, sprach sie von einem „schleichenden Druck“, der dazu führe, dass selbst die Nennung der Hamas als terroristische Organisation von manchen Akteuren als politisch brisant empfunden werde.

Diese Angst ist nicht neu, aber sie hat sich seit dem 7. Oktober 2023, dem Tag des Hamas-Überfalls auf Israel, verstärkt. In Deutschland leben rund 5,5 Millionen Menschen mit muslimischem Hintergrund, und die Hamas-Propaganda findet in Teilen dieser Community – aber auch in linken und migrantischen Milieus – Anklang. Die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist geprägt von einer Polarisierung, die bis in den Kulturbetrieb hineinreicht. So boykottierten zahlreiche Künstler und Intellektuelle die Documenta fifteen wegen antisemitischer Inhalte, und auch Theaterdebatten um israelbezogenen Antisemitismus sind an der Tagesordnung.

Eralp selbst beobachtet eine Verschiebung: Während in den 2000er Jahren noch offen über islamistischen Terror diskutiert wurde – etwa nach den Anschlägen von Madrid oder London –, sei heute eine „Kultur der Vorsicht“ entstanden. Viele Journalisten, Wissenschaftler und Kulturschaffende vermeiden es demnach, konkrete Namen zu nennen, aus Angst vor Anfeindungen im Netz oder vor Vereinnahmung durch politische Lager. Dieses Phänomen betrifft nicht nur die Hamas, sondern auch andere Begriffe wie „islamistischer Antisemitismus“ oder „religiöser Fanatismus“. Die Benennung gilt inzwischen als politische Handlung, die Konsequenzen haben kann.

**Analise**

Die von Eralp beschriebene sprachliche Scheu ist mehr als nur ein individuelles Unbehagen – sie ist Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Verunsicherung. In einer Gesellschaft, die um Diversität und postkoloniale Sensibilität ringt, ist die Grenze zwischen sachlicher Kritik und diskriminierender Zuschreibung oft unscharf. Wer heute die Hamas beim Namen nennt und ihre islamistische Ideologie als solche benennt, muss damit rechnen, in eine rechte oder linke Ecke gestellt zu werden. Linke Gruppen werfen Israelkritikern teilweise vor, durch die Nennung der Hamas den antikolonialen Widerstand zu delegitimieren; rechte Gruppen instrumentalisieren umgekehrt jede Kritik an der Hamas, um pauschal gegen muslimische Migranten zu hetzen. In diesem Kreuzfeuer verstummen viele – oder sie wählen eine vorsichtige, indirekte Sprache.

Diese sprachliche Lähmung hat reale kulturelle Folgen. Sie verhindert eine offene Debatte über die Ursachen von Extremismus, über die Rolle von Moscheevereinen und über die Notwendigkeit einer differenzierten Integrationspolitik. Eralp argumentiert, dass es genau diese Sprachlosigkeit sei, die Extremisten in die Hände spiele. Denn wenn moderate Stimmen sich nicht trauen, die Hamas zu kritisieren, bleibe das Feld den Radikalen überlassen. Das kulturelle Tabu, einen Namen nicht auszusprechen, sei letztlich ein Zeichen von Schwäche – und nicht von Toleranz. Sie selbst habe gelernt, ihre Sprache an die Erwartungen ihres Publikums anzupassen, doch sie warnt davor, dass diese Anpassung zur Selbstzensur werden könne.

**Fontes**

- Öffentliche Äußerungen von Elif Eralp in Interviews und Podcasts, unter anderem bei der Bundeszentrale für politische Bildung (2024-2025). - Berichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und „Die Zeit“ über Debatten zur Meinungsfreiheit im Nahostkonflikt. - Studien des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) zur Wahrnehmung von Islamismus in der deutschen Gesellschaft (Hinweise allgemein, keine konkreten Zahlen). - Eigene Recherchen des FORTIS NEWS zu kulturellen Tabus in der deutschen Diskurslandschaft.

Renan Filho
Sobre o autor
Renan Filho
Editor-Chefe do FORTIS News

Editor-chefe do FORTIS News. Especialista em tecnologia, inteligencia artificial e mercados financeiros. Criador de fintechs e plataformas digitais que combinam tecnologia, dados e inteligencia artificial para entregar valor real.